Logo Frizz Magazin Ulm „Erlebe deine Stadt“ Logo Frizz Magazin Ulm

Stadtgespräch im April


mit Verena Rosa Kraus


Verena Rosa Kraus FKV


Seit über zwölf Jahren ist Verena Rosa Kraus Trainerin im Bereich Hip Hop und Showtanz. Sie organisiert viele Events und schaffte es, eine Ulmer Tanzschule zur erfolgreichsten Tanzschule in Ulm und Umgebung werden zu lassen. Später verließ sie Ulm und ging nach Berlin um direkt bei Detlef D! Soost zu arbeiten...


FRIZZ: Wie alt warst du, als du die Liebe zum Tanz entdecktest?

Verena-Rosa: Als ich drei Jahre alt war, ging meine Schwester ins Ballett in die Tanzschule Dansarts am Willy Brandt Platz. Ich wollte natürlich unbedingt mit. Und es war um mich geschehen. Fortan mussten unsere Eltern uns jährlich zu Weihnachten im Nussknacker bewundern. Die Rollen waren noch recht speziell (lacht). Als Maus, Reh oder gar der Tod waren wir voll in Aktion. Ich denke total gerne an diese schöne Zeit zurück.

FRIZZ: Du hast eine kaufmännische Schule besucht. War das um auch eine „seriöse“ Profession zu haben, oder ist das die ideale Ergänzung für dein jetziges Tätigkeitsfeld?

V
erena-Rosa: In meiner Brust haben schon immer zwei Herzen geschlagen. Ich habe bereits als Teenager Freude daran gefunden verschiedene Sachen zu organisieren oder gar Veranstaltungen ins Leben zu rufen. Zudem wollte ich auch etwas Grundlegendes schaffen, falls man nicht mehr „nur“ auf das Tanzen zurückgreifen kann. Und da ich diese Ausbildung auch in einer Einrichtung wie in einer Tanzschule absolvieren konnte, lag es nahe, die Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau in Stuttgart wahrzunehmen.

FRIZZ: Was waren die wichtigsten Stationen deines Lebenslaufs?

Verena-Rosa: Es ist immer total witzig, dass man viele Stationen die man aktuell erlebt hat, im Nachhinein völlig anders beurteilt. Wenn ich mein früheres Ich das jetzt fragen würde, wären die Antworten klar mit Rita Ora die Bühne zu rocken, mein erster Fitness DVD Dreh oder die vielen TV Shows  und TV Produktionen. Ich denke aber ohne mein Schulpraktikum, welches ich 2005 zwei Wochen in der Ulmer Tanzschule gemacht habe, wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Dadurch fing alles an. Die Jahre dort waren für mich sehr lehrreich und dort bin ich irgendwie auch erwachsen geworden. Berlin zählt natürlich ebenfalls als solch eine Station. Man lernt mit Höhen und Tiefen umzugehen. Man trifft Entscheidungen, rudert mal zurück und mal vorwärts. Ich schätze aber mal, dass Leben genau das bedeutet. Erwachsen werden und ständig mehr an Erfahrung dazu zu gewinnen. Irgendwie geht es ja immer ums „weiter rudern“. Witzigerweise habe ich bei all meinen Stationen die Freunde fürs Leben kennengelernt, welche man wahrscheinlich noch mit 80 hat und auf die alten Tage prostet. Diese sind für mich der größte Gewinn.

FRIZZ: Du warst mit deiner Tanzcrew Team Recycled in der Pro7 Tanzshow „Got to dance“ im Finale. Wie kam es denn zu der Teilnahme?

Verena-Rosa: Eigentlich war der Weg zur Teilnahme eher unspektakulär. Team Recycled hatte bereits 2011 an der TV Show teilgenommen. Und das Halbfinale knapp verpasst. Darum kam vom Sender die Anfrage, ob wir nicht nochmal Lust hätten, daran teilzunehmen. (grinst) Und, na klar hatten wir Lust!

FRIZZ: „I AM JONNY“ hieß das Musical, mit dem ihr in der ratiopharm arena aufgetreten seid. Kannst du unseren Lesern kurz die Geschichte dahinter erläutern.

Verena-Rosa: Es ist weniger eine Geschichte. Vielmehr ist es ein unglaublich schlimmes und leider alltägliches Ereignis, welches überall geschehen kann - in jeder Großstadt, in jedem Dorf, in der Schule - einfach überall. Jonny K. wurde nachts auf dem Nachhauseweg mit Freunden nach einer Geburtstagfeier auf dem Alexanderplatz brutal zusammengeschlagen. Weil er Zivilcourage zeigte und sich für seine Freunde einsetzte, welche ohne Grund von einer Gruppe aggressiver Jugendlicher angegriffen wurden. Jonny erlag daraufhin im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Somit war es Mord. Mit dem Musical wollten wir Jonny ein Gesicht geben. Er sollte nicht nur „das Opfer“ vom Alex sein. Wir erzählten seine Geschichte und seinen Werdegang bis zur besagten Nacht. Wer er war und was er geliebt hat, aber auch die Sicht seiner Schwester Tina K. Wie sie mit diesem tragischen Schicksalsschlag umgehen musste, bis heute.

FRIZZ: Wie wichtig ist dir soziales Engagement?

Verena-Rosa: Wir leben in einer hektischen Welt. Schneller, weiter und höher und das am besten über Nacht. Wir sehen gar nicht mehr richtig hin, wir hören oft nicht richtig zu und fühlen auch mehr Schmerz als Freude. Ich fasse mich hier an die eigene Nase. Aber ich selbst versuche zu entschleunigen. Für mich ist es das größte, wenn ich Kinder zum Lachen bringe, wenn die Teenager in unsere Räumlichkeiten kommen und es ihr zweites Zuhause nennen. Keine Bühne auf der Welt kann dieses Gefühl ersetzen. Zumindest für mich nicht. Als ich 13 war, habe ich eine Jugendgruppe in der Gemeinde geleitet und schon immer meine Klamotten verschenkt. Ich finde es das schönste Gefühl, helfen zu können. Soziales Engagement erfüllt einen so viel mehr, als materielle Dinge. Das klingt jetzt alles sehr rosa, aber es ist so. Die Welt wird immer kälter. Fangen wir also im Kleinen an, Gutes zu tun. Für mich ist das bereits, meinen Schülern zu zeigen, was es heißt respektvoll miteinander umzugehen.

FRIZZ: Bei der Gründung des „Fußball Kultur Verein Neu-Ulm“ warst du aktiv mit dabei. Wer hatte dazu die Idee?

Verena-Rosa: Die Idee dazu hatte mein Papa Franz Kraus. Er ist wirklich ein unglaublicher Mensch. Seine Ideen kommen ihm immer in der Nacht und morgens wird er dann oft von unserer Familie belächelt. Meist mit den Worten: „Oh nein nicht schon wieder eine neue Sache. Du machst schon so viel.“ Aber er lässt sich nicht beirren, er macht einfach und es wird großartig. Mein Papa war schon immer ein Geschäftsmann und Sportler. Eines Tages las er in der Zeitung einen Bericht über einen Verkehrsunfall, bei welchem die Eltern nicht überlebten und drei Kinder hinterließen. Er fragte sich, was jetzt passieren würde. Wie können diese Kinder je wieder lachen? Und er wollte aktiv etwas tun. Somit wollte er einen sozialen Verein gründen, der in der Region Dinge bewegt und soziale Belange unterstützt. Als Fußballer lag es nahe eine Fußballabteilung anzuhängen. Somit bleibt der Verein auch ständig im Gespräch.

FRIZZ: Neben dem FKV gibt es auch den FKV ´dance. Was verbirgt sich dahinter?

Verena-Rosa: Die FKV Familie beinhaltet Fußball, Athletik und Tanz. Unser Athletik Trainer Ilir Nrecaj läuft zweimal in der Woche mit den Jungs und Mädchen vom Tannenhof. Ihr Handicap spielt dabei keine Rolle. Diese Freude bei den jungen Menschen live zu sehen ist einfach wahnsinnig toll. Die Tanzabteilung hat den gleichen Anspruch. Die Menschen sollten durch das Tanzen Verbindung spüren. Es soll allen möglich sein, Tanzen zu können. Egal aus welcher sozialen Schicht man kommt. Das spielt bei uns keine Rolle und ist auch vor Ort kein Thema. Wir sind ein junges, zehnköpfiges Team das aus Leidenschaft und Freude am Tanzen etwas bewegen will. Uns geht es nicht darum, so viele Schüler wie nur möglich zu haben oder das größte Aufsehen zu erregen. Das ist nicht unser Anspruch.

FRIZZ: Im Februar war die Eröffnung im Glacis Center. Was bietet ihr da genau an?

Verena-Rosa: Wir haben uns auf Hip-Hop Kurse und Zumba spezialisiert. Standard und Latein Kurse bieten wir nicht an. Das Startalter liegt bei drei Jahren. Nach oben hin gibt es keine Grenzen. Mit Zumba Gold haben wir sogar die Möglichkeit auf Menschen mit Behinderung einzugehen oder auf Menschen im goldenen Alter.

FRIZZ: Wie schwierig ist es heutzutage, Kinder für das Tanzen zu motivieren?

Verena-Rosa: Gar nicht. Sobald du liebst was du tust und dieses Gefühl den Kids vermitteln kannst, ziehen sie alle mit. Ich kann nicht sagen, dass ich in meinem Bereich merke, dass die Kids fauler sind als früher.

FRIZZ: Warum lohnt es sich für Erwachsene?

Verena-Rosa: Aus dem gleichen Grund wie für Kinder. Abschalten vom Alltag. Mal kurz den Kopf frei bekommen. Musik macht die Laune automatisch besser. Nette Menschen treffen, lachen und auch mal albern sein dürfen. Das einzige was noch eine andere zusätzliche Motivation sein könnte als bei Kindern ist der Fitness Effekt. Wir schwimmen ja gerade alle auf der Welle der ultimativste Workout Typ zu sein. (lacht) Detox und Fitnessstudios sind die neuen besten Freunde. Ich bin gar nicht so auf dieser Welle, finde es aber natürlich wichtig, dass man gesund aktiv ist.

FRIZZ: Hast du im Bereich Tanz ein Vorbild?

Verena-Rosa: Seit meinem neunten Lebensjahr ist es Britney Spears. Als echter Fan kann und darf ich das auch nach ihren zahlreichen Eskapaden und seltsamen TV Auftritten nicht verleugnen. Tänzerisch war sie früher eine Ikone. Ansonsten liebe ich die Arbeiten von Tänzerin und Choreographin Mariel Madrid und Stevie Lyne.

FRIZZ: Durch deine Auftritte in Funk und Fernsehen lerntest du viele Menschen kennen. Gibt es die eine interessante Begegnung?

Verena-Rosa: Definitiv Otto Waalkes. Cooler bodenständiger Typ. Authentisch und tatsächlich witzig.

F
RIZZ: Welches Leben gefällt dir besser? Das in Ulm, oder das in Berlin?

Verena-Rosa: (lacht) Wenn ich hungrig bin, definitiv Berlin. Es gibt alles zu essen, immer und zu jeder Uhrzeit. Ansonsten habe ich aktuell das Gefühl, Berlin erdrückt mich etwas. Es wird einfach immer voller. Dort zu Leben ist eben kein kurzer Städtetrip. Ich liebe Berlin, keine Frage, aber zurzeit liebe ich die Ruhe in Ulm etwas mehr und vor allem meinen Freund Philip. Zudem bin ich jetzt stolze Doppeltante, ich will keine Sekunde davon verpassen.

FRIZZ: Vermisst du etwas in Ulm?

Verena-Rosa: Absolut. Meine wundervollen Freunde aus Berlin.

FRIZZ: Hast du ein Lieblingsrestaurant in unserer Stadt?

Verena-Rosa: Sagen wir es so, nach den Jahren in Berlin bin ich etwas un-up-to-date. Ich hätte aber gern eins. Aktuell finde ich das Meta ganz lecker.

FRIZZ: Mit wem würdest du gerne einen Tag verbringen?

Verena-Rosa: Mit dem jungen Heath Ledger abhängen, Burger essen und einen Roadtrip starten. Der war einfach so super cool.

FRIZZ: Was machst du in deiner Freizeit?

Verena-Rosa: Schlaf nachholen, von bunten Reisen träumen und sie insgeheim auch planen.

FRIZZ: Du hast drei Wünsche frei…?

Verena-Rosa: Britney Spears sein (lacht), mehr Liebe auf der Welt und Gesundheit für meine Mitmenschen.