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Stadtgespräch mit Chrissie Weiss




Moderatorin Chrissie WeissChristina „Chrissie“ Weiss – eine preisgekrönte Radio-Persönlichkeit und ein echtes Allround-Talent. Die ausgebildete Nachrichtenredakteurin und -sprecherin arbeitet inzwischen bereits seit 18 Jahren im Bereich Moderation.


FRIZZ: In Deutschland gibt es für den Beruf des Rundfunkmoderators kein einheitliches Berufsbild. Moderatoren in Fernsehen oder Hörfunk kommen oft aus journalistischen oder künstlerischen Berufen. Wie bist du zum Radio gekommen?
Chrissie: In meinem Abitur-Jahrgang wollten alle Mädels „irgendwas mit Medien“ machen. Das war damals schon fast ein geflügeltes Wort, und ich habe gedacht, ich will das auch. Mir war aber noch sehr unklar, für welches Medium ich mich entscheiden sollte. Also habe ich nach der Schule verschiedene Praktika absolviert: Bei der Tageszeitung, beim Fernsehen und unter anderem auch im Radio. Letztendlich habe ich dann bei einem kleinen Lokalsender in Hamburg in der Nachrichtenredaktion volontiert. Ursprünglich bin ich gelernte Nachrichtenredakteurin und habe das nach der Ausbildung auch noch ein paar Jahre lang gemacht.

FRIZZ: Was waren für dich die größten Herausforderungen im Volontariat?
Chrissie: In der Nachrichtenredaktion bekommt man alle Nachrichten ungefiltert aus der ganzen Welt. Es ist eine große Herausforderung und auch eine große Verantwortung, die ganzen Informationen so aufzubereiten, dass der Zuhörer hinterher das Wichtigste weiß und es auch angemessen einordnen kann. Mein Volontariat war zur Zeit des 11. September. Das ist so ein klassisches Beispiel dafür, wie sich die Meldungen überschlagen und verantwortungsvoll in der Redaktion sortiert werden müssen. Es ist damals immens viel passiert und es musste blitzschnell entschieden werden, in welcher Form wir das unseren Zuhörern übermitteln. Für große Überlegungen war gar keine Zeit, es musste alles fast unmittelbar „on air“. Das war wohl meine größte Herausforderung.

FRIZZ: Bei allem, was es über dich zu lesen gibt, kommt einem sehr viel Enthusiasmus und Leidenschaft entgegen. Hast du vielmehr eine Berufung als einen Beruf?
Chrissie: Dazu fällt mir ein schönes Zitat meines Mentors aus Hamburg ein: „Wenn du den richtigen Beruf für dich gefunden hast, brauchst du nie mehr zu arbeiten.“  Diesen Satz sollte man ein wenig auf sich wirken lassen. Doch bei mir ist es so, ich arbeite nicht im klassischen Sinne, sondern ich lebe!

FRIZZ: Du bekamst 2011 den deutschen Radiopreis in der Kategorie „Bestes Interview“. Du redetest mit Balian Buschbaum über Transsexualität. Was machte gerade dieses Interview zu etwas Besonderem?
Chrissie: Meine Art ist eine sehr direkte, und so ist es auch mit meiner Fragestellung. Ich denke, es war die Mischung aus direkten und entwaffnenden Fragen auf der einen und den zu spürenden Respekt, den ich ihm entgegenbrachte, auf der anderen Seite. Mit seiner Thematik habe ich mich im Vorfeld intensiv auseinandergesetzt und konnte mich auch gut in ihn hinein fühlen. Deshalb hat er sich mit viel Vertrauen geöffnet und verstanden gefühlt, wie er mir anschließend gesagt hat.


„Wenn du den richtigen
Beruf für dich gefunden
hast, brauchst du 
nie mehr
zu 
arbeiten.




FRIZZ: 135 öffentlich-rechtliche und private Radiosender reichten in zehn Kategorien insgesamt 265 Produktionen für den Deutschen Radiopreis 2011 ein. Der Deutsche Radiopreis ist die wichtigste Auszeichnung für Radiomacher in Deutschland. Was für ein Gefühl ist es, diesen zu gewinnen und hattest du damit gerechnet?
Chrissie: Das war einer der schönsten Abende meiner Karriere und es war ein riesiges Lob für mich und meine Arbeit. Wobei allein schon die Nominierung für den Radiopreis ein Gewinn ist. Wenn man bei so vielen Leuten unter die drei Besten gewählt wird, ist das eine große Auszeichnung.

FRIZZ: Du hast die „Radio 7-Chrissie Show“ moderiert, die wochentags von 15 bis 20 Uhr lief und Information, Unterhaltung, Interviews und Portraits umfasste. Wie wichtig war diese Arbeit für dein weiteres Schaffen?
Chrissie: Sehr wichtig! Ich habe diese Show acht Jahre lang moderiert und sie  war eine super Möglichkeit einen ganz direkten Draht zu Radio 7- Hörern herzustellen. Ich bin täglich Teil des Alltags von so vielen Menschen gewesen und konnte an ihrem Leben Anteil nehmen. In dieser Zeit habe ich tolle und wertvolle Erfahrungen gesammelt.

FRIZZ: Günter Jauch sagte, nachdem du ihn interviewt hast: „Man weiß ja nie, auf wen man trifft an so einem Abend. Sie haben das super gut gemacht! Es war lustig, spannend und interessant, was es bei mir nicht immer ist.“ Ist ein Kompliment von so einem Medienprofi ein Ritterschlag?
Chrissie: Ja, genauso empfinde ich das!

FRIZZ: Seit Februar 2018 bist du wieder „on air“ – und zwar in Nord- und Süddeutschland! Du moderierst  und produzierst ein wöchentliches Talk-Format für Antenne Niedersachsen und Radio 7. Was machst du da genau?
Chrissie: Kurz gesagt, ich reise quer durch Deutschland und treffe spannende Persönlichkeiten, setze mich mit ihnen zusammen und wir „quatschen“. Danach fahre ich nach Hause und schneide die Gespräche für die Sendung in meinem Heimstudio zusammen.

FRIZZ: Wie bereitest du dich auf diese Interviews vor?
Chrissie: Dazu befasse ich mich mit allen Medien. Ich lese viel, höre Radio, schaue fern und recherchiere mich durchs Internet. So bekomme ich  neue Ideen und Impulse, die ich für meine Arbeit brauche. Danach schreibe ich mein Skript. Ich habe ein spezielles Konzept für mich erarbeitet, an das ich mich akribisch halte.

FRIZZ: War dieses Format deine eigene Idee?
Chrissie: Interviews habe  ich vor Jahren schon innerhalb der Chrissie-Show gemacht und habe es damals schon schade gefunden, keinen extra Sendeplatz dafür zu haben. Deshalb habe ich mit diesem Anliegen ziemlich lange an der Tür des Chefs gekratzt. Insofern ja, es war meine Idee und mein Durchhaltevermögen.

FRIZZ: Kannst du ungefähr sagen, wie viel Vorbereitungszeit eine Sendung in Anspruch nimmt?
Chrissie: Pro Sendung ist das ziemlich schwer zu sagen, da ich mehr oder weniger alles alleine mache: Akquise, Recherche, Telefonate mit Managements und redaktionelle Vorbereitung. Das ist ein komplexes Gesamtpaket. Zeitlich sind es etwa acht Stunden pro Show.

FRIZZ: In deiner Sendung läuft ja auch viel Musik. Kannst du die reine Redezeit in Minuten ausdrücken?
Chrissie: Es sind ungefähr 30 Minuten.

FRIZZ: Hattest du schon einmal einen Interviewpartner, der so richtig schwierig war?
Chrissie: Zum Glück nicht. Selten kommt es vor, dass jemand im Vorgespräch twas „zäh“ ist, aber im Endeffekt, knacke ich alle (lacht).

FRIZZ: Wie muss ein Interview laufen, damit du hinterher zufrieden bist?
Chrissie: Im besten Fall gibt es den Moment, in dem  ich merke, dass mein Gegenüber seine Tür öffnet und mich in sein Leben lässt. Das lass ich dann Laufen und denke innerlich „yeah“!

FRIZZ: Ist Aufregung vor einem Wortwechsel noch ein Thema für dich?
Chrissie: Ich bin überhaupt nicht mehr aufgeregt. Bei ganz wenigen Persönlichkeiten gibt es eine positive Anspannung und zwar immer dann, wenn ich zu einem Menschen einen persönlichen Bezug habe. Letztes Jahr traf ich Rolf Zuckowski, mit dem ich meine Kindheit verbinde. Da ich selbst ein kleines Kind habe und die Lieder von ihm immer noch höre, ist er ein Teil unseres Lebens geworden. Vor dem Interview dachte ich schon, hoffentlich ist er nicht unsympathisch. Zum Glück war er total nett.

FRIZZ: Sind in Zeiten von Spotify, klassische Senderstrukturen noch zeitgemäß?
Chrissie: Wer die persönliche Ansprache sucht, wird immer wieder beim Radio landen. Radio hat sehr viel mit Vertrauen und vertrauter Stimme zu tun. Der Radiosprecher wird beinahe als Freund  oder als Konstante in deinem Leben empfunden. Das ist ein gravierender Unterschied zu der Playlist bei Spotify. Da hast du zwar exakt deinen Musikgeschmack aber eben nicht diese Begleitung durch den Alltag. Außerdem sagt dir Spotify im Zweifelsfall nicht, ob die Welt noch steht. Bei allen Vorzügen, die andere Medien haben - wenn die Bombe hoch geht, schaltet jeder gleich das Radio an, weil die Informationen ganz sicher unmittelbar erfolgen. Davon bin ich überzeugt.

FRIZZ: Kennst du Forschungsergebnisse, weswegen das Radio heutzutage eingeschaltet wird? Sind Textbeiträge oder ist Musik mehr gefragt?
Chrissie: Meiner Erfahrung nach hat Musik den größeren Stellenwert.

FRIZZ: Wie werden wir in zehn Jahren mit diesem Medium umgehen. Kannst du einen Blick in die Zukunft wagen?
Chrissie: Dazu wage ich keine Prognose.

FRIZZ: Ist es wichtig für dich, in den Social Media vertreten und aktiv zu sein?
Chrissie: Ja, das ist wichtig und gehört zu dem öffentlichen Teil meines Jobs. Die Leute hören ja meine Sendung um Hintergründe zu erfahren und Informationen, die nicht in der Zeitung stehen, zu bekommen. Deshalb sehe ich es auch als meine Aufgabe an, sie auf meine Trips zu den Persönlichkeiten mit zu nehmen. Es macht mir Spaß und ist für mich auch eine Möglichkeit, Kontakt zu meinen Hörern zu halten.

FRIZZ: Neben Radiomoderationen machst du beruflich auch noch andere Dinge, welche?
Chrissie: Sehr viel Eventmoderation – vom Firmenjubiläum, über die Gala bis hin zur Messe. Ich mache auch gerne Talkveranstaltungen wie Podiumsdiskussionen oder ähnliches. Seit ein paar Jahren gebe ich Seminare am Bodensee Campus, dort unterrichte ich Rhetorik und Präsentation.


„Meine Art ist eine sehr
direkte, und so ist es auch
mit meiner Fragestellung.




FRIZZ: Wie bekommst du Kind und Karriere unter einen Hut?
Chrissie: Dazu fallen mir drei Stichworte ein: Logistik, guter Ehemann, loslassen können!  Es ist wichtig sich, von perfektionistischen Ansprüchen zu lösen. Zum Kindergeburtstag gibt es eben notfalls anstatt selbstgebackener, mit Liebe gekaufte Muffins…

FRIZZ: Du hast eine einnehmende, warmherzige Stimme. Wie sieht es denn mit Verehrer, Anträgen und Fanpost aus?
Chrissie: Einen Antrag habe ich bekommen und ihn auch gleich bejaht, weil ich dachte, etwas Besseres kommt sicher nicht nach. Mein größter Verehrer ist einen Meter groß und gegen sein Strahlen, wenn ich nach Hause komme, hat kein anderer eine Chance.

FRIZZ: Würde dich eine Talkshow im Fernsehen reizen?
Chrissie: Ja natürlich, ich liebe Talk und beim Medium bin ich flexibel.

FRIZZ: Du kommst ja ursprünglich aus dem Norden. Ist Baden Württemberg mittlerweile deine Heimat geworden?
Chrissie: Definitiv ja!

FRIZZ: Hast du einen „Wunsch-Interviewpartner“?
Chrissie: Sehr gerne würde ich mich nochmal mit Günther Jauch zusammen setzen. Aber er möchte leider generell nicht interviewt werden. Vielleicht wird sich das irgendwann einmal ändern, ich bleibe auf jeden Fall dran.

FRIZZ: Welches war dein letztes Konzert?
Chrissie: Die Toten Hosen, es war super!

FRIZZ: Du hast drei Wünsche frei...?
Chrissie: Neben Gesundheit für meine Lieben, ein Islandpferd, Zeit für ein Islandpferd und weiterhin diesen wunderbaren Job, denn wer den richtigen Beruf für sich gefunden hat, braucht ja nie wieder zu arbeiten (lacht).