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Stadtgespräch: Interview mit Yasi Hofer




Yasi Hofer begann bereits in jungen Jahren mit dem Geige spielen, entschied sich dann jedoch mit zwölf Jahren für die E-Gitarre. Durch ihren damaligen Gitarrenlehrer wurde sie an die Musik und Spieltechniken von Steve Vai herangeführt, die sie fortan bis zu zehn Stunden am Tag übte. Bereits im Alter von 14 Jahren erkannte Steve Vai ihr Talent und lud sie bei einem Konzert im Ulmer Zelt zu sich auf die Bühne ein, wo beide den Vai Song „Answers“ gemeinsam spielten. Weitere Gastauftritte in ganz Europa folgten.


Yasi Hofer mit GitarreFRIZZ: Gab es einen „Aha-Moment“ in deiner Jugend, in dem du dich für den Tausch - Geige gegen E-Gitarre -entschieden hast, oder wie kam es dazu?
Yasi Hofer: Der Song Eye of the Tiger von Survivor hatte so einen Wow-Effekt auf mich. Ich wollte unbedingt dieses Riff spielen können. Die Geige hat nicht wirklich zu mir gepasst. Früher war ich immer mit Jungs unterwegs, hab Fußball gespielt und mich für Kampfsport interessiert. Mit der Gitarre in einer Band Rock Musik zu spielen war da naheliegender als klassisch Geige zu lernen.

FRIZZ: Im Zeitalter von Playstation, Handy, Computer, etc. übtest du 10 Stunden am Tag Gitarre? Das klingt unglaublich, was motivierte dich so sehr?
Yasi Hofer: Mich hat die Gitarre von Anfang an total fasziniert. Nur fünf Monate nachdem ich damit angefangen habe, hörte ich zum ersten Mal Steve Vai. Von diesem Moment an war klar: So wollte ich auch spielen können. Deshalb habe ich solange geübt, bis ich mir ein paar Songs angeeignet hatte. Jedes Erfolgserlebnis motivierte mich weiterzumachen. Ich wusste, ich kann alles schaffen, wenn ich nur intensiv genug übe. Um Ablenkung zu vermeiden habe ich dann meine Xbox verkauft und mit dem Fußball aufgehört. Es ging von morgens bis abends nur noch um Musik.

FRIZZ: Mit 15 hast du die Schule verlassen um an der Musikhochschule in Stuttgart zu studieren. Wie fanden das deine Eltern?
Yasi Hofer: Wir haben das ohne jede Diskussion und in völligem Einverständnis entschieden. Meine Eltern wussten, wie ernst es mir mit der Musik war und dass ich meinen Weg auch gehen werde, wenn ich mich ihr vollkommen hingeben kann.

FRIZZ: Drei Semester später bewarbst du dich um ein Stipendium für das weltberühmte „Berklee College of Music“ in Boston. Welche Erinnerungen hast du an dieses Jahr?
Yasi Hofer: Das war das tollste Jahr meines Lebens. Es drehte sich alles nur um die Musik und ich war umgeben von Menschen, denen sie genauso viel bedeutete wie mir. Wir alle haben jeden Tag sehr viel geübt und zusammen Musik gemacht. Natürlich habe ich sehr viel gelernt, der Stoff am Berklee ist sehr intensiv und man lebt und lernt ganz schön unter Druck. Das war genau das, was ich wollte: Möglichst viel Input bekommen und verarbeiten. Ich würde jederzeit wieder dort studieren.

FRIZZ: Als du nach Deutschland zurückkehrtest, veröffentlichtest du dein Debüt-Album „Yasi“. Wie aufregend war die Zeit danach?
Yasi Hofer: Natürlich sehr. Alles, was da auf mich zukam, war totales Neuland: Plötzlich eine eigene CD, eine eigene Band und eigene Konzerte. Ich musste mich in alles erst mal rein finden, habe aber von Anfang an meinen Spaß daran gehabt und gemerkt, dass die Bühne mein zu Hause ist. Menschen um mich zu haben, die etwas mit meiner Musik anfangen können, ist ein unbeschreibliches Gefühl.

FRIZZ: Du sagst, dass US- Gitarrengenie Steve Vai dein Mentor ist. Wie hast du ihn kennen gelernt?
Yasi Hofer: Ich habe ihm als 14 jähriges Mädchen einen Brief geschrieben und erstaunlicherweise eine Antwort  bekommen. Seither brach der Kontakt nicht mehr ab.

FRIZZ: Wie sieht euer Kontakt heute aus?
Yasi Hofer: Wir sind sehr gute Freunde. Wenn ich in LA bin, treffen wir uns auch mal zum Essen oder bei ihm im Studio. Er ist für mich zu einem der wichtigsten Menschen geworden, der mich zudem immer noch inspiriert. Auch er hat seine Freude daran, meinen Weg zu verfolgen.

FRIZZ: Deine zweite Platte heißt „Faith“! An was glaubst du und warum dieser Titel?
Yasi Hofer: Allgemein glaube ich an die Macht der Gedanken und daran, dass nichts unmöglich ist. Bezogen auf das Album: Zu der Zeit, als ich die meisten Songs wie z.B. Faith geschrieben habe, habe ich angefangen, mich aktiv für Tierrechte zu engagieren. Sich tagtäglich und ganz direkt mit dem unfassbaren Leid der Tiere in unserer Gesellschaft auseinanderzusetzten hat mir sehr zugesetzt. Mir wurde klar, ich kann diese Arbeit nur dann auf längere Zeit machen und ein glücklicher Mensch bleiben, wenn ich mir die Hoffnung auf eine bessere, friedlichere Zukunft für alle bewahre. Auch das Leid einiger Tiere zu lindern ist ein Erfolg und Anlass zu dieser Hoffnung.

FRIZZ: Wenn du die Arbeit für die beiden Alben vergleichst, welche war schwieriger?
Yasi Hofer: Definitv die zweite. Beim ersten Album habe ich mir gar nichts gedacht, einfach über die Jahre Musik geschrieben und die dann veröffentlicht, ganz ohne zu wissen, ob es jemanden geben wird, der diese Musik gern hört und etwas damit anfangen kann. Beim zweiten Album war ich plötzlich mit der Erwartungshaltung vieler Menschen konfrontiert, denen meine Musik gefiel. Dieser Druck, auch wenn er zum größten Teil nur in meinem Kopf stattfand, war mir fremd. Ich hab einige Zeit gebraucht ihn loszuwerden, einfach wieder mein Ding zu machen, meinen Inspirationen zu folgen und das zu schreiben, was mich begeistert.

FRIZZ: Dein Terminkalender ist ziemlich voll, hättest du das jemals so vermutet?
Yasi Hofer: Nein, vor allem nicht so schnell. Es wird jedes Jahr so viel mehr und es ist schon so weit, dass ich recht viel absagen muss. Es freut mich natürlich sehr, dass ich sowohl mit meiner Musik als auch mit anderen Projekten so viel unterwegs sein darf und wirklich das ganze Jahr über mit Musik-Jobs ausgebucht bin.

FRIZZ: Siehst du dich als reine Instrumentalistin?
Yasi Hofer: Nein, ich sehe mich immer mehr als Songschreiberin, das wird man glaube ich bei meinem dritten Album auch feststellen können. Die letzten Jahre ging es mir wirklich hauptsächlich nur um die Gitarre, mittlerweile geht es mir um Songs. Ich habe das Gefühl, dass ich musikalischer und mehr im Kontext denke als nur technisch und instrumental.

FRIZZ: Stilistisch scheinst du wenig festgelegt und sehr flexibel zu sein. Woher kommt diese enorme Bandbreite?
Yasi Hofer: Ganz genau kann ich es nicht sagen. Aber ich höre sehr viel und sehr unterschiedliche Musik. Mir gefällt Rock, Jazz, Blues aber auch Klassik... ich glaube, dass ich mir da von allem, was ich höre, ganz unbewusst Inspiration hole. Ich würde mich auch selber recht schnell langweilen, wenn ich mich beispielsweise nur dem Blues hingeben würde. So ticke ich einfach nicht; ich setze mir keine Grenzen und mache das, was raus will.

FRIZZ: Kann man von so einer Musik leben?
Yasi Hofer: Ob „man“ davon leben kann, weiß ich nicht; glücklicherweise klappt es bei mir – zumindest im Moment. Natürlich geht es auch für mich nicht ganz ohne nebenher den ein oder anderen Cover-Job zu spielen, aber das mach ich auch gerne.

FRIZZ: Nun standest du ja schon mit einigen bekannten Musikern auf der Bühne. Kannst du ein paar nennen?
Yasi Hofer: Die zwei bedeutendsten und wichtigsten sind Steve Vai und Hellmut Hattler. Ich durfte auch schon mit Lita Ford zusammen auf der Bühne stehen. In dem Moment, in dem ich Musik mache, ist es mir egal, wie bekannt derjenige ist, mit dem ich spiele. Es muss etwas Magisches entstehen und das ist bei mir und Lita einfach nicht passiert.

FRIZZ: Wer hat dich am meisten beeindruckt?
Yasi Hofer: Steve Vai - ich lerne in jeder Sekunde, die ich mit ihm zusammen Musik machen darf, unfassbar viel und es inspiriert mich zu sehen, wie er die Musik lebt und vollkommen im „Hier und Jetzt“ dabei ist.

FRIZZ: Wenn du die Wahl hättest, mit wem würdest du gerne einmal „jammen“?
Yasi Hofer: Jeff Beck oder auch Scott Henderson.

FRIZZ: Welche Arbeit ist die intensivere, die im Studio oder die auf der Bühne?
Yasi Hofer: Es ist beides auf verschiedene Art und Weise intensiv. Die Arbeit im Studio für ein neues Album zieht sich natürlich über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren - im Endspurt, also wenn alles final aufgenommen wird sind das einige Monate intensiver und langer Phasen mit viel Arbeit.

FRIZZ: An welchen Projekten arbeitest du im Moment?
Yasi Hofer: Meine Hauptarbeit im Moment ist mein drittes Album „Freedom“ dass Anfang  2019 veröffentlicht werden soll. Nebenher planen wir die Tour dazu für das Frühjahr 2019. Das sind meine Hauptbaustellen. Darüber hinaus schreibe ich unentwegt neue Songs und habe einiges geplant, worüber zu reden es aber zu diesem Zeitpunkt noch zu früh wäre.

FRIZZ: Ist unsere Gegend ein guter „Nährboden“ für Musiker oder wirst du in absehbarer Zeit nach Berlin oder sonst einer Großstadt umziehen?
Yasi Hofer: Für mich, als selbständige Musikerin, die hauptsächlich mit ihrer eigenen Musik unterwegs ist, ist es ziemlich egal, wo ich wohne. Wäre ich jetzt eine Gitarristin, die darauf aus ist, für möglichst viele Bands und Events gebucht zu werden, glaube ich schon, dass es hilfreich wäre, in einer Stadt wie Berlin zu sein in der jeder weiß, dass es dich gibt und du einen guten Job machst. Networking ist da so ziemlich alles. In der Zeit von Social Media geht das aber auch auf dem Land oder in der Kleinstadt immer besser.

FRIZZ: Neben der Musik sind Tiere deine große Leidenschaft. Denkst du wir bringen ihnen den nötigen Respekt entgegen?
Yasi Hofer: Leider gar nicht, wir behandeln Tiere ziemlich minderwertig. Wir nutzen und beuten sie in jeglicher Form aus, töten und essen sie sogar. Mit Respekt hat das leider gar nichts zu tun. Ich hoffe, wir werden irgendwann kapieren, dass es viel schöner, sinnvoller und friedlicher wäre, auch mit ihnen zusammen und in Einklang zu leben. Sie sind genauso fühlende Wesen wie wir, die genauso am Leben hängen wie wir. Nichts sollte uns also das Recht geben, so mit ihnen umzugehen, wie wir das leider tun.

FRIZZ: Engagierst du dich in irgendeiner Weise für den Tierschutz?
Yasi Hofer: Ja, auf ganz viele verschiedene Arten. Hauptsächlich bin ich bei Soko Tierschutz aktiv. Wir leisten Aufklärungsarbeit durch Recherchen, bei denen wir Missstände aufdecken und diese dadurch versuchen zu beenden. Bilder und Videos die dabei veröffentlicht werden, regen Menschen zum Nach- und Umdenken an – auch was ihre Ernährung angeht.

FRIZZ: Hast du selbst welche?
Yasi Hofer: Ja, ich habe zwei wundervolle Hunde!

FRIZZ: Wie verbringst du deine Freizeit?
Yasi Hofer: Freizeit habe ich leider so gut wie gar keine, wenn doch, dann verbringe ich sie am liebsten mit den Hunden in der Natur.

FRIZZ: Findet man dich auch als Zuhörer auf dem ein - oder anderen Konzert?
Yasi Hofer: Leider immer weniger, da ich die meiste Zeit selber Konzerte habe. Wir kennen diese Problematik unter Musikerkollegen, weil wir es fast nie schaffen gegenseitig unsere Konzerte zu besuchen. Wenn jemand wie Steve Vai oder Steven Wilson auf Tour geht, versuche ich mir aber natürlich so früh wie möglich ein Konzerttermin freizuhalten um das nicht zu verpassen.

FRIZZ: Du hättest drei Wünsche frei...?
Yasi Hofer: Frieden, Glück und Gesundheit für alle Lebewesen und unseren Planeten. (lächelt)