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Stadtgespräch: Interview mit Shanin Kanik (Evil Kaneedle)




Shanin Kanik von Evil Kaneedle Tattoos

Tätowierungen können sehr unterschiedliche Funktionen und Bedeutungen haben. Die Literatur nennt u. a. Funktionen als Mitgliedszeichen und rituelles oder sakrales Symbol. In der heutigen Zeit dienen Tätowierungen auch als Ausdrucksmöglichkeit für Exklusivität, Selbstdarstellung, Geltungssucht und Abgrenzung. Weiterhin auch als Mittel zur Verstärkung der eigenen Reize, Schmuck, Protest und nicht zuletzt die der politischen Stellungnahme. Auch sexuelle Einstellungen können und werden durch Tätowierungen ausgedrückt. Wir haben die sehr erfolgreiche Shanin Kanik im Interview.



FRIZZ: Du hast den Beruf Grafik-Designerin gelernt. Wie lange hast du in diesem Beruf gearbeitet und wie hat es dich zum Tätowieren verschlagen?
Shanin: In der Grafik-Branche habe ich - wenn man Praktika in Agenturen und Werbefirmen mitzählt - 13 Jahre gearbeitet. Zum Tätowieren bin ich gekommen, weil ich selbst schon eigene Tattoos sammle, seit ich 18 bin. Vorher durfte ich mich nicht tätowieren lassen, da es meine Eltern mir verboten hatten. (lacht) Gott sei Dank! Denn ich war schon mit 14 Jahren stark an Tätowierungen interessiert - wer weiß, was ich mir hätte stechen lassen, hätten meine Eltern mir das „Go“ dafür mit 16 gegeben. Also war ich viele Jahre immer wieder in Tattoo Studios, um meinen Schatz zu erweitern. So bekam ich stetig mehr Einblick in diese Welt. Einige meiner Freunde waren auch Tätowierer; deswegen hat es sich einfach irgendwann ergeben. Außerdem hatte ich auf meinen eigentlichen Beruf keine Lust mehr. So war es unumgänglich für mich, nach neuer Orientierung zu suchen. Es reizte mich sehr, Kunst dauerhaft auf die Straßen der Welt zu bringen.

FRIZZ: Hast du für deine Profession irgendwelche Kurse belegt oder dir dein Können selbst beigebracht und klassisch auf Schweinehaut geübt?
Shanin: Sagen wir mal so - ich war mein eigenes Schweinchen, und habe mein Lehrgeld anderweitig bezahlt. Natürlich habe ich, seitdem ich den Entschluss getroffen hatte, immer wieder verschiedene Seminare und Kurse belegt, denn man muss sich, wie in jedem Beruf, stetig weiterbilden und man lernt nie aus.

FRIZZ: Der Wechsel in die Selbständigkeit ist oftmals ein sehr riskanter Schritt. Was bewog dich dazu, diesen Schritt zu wagen?
Shanin: Ja, das stimmt. Das ist ein riskanter Schritt, den ich da gewagt habe, vor allem weil ich nach kurzer Zeit mein eigenes Studio eröffnet habe. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich habe schon des Öfteren alles auf eine Karte gesetzt und war auch immer sehr ehrgeizig. Ich machte mir wenig Gedanken über ein Versagen - denn wenn es soweit gekommen wäre, hätte ich immer noch genug Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Warum sollte ich mich also vorher verrückt machen? Ich habe einfach an mich geglaubt. Das ist das Wichtigste, denke ich.
 
FRIZZ: Hattest du Angst vor dem Scheitern?
Shanin: Ich weiß gar nicht so genau was ich dazu sagen soll, denn ans Scheitern oder ans Verlieren verschwende ich nie so viele Gedanken. Natürlich ist es manchmal schwierig gewesen, es war ja alles neu. Doch ich hatte ein bisschen Talent, ein Haufen Glück, meine Ausbildung und meinen beruflichen Werdegang. Geholfen hat mir sicher auch, dass ich mich hin und wieder im Airbrushen und im Graffitimalen ausgetobt habe. Mein Interesse an der Kunst und an immer neuen Menschen, die mich inspirieren und mit denen ich eine gute Zeit haben kann, gibt mir gute Energie. Auch das gemeinsame Malen mit Freunden und Bekannten war und ist mir sehr wichtig. So kann ich am Ende stolz auf mich und meine Arbeit sein.

FRIZZ: Kannst du dich an dein allererstes Tattoo erinnern? Warst du aufgeregt?
Shanin: Natürlich erinnere ich mich an meinen Anfang. Mein allererstes Tattoo, das ich selbst gestochen habe war mein eigenes. Es war total spannend und ich war natürlich aufgeregt und vor allem hatte ich einen Heidenrespekt vor der ganzen Sache. Obwohl ich ja schon einige Tattoos hatte, brauchte ich eine ganze Weile, bis ich mir die Nadel in mein eigenes Fleisch stechen konnte. Ich hatte ja nicht an Schweinehaut, Orangen oder Bananen vorher geübt. Es war einfach unglaublich spannend. Danach wollte ich einfach nichts anderes mehr machen.

FRIZZ: Ich bewundere das Tätowieren ja, weil es eine so endgültige Kunstform ist: Eine Leinwand kannst du übermalen, eine Geschichte oder einen Song umschreiben. Du kannst im Studio einen Take wieder und wieder aufnehmen, bis er sitzt. Aber beim Tätowieren muss jede Linie sitzen, jeder Punkt und jede Schattierung. Wie schaffst du es, da locker zu bleiben?
Shanin: Ja - eine Tätowierung ist endgültig, zumindest weitestgehend. Sie bleibt im Idealfall für immer - wobei ich mir manchmal denke, dass manchen Menschen nicht klar ist, was für immer eigentlich bedeutet. Du hast recht, wenn du sagst, dass man eine Leinwand übermalen kann. Aber auch da sieht man dann, wenn man genau schaut, dass da vorher schon etwas war. In einigen Fällen kann man so auch ein Tattoo überarbeiten, Covern oder sogar durch einige Laser-Behandlungen soweit aufhellen, dass man das auch „übermalen“ kann, was aber zu sehen ist. Auch dass man einen Song umschreiben kann oder einen Take immer wieder neu einspielen kann, ist mir bewusst. Aber es ist ja auch nicht so, dass man ins Blaue hinein tätowiert. Also zumindest meine Partner und ich nicht, und auch nicht meine geschätzten Kollegen in anderen Studios. Wir verbringen viel Zeit damit, Entwürfe zu zeichnen und immer wieder umzuzeichnen, bis es halt am Ende passt und jede Linie sitzt. Denn dein Entwurf ist ja später dein Leitfaden, an den du dich hältst. Das Tätowieren - also der letzte und ja, auch wichtigste Schritt - hat meiner Meinung nach sehr viel mit Gefühl zu tun. Denn die Haut ist ja schließlich keine nach „Iso“ oder "Din" genormte Sache. Jeder Mensch ist anders und individuell, und so auch seine Haut. Gefühl ist somit das Zauberwort. Ich denke, dieses Gefühl wächst vor allem auch mit den Jahren, in denen du dieses Handwerk ausübst. Man wächst eben mit seinen Aufgaben … oder mit der Haut der Kunden. (lacht)
Ich bleibe locker, in dem ich schaue, dass es mir bei meiner Arbeit, mit meinen Kollegen und meinem Studio gut geht und gefällt. Ich will mit einem künstlerischen Anspruch tätowieren und einfach eine gute Zeit mit meinen Kunden haben.

FRIZZ: Siehst du dich als Künstlerin oder Dienstleisterin? Ist das manchmal ein Spagat?
Shanin: In unserem Studio sehen wir uns auf jeden Fall als Künstler. Jeder von uns erschafft Dinge, die mit Kunst zu tun haben: Wir malen zusammen Bilder, wir toben uns in vielen anderen kreativen Formen aus: Schnitzereien, Leder punzieren, Holz brennen, Linolschnitt und Druck, basteln in jeglicher Form, Dinge vergolden, Möbel bauen, und letztes Jahr habe ich sogar einen mehrmonatigen Goldschmiedekurs belegt. Also, wir brauchen die Kunst, denn daran wachsen wir auch. Es ist manchmal schon ein Spagat zwischen Dienstleister und Künstler, wenn wir Kunden erklären müssen, warum wir manche Sachen nicht tätowieren wollen. Nicht, um unsere Kunden zu ärgern, sondern weil es uns einfach nicht glücklich macht, und wir auch manches einfach nicht schön finden. Würden wir nur an unseren Geldbeutel denken, wäre uns unsere Kundschaft egal und wir würden alles stechen. Aber auch da denke ich, dass man nur, wenn man sich auf eine gewisse Richtung spezialisiert, auch gut darin werden kann. Da ich mein Studio, vor allem am Anfang vor fast sieben Jahren, allein betrieben habe, musste ich auch so einiges machen, was mir nicht wirklich Spaß gemacht hat. Dennoch gab ich stets mein Bestes. Umso härter und schwieriger ist es jetzt, dem Kunden zu vermitteln, dass ich aus oben genannten Gründen auch meine Grenzen habe. Das zieht dann immer wieder Diskussionen nach sich. Manche wollen mich halt nur als Dienstleisterin sehen. Viele meiner treuen Kunden haben mich aber verstanden, bedanken sich immer für meine Ehrlichkeit, sind offen für meine Vorschläge und freuen sich sehr, dass ich ihnen andere Wege aufgezeigt habe.

FRIZZ: Sollten deiner Meinung nach Tattoos immer eine tiefsinnige Bedeutung haben?
Shanin: Natürlich gibt es viele Tattoos, die eine tiefe Bedeutung haben - aber meiner Meinung nach muss nicht jedes unbedingt einen Sinn oder eine Geschichte haben. Das ist so individuell wie der Mensch eben selbst. Man darf da einfach nicht vergessen, wie bereits erwähnt, dass so eine Zeichnung auf der Haut für immer ist, und das ist eine ganz schön lange Zeit. (grinst) Ich selbst bin mit meinen Motiven meist kurzentschlossen gewesen, weil ich einfach wusste, dass ich das jetzt will. Manche Menschen machen sich darüber aber auch ziemlich lange Gedanken, was auch kein Fehler ist. Es ist eben individuell und kommt auch auf den Charakter und die Lebenssituation an. Wichtig ist auch, ein Tattoo nicht um der Mode willen tragen zu wollen. Die Medien machen Tattoos immer salonfähiger, was ich auch wirklich gut finde! Doch ich denke, jeder sollte seines tragen, weil er es wirklich will und nicht weil es gerade Trend ist. Besonders gut sollte man es sich überlegen, wenn das Tattoo einen tiefen Sinn haben soll. Möchte man ein Leben lang, immer wieder an den Sinn erinnert werden? Ich habe auch einige, die gar keine Bedeutung haben, oder einfach nur witzig sind. Wie mein Cheeseburger mit Bacon auf meiner Wade, ganz einfach weil ich Burger mag.

FRIZZ: Ist es nicht so, dass es nur in wenigen Fällen bei einer Tätowierung bleibt? Machen Tattoos süchtig?
Shanin: Es ist fast immer so, dass es auf mehrere Tätowierungen hinausläuft. Man könnte sagen, es ist eine Sucht. Wobei - dieses Wort mag ich nicht so gerne. Die Menschen haben sich schon zu allen Zeiten angemalt, in welcher Form auch immer: Um gefährlicher auszusehen, um sich zu schmücken, um anderen zu zeigen, welchen Status sie haben oder weil eine heilende Wirkung dahinterstecken. Ich finde jedes Tattoo verändert dich und man lernt sich selbst besser kennen. Ich kann nicht sagen, dass ich die Schmerzen toll finde. Auf gar keinen Fall. Mir tut es immer unfassbar weh. Aber ich gefalle mir angemalt einfach besser. Schon als kleines Kind habe ich mich häufig angemalt. Also irgendwo steckt es dann doch in einem drin. Nach dem ersten Tattoo sind meist auch die Hemmungen gefallen, oder die Ängste, die manch einer davor hatte.

FRIZZ: Welche Körperstellen und was für Motive sind gerade angesagt?
Shanin: Das kann und will ich dir gar nicht so genau sagen. Natürlich gibt es Trend-Motive und Stellen am Körper - dennoch gestaltet sich alles immer wieder individuell. Trend ist für den einen dies, für den anderen das. Es ist eigentlich immer das, was die Medien spiegeln. Mode ist das, was du daraus machst.

FRIZZ: Welche Stellen schmerzen am meisten?
Shanin: Auch da kann ich nur von mir reden. Bis jetzt war es der komplette Bauchbereich und die Pobacken, die am allermeisten weh taten. Ich hätte Seen mit Tränen füllen können, während den vielen Stunden, an denen da auf mir rumgehackt wurde. Aber jeder Mensch ist individuell, auch in seinem Schmerzempfinden. Ich habe Kunden die sich zum Beispiel die Rippen tätowieren lassen, also die komplette Flanke, und dabei einschlafen und schnarchen. Das ist mir ein Rätsel.  Aber hey, sollen sie es doch genießen, wenn sie können. Pauschal gesagt, fühlen die Menschen sehr unterschiedlich, eines ist aber klar: Weh tut es! Manchmal eben weniger und manchmal einfach auch abartig viel mehr.  Dann finde ich, dass es immer auch auf die persönliche Tagesform ankommt: Hat man Sorgen oder Kummer, ist man ausgeschlafen oder müde und ausgelaugt, ist man eventuell gesundheitlich angeschlagen oder hat man vorher einfach nichts gegessen. Diese Faktoren beeinflussen die Gesamtsituation.

FRIZZ: Ist es schon vorgekommen, dass sich jemand bei dir ein in Deutschland illegales Tattoo-Motiv, zum Beispiel ein Hakenkreuz stechen lassen wollte? Setzt du solche Wünsche um oder schickst du diese Kunden nach Hause?
Shanin: Es kam leider schon ab und zu vor, dass ich Anfragen bezüglich verfassungswidrigen Tattoos bekommen habe, was mich sehr sauer macht. Zum einen finde ich nicht, dass ich unbedingt 100 prozentig deutsch aussehe, und mein Vor- und Nachname klingt ja auch nicht so. Zum anderen macht mir Angst, dass diese Menschen aus der Geschichte offensichtlich nichts gelernt haben. Natürlich lehne ich sowas kategorisch ab und weise sie darauf hin, dass es strafbar ist, mir solche Motive zu schicken.

FRIZZ: Wie wichtig ist es für dich, deine Kunden persönlich kennen zu lernen? Gibt es immer ein erstes Beratungsgespräch?
Shanin: Mir und meinen Kollegen ist es sehr wichtig, unsere Kunden persönlich kennen zu lernen. Bei uns kann man auch nicht einfach so mal geschwind im Studio vorbeikommen, um einen Termin zu vereinbaren. Wir klären das nicht zwischen Tür und Angel, sondern wollen uns für unsere Kunden auch die Zeit nehmen, sie gut zu beraten und richtig erkennen, was sie denn genau wollen. Wir haben auch keinen Shop Manager, der die Kunden für uns abfängt - eben weil wir sie persönlich sehen wollen. Tätowieren ist eine sehr intime Angelegenheit, und in den meisten Fällen, sitzt man sehr eng und sehr lang aufeinander und meistens auch immer wieder. Da sollten die Chemie und das Verständnis untereinander stimmen. Wir bitten unsere Kunden, sich vorher per E-Mail oder Facebook mit uns in Verbindung zu setzen, damit wir einen individuellen Beratungstermin mit ihnen vereinbaren können.

FRIZZ: Müssen deine Kunden einige Dinge vor dem „ersten Stechen“ beachten?
Shanin: Natürlich müssen die Kunden vor jeder Tätowierung einige Dinge beachten. Das ist in jedem Studio so. Der Kunde wird ausführlich bei seinem Beratungsgespräch über alles aufgeklärt.

FRIZZ: Welche Regeln gibt’s für dich, damit du ihre Gesundheit nicht gefährdest?
Shanin: Die oberste Regel ist eine einwandfreie Hygieneordnung und ein makellos sauberes Tattoo Studio. Die Gesundheit ist schließlich unser höchstes Gut und damit darf niemals leichtfertig umgegangen werden. Zudem sind wir alle regelmäßig auf Fortbildungs- oder Auffrischungsseminaren, gerade was die Hygiene anbelangt.

FRIZZ: Sind die Bilder auf der Haut endgültig oder gibt es Möglichkeiten, sie zu entfernen?
Shanin: Also ja, wie vorhin schon kurz angeschnitten, ist es durchaus möglich, ein Tattoo zu entfernen. Das ist aber auch immer mit einem gewissen Risiko verbunden, vor allem bei einer Laser-Behandlung, die eine ziemlich langwierige und vor allem schmerzhafte Angelegenheit ist.

FRIZZ: Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Shanin: Meinen Stil würde ich als eher künstlerisch abstrakt und wild beschreiben.

FRIZZ: Was denkst du, wie wichtig ist das Etablieren eines eigenen Stils in Zeiten von Instagram und Co.?
Shanin: Wenn du Künstler bist und stetig an deinem Stil feilst, entwickelst du über kurz oder lang von selbst deinen eigenen Stil. Du willst ja auch - vor allem als Künstler - dass man deinen Strich oder deine Kunst wiedererkennt. Der eigene Stil kristallisiert sich über die Jahre heraus und Instagram und Co. helfen dir, deine Kunst zu verbreiten. Vor allem nutze ich diese Medien auch, um mich inspirieren zu lassen.

FRIZZ: Viele Tätowierer fertigen Wanna–do‘s an, also eigene Entwürfe, die sie gerne tätowieren würden, und laden sie in sozialen Netzwerken hoch, um die Kunden zu inspirieren. Machst du das auch?
Shanin: Auf jeden Fall zeichnen ich und meine Kollegen auch „Wanna-do‘s“. Die hängen aber meist bei mir im Studio aus. Hin und wieder lade ich auch welche in den sozialen Netzwerken hoch.

FRIZZ: Das größte Kompliment, das man dir bezüglich deiner Arbeit machen kann?
Shanin: Das größte Kompliment bekam ich diesen Juli, als eine Kundin, extra aus Kalifornien zu mir nach Vöhringen kam, um sich von mir tätowieren zu lassen. Zwei Tage später flog sie wieder zurück. Ich kannte sie vorher nicht, bin weder mit ihr verwandt noch verschwägert. Sie hat mich einfach auf Instagram gefunden und erzählte mir, dass sie schon lange einen Tätowierer gesucht hat, der das eben so macht wie ich. Dann vereinbarte sie einen Termin bei mir, buchte ein Flugticket und kam. Darauf bin ich schon ziemlich stolz, es ehrt mich sehr, dass da jemand so einen weiten Weg auf sich nimmt, um meine Kunst für immer unter seiner Haut zu tragen.

FRIZZ: Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei dir aus?
Shanin: Das will ich gar nicht so gerne verraten, nur so viel, mein Tag beginnt sehr früh im Studio, und endet dort sehr spät.

FRIZZ: Du warst aktive Muay Thai Kämpferin. Was gab dir dieser Sport?
Shanin: Dieser Sport lehrte mich vor allem Selbstdisziplin, Kraft, und Ausdauer. Immer wenn ich im Training bin, habe ich in diesen zwei Stunden die Möglichkeit einfach den Kopf auszuschalten und über nichts nachzudenken. Als Selbstständige arbeitet man immer. Nur wenn du in diesem Sport anfängst nachzudenken, bekommst du sofort eine „reingesemmelt“. Es ist auch wichtig für meinen Beruf, den Körper ganzheitlich zu trainieren. Deshalb liebe ich auch gerade diese Art der körperlichen Betätigung sehr. Im Ring möchte ich nicht mehr stehen, obwohl ich diese Erfahrung auf keinen Fall missen möchte. Denn dort lernt man an seine Grenzen und sogar darüber hinaus zu gehen.

FRIZZ: Deine Arbeitstage sind lang, wie hältst du dich heute fit?
Shanin: Ich hatte ein paar Jahre mit dem aktiven Training aufgehört, da ich einfach keine Zeit hatte, Termine einzuhalten. Vor zwei Jahren begann ich mit dem Downhill-Biken, was eine schöne Abwechslung war. Derzeit bin ich auch wieder regelmäßig im Box- und Mauy-Thai Training, weil es mir und vor allem meinem Rücken gut tut.

FRIZZ: Welchen Rat würdest du der zwanzig jährigen Shanin mit auf den Weg geben?
Shanin: Oha, das ist eine gute Frage! Wenn ich zurück auf mein Leben blicke, war vieles sehr schwierig. Manches habe ich bestimmt nicht richtig gemacht und auf das ein oder andere bin ich auch nicht stolz gewesen. Aber von dem Punkt aus gesehen, wo ich jetzt stehe und eben in die Vergangenheit schaue, muss ich sagen, dass auch, wenn vieles hart war, alles so sein musste und so kommen musste, wie es kam. Jedes gute wie auch jedes schlechte Ereignis hat mich in eine Richtung geschubst und das aus mir gemacht, was ich heute bin. Darüber bin ich wirklich froh. Ich liebe mein Leben. Jeden Tag!

FRIZZ: Du bist viel gereist: Deine drei Lieblingsländer?
Shanin: Tatsächlich muss ich sagen, dass es mir in den USA bis jetzt am besten gefallen hat. Auch wenn da alles gerade politisch nicht so korrekt läuft. Ich habe kein spezielles Lieblingsland, doch es gibt viele, wo ich auf jeden Fall nochmal hinmöchte, und andere will ich noch entdecken. Belgien fand ich wunderschön, die Natur hat mich dort wirklich begeistert. Reisen bildet und eine Erkenntnis ist auch immer wieder bemerkenswert: Zuhause ist es doch am Schönsten.

FRIZZ: Wenn du drei Wünsche frei hättest…?
Shanin: Ich würde die Menschen wieder zurückholen können, die ich die letzten Jahre verloren habe.
Ich würde dann vor allem mehr Zeit mit ihnen verbringen, anstatt immer „busy“ zu sein.
Und ich würde mir von Herzen wünschen - das klingt jetzt kitschig, aber - dass kein Mensch, Kind oder Tier auf dieser Erde Hunger, Folter oder Quälerei erleben muss. Terror, Diskriminierung, Völkervernichtung und Religionskriege müssen ein Ende haben.


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