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Süßes Nixtun ...


Manchmal sitz ich einfach nur da und mach nix. Meist überlege ich, was ich denn nun mit dem angebrochenen Tag anfange. Auf dem Sofa sitzend, starre ich Löcher in die Luft und diverse Gedanken schwirren in meinem Hirn herum...


Bei diesen Gelegenheiten kann es dann passieren, dass mir irgendwas einfällt, ich mich an etwas erinnere oder ich einfach Ideen hab. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass eine riesige Armada an Gedanken wie wild durch mein Hirn hindurch rudert. Eine kleine Auswahl aus diesem Gedankenwust, von dem die eine Hälfte ziemlicher Blödsinn und die andere nicht wirklich zu Ende gedacht ist, teile ich heute mit euch. Sankt Martin Style.

Ganz aktuell – und das habt ihr vielleicht mitbekommen – debattieren einige Menschen darüber die Klingelschilder von Wohnungen zu entfernen. Der Grund: ein Wiener Mieter hat sich darüber beschwert, dass der Name auf dem Klingelschild gegen die EU-Datenschutzverordnung (DSGVO) verstößt. Daraufhin machte sich die Hausverwaltung „Wiener Wohnen“ schlau, kam zu dem selben Schluss und möchte nun bis Jahresende die Klingelschilder von über 200.000 Wohnungen entfernen. So weit, so seltsam. In meinem Schädel begann es daraufhin zu arbeiten. Wo steht die Privatsphäre noch auf dem Spiel? Mir fiel daraufhin allerhand ein und ich malte mir aus, was künftig passieren könnte. Die erste Schlagzeile wird lauten: „Umfangreiche Kompendien mit Namen und Telefonnummern aufgetaucht – EU verbietet Telefonbücher.“ Um die Privatsphäre zu wahren, darf man sein Essen im Kühlschrank des Großraumbüros künftig nicht mehr mit Namen kennzeichnen. Visitenkarten darf man zwar noch besitzen, aber einer anderen Person nur noch kurz zeigen und nicht aushändigen. Eine Alternative dazu werden Visitenkarten sein, die sich nach 30 Sekunden selbst zerstören. Vermutlich darf bei den Kontakten im Handy dann auch nicht mehr der Name stehen. Und um ganz sicher zu gehen werden bei den Nummer mindestens drei Ziffern durch Sternchen ersetzt. Herr oder Frau EU, falls ihr noch mehr Ideen braucht – ich bin euer Mann.

Es ist Mitte Oktober und die Leute sind superdupergut drauf. Ist ja auch logisch. Ihr müsst nur mal rausschauen – das Wetter ist fantastisch. Nach einem Sommer, der seinem Namen alle Ehre macht, folgt ein Herbst der Superlative. Die Sonne hat kaum an Kraft eingebüßt, es ist immer noch schön grün vor der Haustür und unsere Laune wird nicht von diesem blöden Regen weggespült. Dass Wasserstände von Flüssen und Seen daher zurückgehen und die Schifffahrt darauf hin vielerorts zum erliegen kommt ist uns herzlich egal, denn wir können im leichten Pulli spazieren gehen. Dass abgesehen von den Obstbauern, die Landwirtschaft deutlich zu wenig Ertrag bringt interessiert uns wenig, da wir in der Wiese liegen und uns von den Sonnenstrahlen kitzeln lassen. Ein herrlicher, goldener Herbst. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man sich, während man schon auf dem Schafott liegt, tierisch darüber freuen, dass der Scharfrichter so ein unglaublich netter Typ ist.

Weg mit mit diesem miesepetrigen Zeug. Weihnachten steht vor der Tür... Na, zumindest ist Weihnachten am Horizont zu erkennen und es ist abzusehen, dass es bald vor der Tür stehen wird. Ich mag Weihnachten. Nein, ich liebe Weihnachten. Und das obwohl es an und um Weihnachten herum soviel Dinge gibt, die mich aufs heftigste abfucken. Wer hat eigentlich Glühwein erfunden? Und noch viel wichtige, warum? Wein: okay. Gewürze: okay. Zucker: okay. Aber alles zusammen und dann noch heiß machen: alles andere als okay. Hau mir ab damit. Und dann die Leute, die den Weihnachtsmarkt mit einem humorvollen Augenzwinkern „Glühmarkt“ nennen. Igitt! Apropos Weihnachtsmarkt. Vom Prinzip her finde ich Weihnachtsmärkte ja sogar ganz nett. Allerdings verstehe ich nicht warum die immer so wahnsinnig früh zumachen. Mir ist auch unklar, warum seit 1879 jedes Jahr aufs Neue, die gleichen Produkte angeboten werden. Was ich aber am wenigsten verstehe, sind die Menschen die Weihnachtsmärkte besuchen und währenddessen vergessen, ein einigermaßen sinnvolles Verhalten an den Tag zu legen. Ich habe Hunger, ich stelle mich am Essensstand an, ich bestelle eine Feuerwurst, ich zahle, ich ziehe mich zurück und geniese mein Essen. Nope! Ich habe Hunger, ich dränge mich zwischen mehreren anderen Wartenden durch und wedle mit einem Geldschein, ich bestelle eine Feuerwurst mit Extrawüschen, ich zahle und stelle mich mit vier anderen Personen mitten auf den engen Weg, sodass kein Mensch an uns vorbei kann. Weihnachtsmarkt: Danke, aber: Nein, Danke!

Von unentspannten Leuten, die in der Vorweihnachtszeit in Geschäften, Supermärkten und generell unterwegs sind, möchte ich da gar nicht anfangen. Wovon ich aber anfangen möchte, ist etwas, dass in den letzten Jahren gefühlt vermehrt auftritt. Die „Amerikanisierung“ der Weihnachtsdekorationen, insbesondere im Gartenbereich. Ein paar Lichterketten am Balkon oder ein beleuchteter Tannenbaum im Garten – dagegen hab ich gar nichts. Im Gegenteil, das finde ich durchaus ansprechend. Wenn allerdings jemand damit anfängt einen lebensgroßen, von innen beleuchteten Santa Clause inklusive Rentiergespann, mehreren Schneemännern und einem Berg an Geschenken aus billigstem Plastik im Garten zu parken und zudem noch sein Haus, die Garage, die Hecken und alle Bäume mit bunten, blinkenden Lichtern zu behängen, dann kommt mir das große Kotzen. Selbst auf die Gefahr hin, dass das Ganze ironisch gemeint ist: Unfassbar ekelhaft bleibt unfassbar ekelhaft. Um in diesem Abschnitt aber trotzdem auf einer versöhnlichen Note zu enden: Alles egal, ich liebe Weihnachten trotzdem!

Zum Schluss möchte ich nochmal ganz kurz auf Sankt Martin zurückkommen. Die erste Frage die sich mir da stellt ist, warum ist der Martinstag am gleichen Tag wie Karnevalsbeginn? War Martin von Tours vielleicht ein großer Faschingsliebhaber und hat seinen Mantel nur deshalb geteilt, damit der Bettler auch ein Kostüm hat? Wenn eine Tradition rund um den Martinstag die Martinsgans ist, warum gibt es beim Sank-Martins-Umzug nur trockene Brezeln? Eine letzte Frage die ich mir stelle: Ist es nicht logisch und daher redundant, dass meine Laterne mit mir geht, wenn ich mit ihr gehe?

Ja, manchmal sitze ich da und ich frage mich solche Sachen.


(ds)