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Nachgefragt: Supermarkt Mitarbeiter zur aktuellen Corona-Krise



Supermarkt mit Mundschutz


Die vergangenen Tage und Wochen waren für uns alle nicht einfach. Insbesondere der Einzelhandel musste sich mit geändertem Kaufverhalten und einem mitunter „anderem“ Benehmen der Kunden auseinandersetzen. Wir haben mit Stefan K. (Name geändert), Mitarbeiter einer größeren Supermarkt-Kette in Ulm, gesprochen.


FRIZZ: Wie haben Sie die vergangenen Tage erlebt?
Stefan K.: Unterschiedlich. Durch beständiges Nachfragen, wissen die Kunden, wann genau die Ware für unseren Markt geliefert wird. Daher ist der Ansturm an diesen Tagen, aber auch zu bestimmten Uhrzeit sehr hoch. Das kann schnell sehr anstrengend und nervenaufreibend werden. Vor allem für die Kassierer und Wareneinräumer, die dann einfach nicht mehr hinterher kommen.

FRIZZ: Wie erleben Sie die Kundinnen und Kunden?
Stefan K.: Die Meisten zeigen Verständnis für die Arbeit, die wir in dieser schwierigen Zeit verrichten. Natürlich gibt es aber auch Kunden, bei denen man merkt, dass sie verängstigt sind. Es kommt schon auch vor, dass sehr ruppig und unfair mit den Mitarbeitern umgegangen wird. Aktuell gibt es beispielsweise die Regelung, dass jeder Kunde von Produkten wie Klopapier, Mehl oder Hefe jeweils nur ein bis zwei Pac-kungen kaufen darf. Diese Regelung nehmen uns viele übel. Das führt teilweise soweit, dass Kunden an der Kasse herumschreien oder sogar zu weinen anfangen.

FRIZZ: Hat sich Ihr Umgang mit der Kundschaft verändert?
Stefan K.: Der Umgang hat sich an sich nicht verändert. Wir sind stets höflich und hilfsbereit. Wir versuchen den Kunden auch immer die Angst zu nehmen, es würde keine Ware mehr für alle geben. Außerdem versuchen wir immer Ruhe auszustrahlen und wollen unsere Arbeit so verrichten, als würde es diese schwierige Zeit nicht geben. Bei uns tragen alle Thekenkräfte Mundschutz und haben Handschuhe an und jede Kasse ist mit Desinfektionsmittel ausgestattet.
Aber natürlich ist das alles nicht einfach und verlangt allen viel ab. Dennoch wollen wir jeden Tag, gemeinsam als Team, erfolgreich und ohne Komplikationen gut überstehen.

FRIZZ: Wie sollten sich die Menschen Ihrer Meinung nach (im Supermarkt) verhalten?
Stefan K.: Die Menschen sollten sich ruhig verhalten. Auch wenn jemand über drei Ecken mitbekommen haben will, dass die Supermärkte schließen. Das ist einfach nicht wahr. Die Lebensmittelversorgung gehört zur kritischen Infrastruktur und ist deshalb ein wichtiger Pfeiler in unserer Gesellschaft.
Kunden sollten sich solidarisch verhalten und an ihre Mitmenschen denken. Hamstereinkäufe schaden allen und helfen niemandem. Insofern sich alle normal verhalten und die Menge einkaufen, die sie tatsächlich benötigen, steht auch immer genug Ware zur Verfügung. Außerdem sollten alle daran denken, mindestens eineinhalb Meter Abstand an den Kassen und den Gängen einzuhalten. Und bitte darauf warten, bis die Arbeiterinnen und Arbeiter die Ware ins Regal eingeräumt haben. Kürzlich mussten wir den Laden zwischenzeitlich schließen, da die Kunden angefangen haben die Ware direkt von den Paletten zu nehmen, welche wir gerade einräumten. Dieses unsinnige Verhalten muss unbedingt aufhören und darf nicht mehr vorkommen.

FRIZZ: Gab es während der letzten zwei Wochen auch positive Erlebnisse?
Stefan K.: Tatsächlich ist jeder abgeschlossene Arbeitstag ein positives Erlebnis. Als Team verrichten wir stets aufs Neue unsere Aufgaben und beißen uns durch. Jeder Tag bringt neue Aufgaben, Hindernisse und Herausforderungen und lässt uns weiter fokussiert arbeiten.