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Julia Gámez Martin im Gespräch





Die berliner Pflanze mit spanischen Wurzeln startete ihre künstlerische Laufbahn als Musicaldarstellerin und wechselte dann mit ihrer Kollegin Ariane Müller als Duo „Suchtpotenzial“ in die Comedy Branche. Mit ihren eigenen Songs touren sie seither durch Deutschland und räumen einen Kabarettpreis nach dem anderen ab. Nebenbei engagiert sich Julia für Terre des Femmes, Amnesty International und ist Teil der „Sisters of Comedy“ die jedes Jahr Benefizshows für Frauenförderprojekte in ganz Deutschland organisieren.


FRIZZ: Nach dem Abitur absolviertest du ein Musical-Studium an der Universität der Künste in Berlin. Wann entdecktest du deine Affinität zur Kunst?
Julia Gámez Martin: Als ich klein war, ging meine Mutter mit mir in ein paar Musicals. Das hat mich total begeistert und von da an war mein Berufswunsch: Musicaldarstellerin.

FRIZZ: Seit deinem Studium spieltest du regelmäßig Hauptrollen an diversen Theatern, darunter in Stücken wie Jesus Christ Superstar, The Rocky Horror Show, Hair und Jekyll & Hyde. Sind solche Engagements besonders lehrreich oder besonders anstrengend für eine junge Künstlerin?
Julia Gámez Martin: Jedes Stück hatte für mich eine andere Herausforderung. Sowohl auf der Bühne, weil jede Partie natürlich anders ist, als auch menschlich, weil man sich immer wieder auf andere Menschen und Charaktere einstellen muss.

FRIZZ: An der Semperoper Dresden gabst du 2017/18 dein Debüt als Sally Bowles in der Neuproduktion „Cabaret“ und bist in dieser Partie auch in der aktuellen Spielzeit zu sehen? Was bedeutet es für dich, in so einem renommierten Haus auftreten zu können?
Julia Gámez Martin: Es ist für mich eine große Ehre an diesem Haus spielen zu dürfen und dann auch noch eine meiner absoluten Traumrollen.

FRIZZ: Ist Sally für dich eine naive karriereorientierte Frau oder eher ein leichtlebiges Szenegirl?
Julia Gámez Martin: Ich glaube Sally ist eine Träumerin mit einem großen Herzen und einer Prise Egozentrik. Sie schwankt immer wieder zwischen Liebe und Karriere.

FRIZZ: Wie kann eine aktuelle Produktion die Atmosphäre der so genannten Goldenen Zwanziger lebendig werden lassen? Immerhin begegnet man in Cabaret den ersten Nazis.
Julia Gámez Martin: Genau das macht das Stück ja so spannend: Es gibt einem anfangs das Gefühl von Unbefangenheit und der wilden Lebenslust die zu jener Zeit in Berlin herrschte und lässt einen plötzlich schockiert in die Pause mit einem Volkslied der Nationalsozialisten.

FRIZZ: Weltbekannt wurde „Cabaret“ auch durch den Gassenhauer „Bye, bye, mein lieber Herr“. Gibt es einen Song, den du besonders gerne singst?
Julia Gámez Martin: Ich liebe „Maybe this time“ weil er Sallys Hoffnung so wunderschön widerspiegelt und „Cabaret“ weil er so viel Wahrheit in sich trägt.
Der Song wird oft als Gala-Hit aufgeführt, im Stück jedoch kommt er am Ende, nachdem für Sally alles zusammengebrochen ist und sie kurz vorher eine Abtreibung hat durchführen lassen. Es geht ihr schlecht und trotzdem muss sie auf die Bühne und die Leute unterhalten. Das ist bei uns Künstlern im echten Leben oft nicht anders. The Show Must Go on...

FRIZZ: Deine musikalische Vielseitigkeit hast du aber nicht nur in vielen Musical Produktionen, Galas, Shows, Band Projekten sondern auch zusammen mit Ariane Müller als Musik-Comedy Duo „Suchtpotential“ gezeigt. Würdest du dich auf ein bestimmtes Genre festlegen lassen wollen?
Julia Gámez Martin: Sagen wir so: Mir macht einfach sehr vieles Spaß und ich würde ungern darauf verzichten wollen. Aber aktuell ist „Suchtpotenzial“ einfach Arianes und mein „Baby“ und wir können uns total austoben. Wir schreiben Musik und Texte selbst und sind unsere eigenen Bosse. Das ist unfassbar toll.

FRIZZ: Du kommst aus Berlin und Ariane ist in Ulm geboren, wie habt ihr beiden euch denn gefunden?
Julia Gámez Martin: Wir haben uns 2011 in Ulm bei der Produktion der Rocky Horror Show auf der Wilhelmsburg kennen gelernt. Ariane war die Musikalische Leiterin und ich durfte Magenta spielen.

FRIZZ: Die Süddeutschen und die Berliner sind ja nicht gerade für denselben Humor bekannt. Wie klappt das bei euch?
Julia Gámez Martin: Bei uns ist es anders. Wir haben von Anfang an über die gleichen Witze gelacht und konnten nie ernst bleiben bei den Proben. Da hat sich ziemlich schnell rausgestellt, dass wir sehr gut miteinander können.

FRIZZ: Hast du unsere „Sprache“ überhaupt gleich verstanden?
Julia Gámez Martin: (lacht) Ab und an gibt es noch Probleme, zum Beispiel wenn Arianes Oma mit mir spricht. Dann muss ich immer jemanden fragen. Aber ich verstehe schon recht viel denke ich und sprechen übe ich auch immer fleißig. Vielleicht spreche ich ja irgendwann mal fließend Schwäbisch.

FRIZZ: Mit eurem neuen Programm „sexuelle Belustigung“ geht ihr ab September auf Tour.  Könntest du eine kurze Inhaltsangabe machen?
Julia Gámez Martin: Wie immer nehmen wir vor allem uns selbst „auf‘s Korn“, wie man so schön sagt. Thematisch geht es ein kleines bisschen um Gleichberechtigung aber auch um Karma, Toleranz, Traumjobs und wir helfen den Menschen natürlich auch wieder mit tollen Tipps wie zum Beispiel Mittel zur Stressbewältigung.

FRIZZ: Findest du es wichtig, eure Zuschauer auch mal mit deutlichen Worten zu schockieren?
Julia Gámez Martin: Ach naja, schockieren wollen wir ja gar nicht. Wir sagen eigentlich nichts, was nicht schon andere Leute ausgesprochen haben. Wir sind direkt und singen und sprechen so, wie wir es privat auch machen würden.

FRIZZ: Ist die Me-Too-Debatte ein Thema in eurem Programm, oder sollte man darüber keine Witze machen?
Julia Gámez Martin: Doch auf jeden Fall. Es kommt ja immer drauf an wer bei den Witzen das Opfer ist.

FRIZZ: Berliner Schnauze oder schwäbische Sparsamkeit, sind die Rollen bei euch klar verteilt?
Julia Gámez Martin: Nicht wirklich. Ich hab sicher ein paar typische schwäbische Eigenschaften und Ariane ein paar aus Berlin. Welche das sind, verraten wir nicht.

FRIZZ: Wie entsteht so ein Programm bei euch und wie lange braucht ihr dafür?
Julia Gámez Martin: Das ist ganz unterschiedlich. Wir sammeln eigentlich ständig Themen und in der finalen Phase bauen wir dann alles zusammen. Während der Spielzeit entwickelt sich aber auch noch ganz viel, da wir in unseren Shows viel improvisieren.

FRIZZ: Hast du im Moment überhaupt noch Raum und Zeit für andere Projekte?
Julia Gámez Martin: Sehr wenig.

FRIZZ: Gibt es künstlerische Vorbilder in deinem Leben?
Julia Gámez Martin: Ich war als Kind schon ein riesen Fan von Anke Engelke und Gaby Köster. Die habe ich ständig imitiert und sie haben mich Humortechnisch extrem geprägt.
Als Jugendliche war ich ein riesen Fan von Lauryn Hill, Gwen Stefani, Whitney Houston, Tina Turner, Aretha Franklin und sehr vielen mehr.

FRIZZ: Wie verbringst du deine Zeit außerhalb der Bühne?
Julia Gámez Martin: Ich koche und esse leidenschaftlich gern und wenn es zeitlich klappt, gehe ich gerne auch mal selbst auf Konzerte.

FRIZZ: Ist bei dir Beruf – Berufung?
Julia Gámez Martin: Auf jeden Fall. Ich kann mir nicht vorstellen was anderes zu machen.

FRIZZ: Was gefällt dir in unserer Gegend?
Julia Gámez Martin: Die Natur, die vielen kulturellen Vereine die es in fast jedem kleinen Ort gibt und Zwiebelrostbraten mit Spätzle.

FRIZZ: …und was nicht?
Julia Gámez Martin: Da müsste ich mir jetzt was aus den Fingern saugen. Ich habe bisher nur schöne Erlebnisse im Ländle gehabt.

FRIZZ: Was brauchst du um glücklich zu sein?
Julia Gámez Martin: Eine gesunde, glückliche Familie und Freunde.

FRIZZ: Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Julia Gámez Martin: Ich bin grad sehr glücklich mit allem, also kann es gerne einfach so weitergehen.