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Stadtgespräch im November


mit Diana Coso

Diana Coso CEO Axians Deutschland

Axians in Deutschland ist ein Unternehmensnetzwerk aus spezialisierten ICT-Dienstleistern und Softwareherstellern unter der globalen Marke Axians der VINCI Energies. Axians beschäftigt in Deutschland 1700 Menschen an 24 Standorten, darunter auch im Ulmer Stadtteil Jungingen. Im April 2017 übernahm Diana Coso die Leitung von Axians in Deutschland.


FRIZZ: Frau Coso, Sie sind seit 28 Jahren im IT-Bereich tätig. Wie kam es dazu?

Diana Coso: Tatsächlich bin ich in der IT-Branche eher zufällig gelandet. Nach einer kaufmännischen Ausbildung, habe ich damals bei HP in Neu-Ulm als Angestellte angefangen. Da hat mich das Thema neugierig gemacht bzw. inspiriert, da ich sah wie effizient die IT einen machen kann. Da ist der Virus auf mich übergesprungen, sodass ich schließlich Informatik studiert habe.

FRIZZ: Neben HP waren Sie in der Vergangenheit auch bei anderen Branchenriesen wie Microsoft oder Dell EMC tätig. Was war der Antrieb zur Axians-Gruppe zu wechseln? Spielte für Sie als Ulmerin auch der Standort eine Rolle?

Diana Coso: Das kann ich nicht leugnen. Das war unter anderem auch ein Argument für mich. Es gab aber noch mehr. Zum einen gefällt es mir für globale Konzerne zu arbeiten, da ich einfach gerne international tätig bin. Nun ist ja gerade die IT sehr global und nicht so fassbar bzw. standortabhängig wie andere Branchen. Zudem findet IT, durch die Digitalisierung, langsam überall statt. IT heißt heute nicht mehr nur Hersteller von Informationstechnologie. Durch die Digitalisierung ist die IT heute überall – in der Kaffeemaschine, in der Waschmaschine oder im Auto. Diese Verbindung hat mich sehr stark gereizt. Ich bin der Meinung, die verschiedenen Dinge bzw. Welten miteinander zu verbinden, ist genau der richtige Schritt. Und da gibt es nur ein Unternehmensnetzwerk das diesen Aspekt wie kein anderes vorantreibt: die Axians-Gruppe. Auch mit Blick auf unseren Mutterkonzern VINCI Energies, ein global agierender Bau- und Konzessionskonzern. Vorausschauend wird hier IT mit all den anderen Themen und Aspekten verbunden. Das trifft meiner Meinung nach genau den Zeitgeist und ist einfach sehr spannend. Dabei ist es für mich ganz persönlich natürlich unglaublich schön, dass ich die Möglichkeit habe in Ulm zu wohnen und zu arbeiten.

FRIZZ: Welche Ziele verfolgen Sie als Geschäftsführerin? Ich könnte mir vorstellen, dass diese stark mit der Internationalität zusammenhängen und wahrscheinlich auch viel mit Agilität zu tun haben.

Diana Coso: Das ist richtig. Wir sind und bleiben agil. Außerdem wollen wir natürlich nach wie vor wachsen, sowohl organisch als auch anorganisch. Axians ist eine Gruppe, ein Unternehmensverbund, mit derzeit 1700 Mitarbeitern in Deutschland. Europaweit sind es fast 9000. Damit gehören wir zu den Top Playern in Europa und auch in Deutschland. Da Digitalisierung immer mit Vielfalt zu tun hat, ist ein weiteres Ziel, dieses Thema durch interessante Akquisitionen noch weiter zu komplettieren.

FRIZZ: Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren schon mehrmals gewandelt. Was waren für Sie persönlich Schlüsselereignisse, die Sie geprägt haben?

Diana Coso: Das war weniger eine bestimmte Situation, sondern schon eher ein mentales Schlüsselereignis. Irgendwann stellte ich für mich fest, dass es mehr Sinn macht sich auf die Entwicklung zu fokussieren und nicht an der Nostalgie zu hängen. Man kann sich das als ein eigenes oder auch inneres Change Management vorstellen. Selbst wenn man an einem Produkt maßgeblich mitgewirkt hat oder ein Unternehmen maßgeblich mit aufgebaut hat – man muss seine Babys loslassen können und stets offen für neue Themen sein.
Ich glaube es ist nie zielführend wenn man nur an der Nostalgie festhält. Man sollte immer versuchen sich weiterzuentwickeln und das Neue zu begrüßen. Das gilt aber nicht nur für die Arbeit als solche oder neue Projekte, sondern auch für das eigene Verhalten oder Mindset. Dies zu begreifen war mein Hauptschlüsselerlebnis und ich habe das Gefühl, ab da wurde ich immer besser.

FRIZZ: Man hört oft, dass gerade Individualität bei Axians groß geschrieben wird. Wie äußert sich das bzw. wie hebt die Axians-Gruppe sich von anderen ICT-Unternehmen ab?

Diana Coso: Was uns natürlich abhebt ist, dass wir das Unternehmen im Unternehmertum sehr fördern. Die Axians in Deutschland besteht aus fast fünfzig Business-Units, also fünfzig Einheiten und diese agieren alle sehr selbstständig. Ich bin die Verbindungsspange und wir haben einiges was unternehmensweit gelenkt wird. Aber vom Grundsatz her ist es so, dass die besten Ergebnisse einfach in Teams hervorgebracht werden, die nahe am Kunden sowie sehr nahe am Fachwissen sind und da ihre Agilität behalten. Das Ganze lässt sich tatsächlich ganz gut mit Autos vergleichen. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Porsche in eine scharfe Kurve. Dieser hat eine ganz andere Agilität und Schnelligkeit als ein LKW mit 1700 Mitfahrern, der in dieselbe Kurve fährt. Wir versuchen weiterhin der Porsche zu sein, indem wir sehr viele Einheiten haben. Das fördert wiederum die Individualität. Es macht den Leuten Spaß und sie haben ein großes Mitspracherecht. Das Individuum wird gefördert, weil es nicht immer von einer Zentrale erzählt bekommt, wie alles zu laufen hat. Durch diese Dinge wird sowohl die Individualität als auch die Agilität sehr stark gefördert. Dadurch ist die Motivation aller Beteiligten auch sehr hoch. Ich denke, das ist auch eines der Geheimnisse unseres Erfolgs.

FRIZZ: Laut aktueller Studien sind im IT-Sektor durchschnittlich nur 15 Prozent aller Bewerber für IT-Positionen Frauen. An was liegt das ihrer Meinung nach?

Diana Coso: Ein Baustein dabei ist bestimmt, dass viele immer noch denken, dass in der IT Nerds mit Birkenstocksandalen hinter dem PC sitzen und irgendwas entwickeln. Das stimmt aber natürlich nicht und ich denke, ich bin da ein gutes Gegenbeispiel. Auch auf High Heels kann man Nerd sein. Sprich: ich büße nichts von meiner Weiblichkeit ein. Im Gegenteil, es macht total Spaß. Die IT ist etwas Kreatives, etwas Prägendes. Ein Programm zu schreiben ist immer auch Problemlösung. Meiner Ansicht nach eignen sich da Frauen ganz hervorragend. Es ist durchaus eine sehr weibliche Branche. Man muss sich von dieser alten und falschen Vorstellung, der im Keller vor dem Rechner sitzenden Nerds, lösen. Wie gesagt: es gibt Nerds auf High Heels.Allerdings muss auch gesagt werden: Mit dem Thema Frauenanteil kämpfen wir natürlich nicht allein – da geht es den meisten Branchen so. Das liegt sicherlich auch zum Teil an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch da bin ich der festen Überzeugung, dass die IT weiblicher ist als die Anderen. Durch die Digitalisierung – und da sind wir in der IT, den anderen Unternehmen locker zehn Jahre voraus – sind Dinge wie Homeoffice kein Problem. Das habe ich tatsächlich vor 15 Jahren schon gemacht. Da 99 Prozent meiner Mitarbeiter in Israel, USA, Italien und Frankreich saßen, machte es keinen Unterschied ob ich meine Arbeit nun vom Büro aus erledigte oder nicht. Man könnte sagen: Homeoffice ist für mich fast ein Teil meiner DNA.

FRIZZ: Man kann also sagen: Muttersein und ein Beruf in der IT-Branche lassen sich gut vereinen, da man den eigenen Ablauf individueller strukturieren kann. Nimmt man dann auch eher Projekte an, die gegen Abend stattfinden?

Diana Coso: Es kommt immer ganz darauf an. Letztlich muss es passen. Man kann nicht immer alles definieren, nach dem Motto: Ich bring alle Kinder ins Bett und fang um 20 Uhr an zu arbeiten. Das heißt, es ist nicht so, dass man dann einfach Nachtschichten macht und den Tag freihat. Die eigene Kapazität und auch die Wahlfreiheit sind da begrenzt, denn man arbeitet ja in Teams. Die Frauen arbeiten im Homeoffice ganz normal ab 8 Uhr. Dann hören sie vielleicht gegen 16 Uhr auf, weil die Kinder aus der Schule kommen und legen dann von 18 bis 20 Uhr nochmal los. Wichtig ist dabei nur dieser kleine psychologische Aspekt, dass man da sein kann. Dass im Notfall, sollte das z. B. Kind krank im Bett liegen, die Mutter eben auch zu Hause sein kann. Es ist immer nur ein „Kann.“ Doch das allein nimmt bereits sehr viel Druck von einem.

FRIZZ: Die Axians-Gruppe gilt als sehr familienfreundlich. Wie äußert sich das?

Diana Coso: Es gibt flexible Arbeitszeitmodelle, wie eben Homeoffice und Teilzeitregelungen. Zudem haben wir Firmenevents wie unser großes Sommerfest, zu denen auch die Familienangehörigen eingeladen werden. Hier stehen die Kinder stark im Fokus. Das sind so Kleinigkeiten, die nicht nur den Unterschied machen, sondern die Axians-Gruppe sehr familienfreundlich macht.

FRIZZ: Lassen Sie uns abschließend noch etwas über den Menschen Diana Coso reden. Bleibt Ihnen, bei Ihrem sicher vollen Terminkalender, noch Zeit für Freizeit?

Diana Coso: Auf jeden Fall. Ich denke, eine gute Balance ist wichtig. Natürlich habe ich einen vollen Kalender, weil ich wahnsinnig gern arbeite und Verantwortung habe. Wir haben Standorte in 24 Städten und 1700 Mitarbeiter in Deutschland. Das heißt, ich bin auch oft dort. Dennoch ist es so: Nur in der Balance ist man gut! Daher mache ich regelmäßig Yoga und liebe es an der Donau joggen zu gehen. Außerdem bin ich wirklich jeden Samstag auf dem Markt. Danach gehen mein Mann und ich immer gut essen. Das ist ein schönes Ritual, das ich mir auch nicht nehmen lasse.

FRIZZ: Kann man also sagen, dass Sie die Zeit, die Sie jetzt in Ulm haben genießen?

Diana Coso: Definitiv. Mein Mann und ich haben bereits vor 30 Jahren in Ulm gelebt und unserem Empfinden nach, ist unsere Lebensqualität hier mit am höchsten. Wir mögen die Größe. Ulm ist nicht zu groß und nicht zu klein. Die Stadt hat ein gutes Kulturangebot. Wir haben die Donau. Wir haben das Fischerviertel. Wir haben viele Seen in der Umgebung. Wir haben viele Kneipen, Cafés und Restaurants. Manchmal könnte man glatt meinen, wir seien in Venedig. All diese Sachen mochten wir schon vor 30 Jahren und die haben uns auch wieder zurückgeholt. Von dem her kann ich Ulm wirklich sehr genießen. Der einzige, kleine Wermutstropfen ist der Nebel. Wobei er schon auch dazu gehört. Und manchmal muss etwas sehr Gutes vielleicht auch versteckt werden… (lacht)

FRIZZ: Angenommen Sie wollen einigen Gästen Ulm und Umgebung zeigen. Wohin führen Sie sie?

Diana Coso: Vermutlich durch die Gässchen im Fischerviertel, weil das immer eine ganz besondere Stimmung erzeugt. Das schiefe Haus, der Metzgerturm, die Cafés drum herum – wunderschön. Das Highlight ist natürlich immer unser Ulmer Münster. Oft hört man dann: „Oh, hätte ich jetzt gar nicht gedacht, dass ihrs so schön habt.“

FRIZZ: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Diana Coso: Ich wünsche mir, dass wir als Ulmer mit Axians bei der Digitalisierungsinitiative Ulms stark mitwirken und mitgestalten. Dann wollen wir hier am Standort weiterhin wachsen und ein beliebter Arbeitgeber bleiben. Ein eher gesellschaftlich/politisches Ziel wäre zudem eine gewisse Gleichberechtigung. Jeder soll den Job machen können, ohne Vorurteile.