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Prof. Dr. Harald Gündel im Stadtgespräch



Prof. Dr. Harald Gündel Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitäts-Klinikum Ulm


Prof. Dr. Harald Gündel ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitäts-Klinikum Ulm. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Themen Berufsleben und Gesundheit sowie somatoforme Störungen.


FRIZZ: Wie würden sie das Fachgebiet der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie einem Laien beschreiben?
Prof. Dr. Harald Gündel: Ich unterscheide zwei Bereiche: Einerseits geht es um die Patienten, bei denen seelisches und körperliches Leid zusammenkommen. Alles, was ich denke und fühle, ist in meinem Körper und kann auch Auswirkungen auf meinen Körper haben. Psychosomatische Erkrankungen im engeren Sinn sind Erkrankungen, bei denen körperliche (und meist auch seelische) Beschwerden neu auftreten, die ihren Ursprung in seelischen oder sozialen („psychosozialen“) Belastungsfaktoren haben. Diese sind z.B. Essstörungen oder Schmerzerkrankungen. Bereits vorhandene chronische körperliche Beschwerden, wie Rückenschmerzen, Migräne, Magen-Darm-Probleme etc. können durch eine psychische Belastung zusätzlich verstärkt werden. Zum Anderen geht es in unserem Fachgebiet um primär psychische Erkrankungen, die mit intensiver Psychotherapie behandelt werden, wie Depressionen, Burnout, Angsterkrankungen und posttraumatische Belastungsstörungen. Weiterhin kommen Menschen mit chronischen körperlichen Erkrankungen zu uns, auch hier oft Schmerzerkrankungen, oder auch Krebserkrankungen, bei denen die Erkrankung meist massive Auswirkungen auf das alltägliche Leben hat und wo es dann um bestmögliche Krankheitsbewältigung geht. Im Verlauf der Psychotherapie bestimmen die Betroffenen selbst ihre Ziele - zum Beispiel wieder ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu erlangen und konkrete Verbesserungen im Leben zu erreichen. Durch Psychotherapie sollen die Betroffenen wieder in die Lage versetzt werden, selbst etwas zu tun, das ihnen hilft, Entscheidungen zu treffen, und damit ihre Situation und Lebensqualität zu verbessern. Viele Studien haben gezeigt, dass Psychotherapie wirkt. Menschen, die beispielsweise unter Depressionen, Burnout, Essstörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen oder Angsterkrankungen leiden, können von einer intensiven Psychotherapie profitieren.

FRIZZ: Gerade Ihr Fachgebiet hat sich in den vergangenen Jahren sehr entwickelt. Welche positiven Veränderungen können Sie benennen?
Prof. Dr. Harald Gündel: Als ich mich 1996 als Facharzt für Psychiatrie und Facharzt für Neurologie um eine Weiterbildungsstelle beworben habe, gab es noch gar keine Facharztausbildung für Psychosomatische Medizin und es gab nur wenige diesbezüglich arbeitende Kliniken mit Weiterbildungsstellen. Bis heute hat sich das Fachgebiet sehr dynamisch und erfolgreich entwickelt. Viele neue Behandlungsplätze sind entstanden und die große Bedeutung der Psychosomatischen Medizin wurde nicht nur von den Kollegen erkannt: Wenn ich körperlich krank bin, betrifft das nicht nur meinen Körper sondern auch meine Seele, und was wir denken und fühlen hat umgekehrt einen realen Einfluss auf körperliche Vorgänge. Die massive Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen in der Vergangenheit ist deutlich geringer geworden, auch wenn sie bis heute nachwirkt. Dieses Nachlassen macht sich auch in der Zunahme der Behandlungsplätze bemerkbar.

FRIZZ: Nehmen psychische Erkrankungen zu oder wird nur offener damit umgegangen?
Prof. Dr. Harald Gündel: Die Häufigkeit psychischer Erkrankungen bleibt ungefähr gleich auf einem sehr hohen Niveau. Eine Ausnahme sind junge Frauen mit schwierigem sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund: Sie haben eine steigende Häufigkeit an psychischen Erkrankungen. Dass in den Statistiken der Krankenkasse insgesamt deutlich höhere Zahlen auftauchen, hat damit zu tun, dass Patienten und Ärzte heute mehr und offener darüber reden und dadurch die Zahl der festgestellten Diagnosen zunimmt.

FRIZZ: Stimmt es, dass Frühberentungen und Arbeitsunfähigkeitstage häufig Folge einer seelisch-körperlichen Erkrankung sind?
Prof. Dr. Harald Gündel: Seelische Erkrankungen sind der häufigste Grund für Frühberentungen. Schwerere psychische Erkrankungen haben besonders lange Fehlzeiten am Arbeitsplatz zur Folge.

FRIZZ: Welche Herausforderungen sind psychische und psychosomatische Erkrankungen außerdem für die Gesellschaft?
Prof. Dr. Harald Gündel: Psychische Erkrankungen sind häufig. Sie verursachen viel persönliches Leid und spielen auch volkswirtschaftlich eine wichtige Rolle. Bestmögliche Behandlungsangebote sind daher sinnvoll: Und je früher die Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen beginnt, desto weniger aufwendig und umso aussichtsreicher ist sie. Das ist auch ein wichtiger Grund, wieso wir in Betrieben und Behörden unserer Region Sprechstunden „vor Ort“ zusammen mit Arbeitsmedizinern anbieten. Apropos Sprechstunde: In der Klinik liegt der Männeranteil bei Ambulanzpatienten bei etwa 30 Prozent. Männer warten viel länger, bis sie Hilfe suchen. Die Angebote in den Betrieben werden von Männern und Frauen gleichermaßen angenommen. Es macht also auch von daher Sinn, in die Firmen und Behörden zu gehen und niedrigschwellige Beratungsangebote zu machen. Die oft gehörte Sorge, eine solche Sensibilisierung für psychische Erkrankungen würde zu noch höheren Ausfallzeiten in den Betrieben führen, hat sich als falsch erwiesen. Wegen und trotz der immer noch bestehenden Stigmatisierung psychischer Leiden ist es wichtig, offen damit umzugehen und auch am Arbeitsplatz darüber zu informieren, wie sich z.B. der Beginn einer Erkrankung äußert; auch um möglichst früh intervenieren zu können. Wir werden daher oft von Behörden oder Betrieben eingeladen. In Vorträgen informieren wir die Belegschaft über unsere Arbeit. Sollten sich Mitarbeiter angesprochen fühle, bieten wir anschließend Gespräche an. Ohne lange Wartezeit kann dann gegebenenfalls eine fachgerechte Diagnose und Behandlung erfolgen.

Events und Konzerte von Allgäu ConcertsFRIZZ: Mit welchen Krankheitsbildern hatten Sie in den letzten Jahren am meisten zu tun?
Prof. Dr. Harald Gündel: Von den verschiedenen Formen von Depressionen sind sehr viele Patienten betroffen. Erfahrungsgemäß dauert es Monate oder gar Jahre, bis sich eine Depression entwickelt. Dies ist sicher ein Schwerpunkt unserer Behandlung. Auch hier ist es wichtig möglichst frühzeitig mit der Therapie zu beginnen. Viele unserer Patienten leiden unter chronischen Schmerzen, chronischen entzündlichen Prozessen und Herzerkrankungen. Je nach genetischer Veranlagung äußert sich anhaltender Stress auf diese Weise oder auch in Form von Ängsten oder Essstörungen. Und natürlich bieten wir spezielle Behandlungen für Menschen mit sogenannten strukturellen Störungen, gerade Borderline-Persönlichkeitsstörungen, an.

FRIZZ: Können Sie die häufigsten Gründe einer solchen Erkrankung benennen?
Prof. Dr. Harald Gündel: Häufig kommen Vererbung, belastende Lebenserfahrungen und aktuelle Lebenssituation zusammen, bis eine persönliche Grenze überschritten ist. Dann manifestiert sich eine psychische oder psychosomatische Erkrankung. Die Fähigkeit von uns Menschen, mit widrigen Umständen und Situationen umzugehen, ist durch eine Vielzahl von Faktoren, beispielsweise Lebensgeschichte, frühere Schicksalsschläge, genetische Veranlagung etc. sehr unterschiedlich ausgeprägt. Ebenso unterscheiden sich die Halt-gebenden Lebensumstände: Bestehen tragfähige zwischenmenschliche Beziehungen, wie ausgeprägt ist die Fähigkeit, selbst Lösungen für Krisen zu finden usw.? Wesentlich ist in Drucksituationen das eigene Gefühl dafür, ob die Grenze zur Erkrankung überschritten ist. Spüre ich Krankheitssymptome, fühle mich seelisch oder körperlich nicht mehr im Gleichgewicht ist es an der Zeit, Hilfe zu suchen.

FRIZZ: Spielt die Digitalisierung auch eine Rolle?
Prof. Dr. Harald Gündel: Ja. Eine Folge der Digitalisierung ist die Verdichtung des Arbeitsalltags durch ständige Erreichbarkeit. In Hinblick auf unsere Gesundheit sollten wir darauf achten, „Inseln“ in unserem Leben zu bewahren oder zu schaffen, die ein Entspannen und Auftanken ermöglichen.

FRIZZ: Jedem Klinikaufenthalt bei Ihnen geht ein Erstgespräch voraus. Wie läuft das in der Regel ab?
Prof. Dr. Harald Gündel: Am Anfang steht die Anmeldung in unserer Ambulanz. Dazu reicht ein Überweisungsschein vom niedergelassenen Arzt. Anschließend findet ein Gespräch mit einem Kollegen unserer Klinik statt. Dabei wird versucht festzustellen, ob bereits eine krankheitswertige Beeinträchtigung vorliegt. Ist das der Fall, wird entscheiden, welche der verschiedenen Behandlungsmöglichkeit in Betracht kommt. Auch der Umfang der Behandlung wird geklärt: Ambulante Therapie, teilstationäre oder stationäre Behandlung. Auch sozialtherapeutische Maßnahmen wie Schuldnerberatung und Arbeitsplatzberatung können indiziert sein.

FRIZZ: Was ist bei der Behandlung Ihrer Patienten das wichtigste Werkzeug?
Prof. Dr. Harald Gündel: Es gibt eine Reihe von sogenannten verbalen und kreativen Therapieverfahren. Das dabei entscheidende „Werkzeug“ ist aber die jeweilige therapeutische Beziehung zwischen Therapeut/Thearpeutin und Patient/Patientin. Gelingt es, Vertrauen zu fassen, sich zu öffnen, neue Einsichten zu gewinnen und schrittweise umzusetzen, im „geschützten“ Rahmen einer Tagesklinik oder Station etwas Neues zu probieren?

FRIZZ: Welche Rolle spielen dabei Medikamente?
Prof. Dr. Harald Gündel: Die psychopharmakologische Medikation steht bei uns nicht im Vordergrund, wird bei Bedarf bzw. Indikation aber natürlich auch angewendet. Klar ist, Psychotherapie und Medikamente haben jeweils ihren Nutzen. Unser Hauptziel in der psychosomatischen Therapie ist es, dass der Mensch selbst wieder die Kontrolle über sein Leben bekommt, was ein Ziel der Psychotherapie ist, die auch weiterwirkt, wenn sie beendet ist. Oft haben Medikamente dabei unterstützende Wirkung.

FRIZZ: Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Neurobiologie? Inwieweit ist dieses Thema wichtig für Ihren Arbeitsalltag?
Prof. Dr. Harald Gündel: Manche Patienten reagieren auf den Vorschlag ihrer Hausärzte, sie in unsere Klinik zu überweisen, sinngemäß mit dem Satz: „Ich bilde mir meine Krankheit doch nicht ein, ich hab‘s doch nicht am Kopf!“ Daher ist es zum Einen ein wesentliches Ziel der neurobiologischen Wissenschaft, zu zeigen, dass seelische Erkrankungen genauso biologische Grundlagen haben wie beispielsweise Magenbeschwerden. Das Verständnis der neurobiologischen Zusammenhänge hilft, dem Vorurteil „Du bist doch selbst schuld an deiner Krankheit“ entgegenzuwirken. Zum Anderen können wir viel besser verstehen, wie Erkrankungen entstehen. Unser Umfeld, die wichtigen Menschen im Privatleben und am Arbeitsplatz haben einen unmittelbaren biologischen Einfluss auf unseren Körper, also auf uns. Beispiele dafür sind chronische Schmerzen, hoher Blutdruck, chronisch-entzündliche Erkrankungen und so weiter. Die Psyche ist ein wichtiger Faktor für körperliche Gesundheit und das können wir durch unsere neurobiologische Forschung belegen. Es spielt eine große Rolle, in welcher Umgebung wir leben und arbeiten, welche Umfeld wir uns „suchen“, bewusst oder unbewusst, im Guten wie im Schlechten. Das kann die Grundlagenforschung zeigen.

FRIZZ: Können Patienten mit einer chronischen Erkrankung durch eine Psychotherapie ihre Lebensqualität verbessern?
Prof. Dr. Harald Gündel: Unbedingt! Gerade bei chronischen Krankheiten haben die Patienten oft sehr viele und bessere Möglichkeiten, den Verlauf bzw. ihre Lebensqualität zu beeinflussen, selbst Verantwortung zu übernehmen als bei akuten Erkrankungen.

FRIZZ: Im gesamten Bereich der Onkologie spielt die Psyche eine wichtige Rolle. Arbeiten Sie mit Ärzten dieser Krankenstationen eng zusammen?
Prof. Dr. Harald Gündel: Es konnte nicht bewiesen werden, dass psychische Faktoren die Entstehung von Krebserkrankungen beeinflussen. Eine Krebsdiagnose verändert jedoch das Leben komplett und führt zu großen psychischen Belastungen. Die Betroffenen dabei zu unterstützen, damit umzugehen und damit möglichst Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf und die Lebensqualität zu nehmen, ist ein sehr wichtiger Bereich unserer Klinik: Die Psychoonkologie.

FRIZZ: Sind Hausärzte ausreichend ausgebildet um eventuelle psychische Hintergründe einer Krankheit zu erkennen, und wo liegt die Grenze dessen, was sie leisten können?
Prof. Dr. Harald Gündel: Immer besser. wir erfahren hier ein wachsendes Interesse und bieten entsprechende Fortbildungsveranstaltungen und Ausbildungen an: Psychosomatische Grundversorgung für Hausärzte oder auch die Ausbildung zum Zusatztitel Psychotherapie für Hausärzte. Mein Eindruck ist, dass Hausärzte heute deutlich mehr über den Einfluss psychischer Faktoren wissen als früher. Meines Wissens ist dies auch ein anerkannter Teil der Ausbildung zum Hausarzt. Die Entwicklung geht aus meiner Sicht also auf jeden Fall in die richtige Richtung. Die Grenze wird oft durch die zur Verfügung stehende Gesprächszeit bestimmt. Deswegen ist eine gute Zusammenarbeit zwischen unseren Fachrichtungen sehr wichtig.

FRIZZ: Wann ist der Punkt jedes Einzelnen erreicht, sich psychologische oder psychosomatische Hilfe zu suchen?
Prof. Dr. Harald Gündel: Mir gefällt in diesem Zusammenhang der Vergleich einer psychischen/psychosomatischen Erkrankung mit einer beginnenden chronischen Sehnenentzündung am Ellbogen ganz gut: Wenn ich die Schmerzen registriere, versuche ich erst mal, die Sache selbst in den Griff zu bekommen, und die Sehne zu schonen bzw. etwas gezielte Krankengymnastik. Wenn das nicht klappt und ich weiterhin Schmerzen habe, ist es besser, rasch zum Arzt zu gehen um – ideal - nach wenigen Wochen mit gezielter Behandlung wieder beschwerdefrei zu sein. Andernfalls werden die Leidenszeit und eine spätere Therapie unnötig in die Länge gezogen. Viele psychische Erkrankungen haben leider eine jahrelange Vorgeschichte, während der gar keine Behandlung stattfand. Dementsprechend umfangreich und langwierig wird dann später oft eine Therapie.

FRIZZ: Werden Patienten zu Ihnen überwiesen, oder kommen sie eigeninitiativ?
Prof. Dr. Harald Gündel: Als gesetzlich Versicherter brauchen sie eine Überweisung. Es ist aber kein Problem, die beim Hausarzt zu bekommen.

FRIZZ: Haben Sie lange Wartezeiten in Ihrer Klinik?
Prof. Dr. Harald Gündel: In der Ambulanz zwei bis vier Wochen. Wenn dann eine Aufnahme in der Tagesklinik oder auf der Station geplant ist, kann es zwischen einem und drei Monaten dauern, bis ein Platz zur Verfügung steht.

FRIZZ: Behandeln Sie auch ambulant?
Prof. Dr. Harald Gündel: Wir haben keine reguläre Kassenzulassung für ambulante Psychotherapie. Wir haben aber Möglichkeiten, Patienten in der Hochschulambulanz zu sehen, diagnostisch und therapeutisch zu beraten und zu vermitteln. Auch Kurztherapien gehen in beschränktem Umfang. Demnächst werden wir eine psychosomatische Institutsambulanz bekommen. Dann wird es hoffentlich noch bessere ambulante Behandlungsmöglichkeiten geben, die die bisherigen Angebote sinnvoll ergänzen.

FRIZZ: Würden Sie aus psychosomatischer/medizinischer Sicht sagen, dass Selbsthilfe sinnvoll ist und helfen kann?
Prof. Dr. Harald Gündel: Unbedingt! Ich bin selbst ehrenamtlicher Vorsitzender des Selbsthilfebüros „Korn“, einer regional zentralen Anlaufstelle zum Thema Selbsthilfe, die über 250 Selbsthilfegruppen organisiert. Diese Institution halte ich für sehr wichtig und sinnvoll. Wir Menschen sind Gruppenwesen. Alleinsein tut uns nicht gut. Sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun, sich beispielweise bei einer bestehenden Erkrankung oder ähnlichen Schwierigkeiten zusammenzusetzen und zu überlegen, wie lösen Andere Probleme im selben Kontext oder gemeinsam etwas zu unternehmen, ist sehr sinnvoll – auch unter dem Aspekt der Selbsthilfe.

FRIZZ: Gibt es bestimmte, allgemeine Faktoren die jeder für sich beachten sollte, um psychisch gesund durchs Leben gehen zu können?
Prof. Dr. Harald Gündel: Jeder sollte sich die Frage stellen: Habe ich genug „Inseln“ in meinem Leben? Gemeint sind Orte und Zeitspannen, die mir helfen, zur Ruhe zu kommen und den „Speicher wieder zu füllen“. Gute und tragfähige Beziehungen sind ein weiterer, wenn nicht „der“ zentrale Aspekt: Wenn ich keine oder nur schwierige zwischenmenschliche Beziehungen habe, ist das auch für die körperliche Gesundheit schlecht. Bin ich von Menschen umgeben, die ich liebe und umgekehrt? Wenn nicht, was kann ich tun, um dies zu erreichen? Tragfähige zwischenmenschliche Beziehungen sind der stärkste Resilienzfaktor für uns Menschen. Positiv wirkt sich auch regelmäßige körperliche Aktivität aus: Ausdauersport, Yoga usw. Allerdings nur, wenn ich es selbst will.

FRIZZ: Was tun Sie persönlich für Ihr Seelenheil?
Prof. Dr. Harald Gündel: Mir ist es sehr wichtig, zwischendurch Pausen zu haben. Ich versuche möglichst viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen und mache - so gut es geht - Sport. Wichtig ist auch, dass ich meinen Beruf wirklich sehr gerne ausübe – trotz gelegentlich hoher Belastung.