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Leichtathletin Alina Reh im Stadtgespräch



Alina Reh mit Medaille


Alina Reh ist eine deutsche Leichtathletin, die sich auf Langstrecken-, wie 10-km-Straßen- und Halbmarathonläufe spezialisiert hat und auch Crossläufe absolviert. Lag ihr Fokus in der Jugend noch auf der 3000-Meter-Distanz, konzentriert sie sich mittlerweile auf die 5000 und 10.000 Meter. Alina kommt aus Laichingen und erzählt heute aus Ihrem spannenden Leben:


FRIZZ: Anscheinend warst du ein sehr temperamentvolles Kind, und Wutanfälle waren eine Spezialität von dir. So bist du zum Laufen gekommen, stimmt das?
Alina Reh: Ja, das stimmt. Ich hatte als Kind einfach zu viel Energie, die ich loswerden musste. Da war Ausdauersport in der Natur die beste Möglichkeit. Auch Wandern und Radfahren gehörte dazu. Laufen hat mir von Anfang an gefallen.

FRIZZ: Wie alt warst du zu diesem Zeitpunkt und was hat Dir das Laufen diesbezüglich gebracht?
Alina Reh: Ich habe mit acht Jahren richtig mit Laufsport begonnen, das heißt vier mal die Woche Training. Es hat mir einfach Spaß gemacht, nach der Schule schnell zu rennen und auch an meine Grenzen zu gehen.

FRIZZ: Du begleitetest schon als Siebenjährige deine Mutter mit dem Fahrrad, als die für einen Marathon trainierte. Hast du so deinen Bewegungsdrang entdeckt?
Alina Reh: Ich würde eher sagen, dass ich so den Laufsport entdeckt habe. Der Bewegungsdrang war schon vorher da.

FRIZZ: Hast du an Schülerläufen teilgenommen und wie waren damals Deine Leistungen?
Alina Reh: Oft waren Jungs und Mädchen in einem Lauf. Bei Schülerläufen konnte ich vorne bei den Jungs mitlaufen und häufig gewinnen. Das lag aber auch daran, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon viel mehr trainiert habe als andere in meinem Alter.

FRIZZ: Gab es einen Moment, in dem dir klar war, dass aus deiner Lust am Laufen viel mehr werden könnte, oder hat sich das langsam entwickelt?
Alina Reh: Das hat sich eher langsam entwickelt. Das gilt auch für die Teilnahme an größeren Meisterschaften, an denen ich erst als Jugendliche teilnehmen durfte.

FRIZZ: 2015 absolviertest du das Abitur. Zu diesem Zeitpunkt hattest du schon einige Titel gewonnen. Wie hart ist Leistungssport und parallel Schule?
Alina Reh: Das ging eigentlich ganz gut – auch, weil ich in Laichingen zur Schule ging und auch dort trainierte. Da waren die Wege kurz. Aber auch das umstrittene G8 hat mir geholfen meinen Tag zu strukturieren und diszipliniert zu sein. Das war auf jeden Fall gut für meine sportliche Laufbahn.

FRIZZ: Du bist ja in einem ländlichen Raum groß geworden, warst du bekannt in deiner Gegend?
Alina Reh: Ja schon relativ früh. Meine Mama betreibt einen Supermarkt in Laichingen und deshalb kennt man sich einfach. Und in unserer Lokalzeitung wurde auch schon immer viel über meine Läufe berichtet.

FRIZZ: Mittlerweile kannst du viele Erfolge national und international für dich verbuchen: Deutsche Vizemeisterin (5000 m), deutsche Meisterin (10 km Straße), deutsche Meisterin (10 000m), Crosslauf-Vize-Europameisterin (U23 Mannschaft), 4. Platz Halleneuropameisterschaften (3000m), um nur ein paar wenige zu nennen. Gibt es den einen, wichtigen Sieg für dich?
Alina Reh: Für mich war die EM in Berlin 2018 ein großes Highlight. Die Stimmung während der gesamten Meisterschaft war einfach toll und der 4. Platz über 10 000m ein schöner Erfolg für mich.

FRIZZ: Liebäugelst du eigentlich mit einer Marathon-Premiere?
Alina Reh: Marathon möchte ich auf jeden Fall in Angriff nehmen. Wann das passiert wird, ist aber noch nicht geplant.

FRIZZ: Welche Herausforderungen warten 2020 auf dich?
Alina Reh: Die olympischen Spiele in Tokyo. Das ist mein ganz großes Ziel und da würde ich gerne dabei sein.

FRIZZ: Kannst du deinen persönlichen Lustgewinn beim Laufen definieren?
Alina Reh: Beim Laufen lernt man sich selbst und seinen Körper sehr gut kennen. Man hat keine Hilfsmittel, um sich fortzubewegen. Und man kann sich schön auspowern.

FRIZZ: Zentralisierung ist ein Erfolgsgeheimnis des Sports. Die besten ihrer Disziplin treffen sich und messen sich täglich im Training. Du magst das nicht, warum?
Alina Reh: Laufen ist eine Individualsportart. Daher ist es auch wichtig, sich individuell vorzubereiten. Klar macht laufen in der Gruppe auch Spaß, aber jeder Athlet ist verschieden und braucht ein anderes Training. Das in der Gruppe zu steuern, ist nicht so einfach. Da muss man auch kompromissbereit sein und das fällt mir, wenn es um das Laufen geht, schwer.

FRIZZ: 2016 musstest du einen Ermüdungsbruch im Fuß verkraften? Wie schlimm war das und was hast du daraus gelernt?
Alina Reh: Das war meine erste schlimme Verletzung und es fiel natürlich sehr schwer, damit umzugehen. Aber ich habe in dieser Zeit viele Menschen kennengelernt, die mir geholfen haben, schnell wieder auf die Beine zu kommen und mit denen ich immer noch zusammenarbeite. Gelernt habe ich, dass Leistungssport eine Gratwanderung ist und der Grat wird auf dem Weg nach oben immer schmaler. Daher muss man einfach konzentriert und fokussiert arbeiten, aber den Spaß nie verlieren.

FRIZZ: Wie oft und wie lange trainierst du in der Woche?
Alina Reh: Ich trainiere 12 bis 14 mal die Woche, damit komme ich auf ca. 30 Stunden.

FRIZZ: Hast du eine Hausstrecke?
Alina Reh: Auf der Schwäbischen Alb gibt es so viele schöne Wege. Da finde ich immer neue Runden.

FRIZZ: Was können Freizeitläufer von dir lernen?
Alina Reh: Das ist schwierig... ich muss selbst noch viel lernen. Was aber mittlerweile ganz gut bei mir funktioniert, ist die Achtsamkeit gegenüber meinem Körper. Das heißt zum Beispiel, sich nach dem Training direkt umziehen und auf seine Gesundheit achten.

FRIZZ: Lauflaien glauben gerne an Wunder, deshalb frage ich dich als Profi: Kann man mit den richtigen Laufschuhen wirklich schneller rennen?
Alina Reh: Ein guter Laufschuh ist auf jeden Fall wichtig, man muss sich darin wohlfühlen und auch er muss auch zum Fuß und Laufstil passen. Aber am Ende läuft der Schuh auch nicht von allein. (lacht)

FRIZZ: Hast du einen Mentaltrainer? Wie wichtig ist es einen „freien Kopf“ zu haben?
Alina Reh: Bis jetzt noch nicht richtig. Aber eine gewisse Lockerheit zu haben hilft immer. Dies ist aber einfacher gesagt als getan und gerade in Wettkämpfen sehr schwer zu realisieren. Daran muss ich auf jeden Fall noch arbeiten.

FRIZZ: Achtest du auf eine gesunde Ernährung und generell auch auf einen gesunden Lebensstil?
Alina Reh: Ja schon. Man verlangt von seinem Körper jeden Tag Höchstleistung und daher möchte man ihm das geben was er braucht. Dazu gehört nicht nur die richtige Ernährung, sondern auch genügend Schlaf.

FRIZZ: Alkohol, Rauchen oder Partymachen bis morgens, sind oder waren das Themen für dich?
Alina Reh: Nee das war für mich nie ein Thema. Ich habe auch noch nie Alkohol getrunken. Was die Weihnachtszeit oder auch andere Jahresabschnitte angeht, bin ich nicht so streng mit mir. Aber ich setze mir dann schon ein zeitliches Limit ab wann ich wieder konsequenter in Sachen Ernährung nehme.

FRIZZ: Hast du schon einmal ans Aufgeben gedacht?
Alina Reh: Nein. Laufen ist momentan mein Lebensmittelpunkt und das was ich liebe.

FRIZZ: Was hast du für berufliche Ambitionen?
Alina Reh: 2017 habe ich meine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau abgeschlossen und würde nach meiner sportlichen Laufbahn gerne einen Supermarkt eröffnen.

FRIZZ: Wie sieht dein perfekter Tag aus?
Alina Reh: Schönes Wetter, ein schöner langer Lauf, danach ein gutes Frühstück und eine kleine Wanderung.

FRIZZ: Wenn du dich mit drei Worten beschreiben müsstest?
Alina Reh: Ehrgeizig, emotional, ungeduldig

FRIZZ: Womit können andere Menschen dich beeindrucken?
Alina Reh: Respekt und Wertschätzung gegenüber Mitmenschen und der Umwelt kommt mittlerweile echt zu kurz. Das finde ich aber extrem wichtig. Zudem können mich Menschen mit einer tollen Ausstrahlung beeindrucken.

FRIZZ: Was macht dir Angst?
Alina Reh: Mir wegen meines Ehrgeizes selbst im Weg zu stehen.

FRIZZ: Welche Musik magst du?
Alina Reh: Ich höre gerne Radio und vor Wettkämpfen immer Helene Fischer.

FRIZZ: Drei Wünsche für die Zukunft?
Alina Reh: Gesundheit, Respekt und Wertschätzung.
 
 
Bild: indeedous/Wikimedia Commons