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Stadtgespräch mit Ute Prestele



Ute Prestele vom Tierheim Weissenhorn

Das Tierheim in Weißenhorn ist für Menschen aus Weißenhorn und Umgebung die erste Anlaufstelle, wenn es um den örtlichen Tierschutz geht. Unabhängig davon, ob man ein Tier aus dem Tierheim adoptieren möchte oder sich aufgrund unterschiedlichster Umstände dazu gezwungen sieht, seinen Vierbeiner abzugeben, sollte die örtliche Tierhilfe stets die erste Adresse sein. Wir haben Ute Prestele im Interview:



FRIZZ: Frau Prestele, welche Funktion haben sie im Tierheim?

Ute Prestele: Ich bin erste Vorsitzende und Tierheimleitung des Tierheimes Weißenhorn. Diese Funktion übe ich im Ehrenamt neben meinem Hauptberuf aus.

Was genau ist Ihre Aufgabe?
Im Tierheim nimmt der Vereinsvorstand quasi die Rolle des „Geschäftsführers“ ein. Er trifft Personalentscheidungen, regelt die Finanzen und vertritt das Tierheim gerichtlich und außergerichtlich.
Zu unseren vielen Aufgaben gehören unter anderem die Aufnahme von Fundtieren, die Übernahme von Tieren aus Beschlagnahmungen aufgrund schlechter Haltung, die Pflege der uns anvertrauten Tiere und deren Vermittlung in ein neues Zuhause sowie die tierärztliche Versorgung der Tiere.
Er ist verantwortlich für den sicheren und gesundheitsgerechten Betrieb des Tierheims. Daraus ergeben sich für den Vorstand des Tierheims Aufgaben und Verantwortung. Diese betreffen einerseits die Beschäftigten und ehrenamtlich Tätigen sowie andererseits eine fachgerechte Unterbringung, Pflege und Versorgung von Tieren. Dazu gehören zum Beispiel angemessene und gute Arbeitsbedingungen, die Organisation der Arbeiten, die Information und Kommunikation, der Zustand der Arbeitsplätze, Räume, Anlagen, Gebäude, Gehege, Außenfläche und die Vergabe von Aufträgen und die Notfallvorsorge.

Können Sie uns etwas über die Entstehungsgeschichte Ihres Tierheims erzählen?
Der Tierschutzverein Weißenhorn e. V. wurde im Jahr 1961 gegründet und besteht aus den Sektionen Senden, Krumbach, Illertissen und Vöhringen. Im September 1998 öffnete das Tierheim Weißenhorn seine Türen für die Besucher. Jährlich werden etwa 400 Tiere bei uns aufgenommen, betreut und vermittelt.

Ausgesetzt oder vor dem Tierheim angebunden – wie kommen die Tiere am häufigsten zu Ihnen ins Tierheim?
Am meisten kommen Fundtiere, welche wahrscheinlich von ihren Besitzern ausgesetzt oder einfach zurückgelassen wurden, zu uns ins Tierheim.

Hat sich die Zahl der anonym ausgesetzten Tiere in den letzten Jahren erhöht?
Nein.

Hund oder Katze, welchen Vierbeiner müssen Sie häufiger bei sich aufnehmen?
Es werden mehr Katzen als Hunde bei uns aufgenommen.

Sommerferien oder nach der Weihnachtszeit, wann werden Ihrer Erfahrung nach die meisten Tiere ausgesetzt?
Hier können wir keinen Unterschied feststellen.

Sachspenden (Futter, Spielzeug) oder Geldspenden – was wird häufiger gespendet? Was ist ihnen tendenziell am Liebsten und warum?
Egal ob Sach- oder Geldspende, wir freuen uns und sind dankbar für jede Spende!

Führen Sie nach einer erfolgreichen Vermittlung regelmäßige Kontrollbesuche durch? Und wenn ja – wie sind dabei Ihre Erfahrungen?
Da wir bei der Vermittlung schon durch die intensive Beratung und Begleitung mit den neuen Besitzern eine Vertrauensbasis aufbauen und ihnen unseren Schützling anvertrauen, ergibt es sich von selbst, dass man auch nach der Vermittlung in Kontakt bleibt.

Viele Menschen stellen es sich bestimmt ganz einfach vor, einen Hund aus dem Tierheim zu adoptieren. Aber nach welchen Kriterien entscheiden sie, ob ein potentieller Besitzer für einen Hund geeignet ist?
Erst findet zu unseren Besuchszeiten ein Beratungsgespräch statt. Anschließend füllen die Interessenten eine Interessentenliste aus, wo verschiedene Angaben z. B. zu ihrer Wohnsituation gemacht werden. Danach werden gemeinsame Gassi-Termine vereinbart. Funktioniert es gut zwischen Mensch und Hund, wird eine persönliche Platzkontrolle mit Beratung vor Ort durchgeführt. Außerdem findet, bevor der Hund in sein neues Zuhause einzieht, eine Ausgangsuntersuchung durch unsere Tierärztinnen statt. Die Vermittlungsdauer ist von Tier zu Tier verschieden.

Wie groß ist ungefähr die Quote der zurückgebrachten Tiere? An welchen Gründen scheitert die erfolgreiche und langfristige Vermittlung größtenteils?
Diese ist erfreulicherweise niedrig. Sollte ein Tier zurückgebracht werden, liegen die Gründe oft an plötzlich veränderten Lebensumständen, z.B. aufgrund von Krankheit oder arbeitsbedingt.

Was sind die häufigsten Gründe, für eine Abgabe des Tieres bei Ihnen?
Bei Hunden: Verhaltensauffälligkeiten wie z. B. Beißvorfälle. Auch Allergie, Krankheit, Umzug, Scheidung und Kinder-Zuwachs sind oft Abgabegründe.

Kann man das Tierheim nur mit Sach- oder Geldspenden unterstützen, oder gibt es Möglichkeiten Sie mit „Man-Power“ zu unterstützen, wie z.B. regelmäßige Gassigänge und Spieleinheiten mit Hunden oder Katzen?
Ja natürlich, wir haben beispielsweise das Katzenstreichelprojekt. Zutrauliche, scheue oder sehr alte Katzen kommen mit der Situation im Tierheim nicht so gut zurecht. Darum sind wir froh, dass es Menschen gibt, die sich dieser Katzen annehmen und uns so tatkräftig unterstützen. Auch ehrenamtliches Gassigehen, wo im Vorfeld eine Gassi-Schulung bei uns absolviert werden muss, ist eine tolle Sache. Wobei wir momentan nur Gassi-Geher für unter der Woche suchen.  Es gibt noch vieles anderes, z. B. Botenfahrten usw. Wer helfen möchte, kann sich gerne bei uns im Tierheim melden.

Wie viele Tiere beherbergen Sie?
Momentan ist unser Tierbestand mit 25 Katzen, sieben Hunden und acht Kleintieren niedrig. Wenn es wieder wärmer wird und die nicht kastrierten Kater aktiv werden, kann unser Tierbestand bei den Katzen schnell wieder auf 70 bis 80 ansteigen.

Sind Hunde oder Katzen, die gewisse Zeit im Tierheim unterbracht wurden, generell auffälliger als ihre Artgenossen?
Da konnten wir bisher keine Auffälligkeiten feststellen.

Wie finanzieren Sie sich?
Hauptsächlich durch die Fundtierpauschale der uns zugehörigen Kommunen, durch Mitgliedsbeiträge und durch Spenden.

Können Sie in etwa sagen wie hoch die Unterbringungskosten eines Hundes im Jahr sind?
Das ist schwierig zu pauschalisieren, da es immer auf die Rasse und den jeweiligen Gesundheitszustand des Tieres ankommt.

Nehmen Sie auch Tiere aus dem Ausland bei sich auf?
Nein, in der Regel nicht. Außer unser Dachverband, der Deutsche Tierschutzbund, bittet um Hilfe, z. B. bei illegalen Welpentransporten, die in Bayern gestoppt wurden. Meistens sind das zwischen fünf und zehn Welpen, die wir in solchen Situationen bei uns aufnehmen.

Wie viele Hauptamtliche und wie viele ehrenamtliche Mitarbeiter beschäftigen Sie?
Wir beschäftigen momentan zwei Vollzeit-, zwei Teilzeitkräfte und sechs Mini-Jobber. Die Anzahl der ehrenamtlichen Helfer wechselt ständig.

Gibt es bei Ihnen einen Hundetrainer oder arbeiten Sie mit einem zusammen?
Wir haben keinen ausgebildeten Hundetrainer bei uns im Tierheim beschäftigt. Das Training der Hunde wird ehrenamtlich von meiner Schwester der 2. Vorsitzenden übernommen. Bei schwierigen Fällen arbeiten wir vertrauensvoll mit der Hundeschule „HundeVoll“ in Vöhringen zusammen.

Was würden Sie generell Menschen empfehlen, die sich ein Haustier anschaffen wollen?
Es sollte sich jeder folgende Fragen stellen:
  •   Habe ich genug Zeit?
  •   Werde ich den Ansprüchen des Tieres gerecht?
  •   Kann ich mir das finanziell leisten?
  •   Was mache ich im Urlaub mit dem Tier?
  •   Wer versorgt mein Tier bei Krankheit?
  •   Ist mein Vermieter mit der Tierhaltung einverstanden?
  •   Sind alle Familienmitglieder einverstanden?

Ging Ihnen schon einmal eine „Tiergeschichte“ richtig ans Herz?
Da gibt es viele. Eine davon ist das Schicksal unserer Mischlingshündin Lissy, die jahrelang draußen angekettet auf einem Hof leben musste und nur eine marode Hundehütte als „Schutz“ zur Verfügung hatte. Sie durfte vor kurzem in ein schönes Zuhause einziehen.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit?
Das Schönste an meiner Arbeit ist, dass durch unsere Hilfe Tiere, die aus welchem Grund auch immer im Tierheim landen, eine Chance auf eine glückliche Zukunft bekommen.

Warum lohnt sich ein Besuch im Tierheim auf jeden Fall?
Ein Besuch im Tierheim lohnt sich immer, weil man sich die Tiere vor Ort anschauen und Kontakt mit dem Tier aufnehmen kann. Man kann sich für die Beratung und Vermittlung Zeit nehmen und sich über die Haltung der verschiedenen Tiere informieren. Wir stehen nach der Vermittlung weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Man kann sich bei uns allgemein über Tierschutz informieren und wir stehen auch bei Problemen mit dem eigenen Haustier beratend zur Seite.


www.tierheimweissenhorn.de