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Interviews mit Betroffenen: Ulmer Zelt, Ulli Schlieper & Optik Mersmann





Adrian Büsselmann – Ulmer Zelt

FRIZZ: Hallo Adrian. Im Zuge der Corona-Krise wird gerade alles abgesagt, auch das Ulmer Zelt. Wie geht es Euch damit?
Adrian Büsselmann: Wir sind natürlich traurig und enttäuscht, gerade für unseren vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter ist das sehr Schade. Ich persönlich bin nach dem vielen bangen, ob es vielleicht stattfinden kann oder nicht, erst mal erleichtert. Mit der Absage können wir weiter handeln und uns nun schon auf das nächste Jahr vorbereiten.

Ulmer Zelt TeamFRIZZ: Welche finanziellen Folgen wird das für den Verein zur Förderung der freien Kultur Ulm e.V. haben?
Adrian Büsselmann: Die laufenden Kosten für Personal, Versicherungen, Mieten für Büro und unsere vielen Container und Bauwagen fallen natürlich weiter an. Alles deutet darauf hin, dass die Stadt Ulm und das Land Baden-Württemberg uns auch ohne eine Spielzeit unterstützen. Dazu haben einige unserer Partner und Sponsoren uns schon ihre Unterstützung zugesichert, unser Förderverein hat zum Spenden aufgerufen und auch die ersten Privatspenden haben uns erreicht. Wir sind überwältigt von den positiven Rückmeldungen und sind uns sicher, dass wir es damit bis zur nächsten Spielzeit auf jeden Fall schaffen werden!

FRIZZ: Im Moment arbeitet ihr vermutlich an der Verlegung der einzelnen Veranstaltungen. Wie viel Arbeit ist das?
Adrian Büsselmann: Bis man jede Agentur und Künstler erreicht und dann mit den Terminen jongliert hat bis es passt, dauert es schon ein bisschen. Normalerweise haben wir dafür ein paar Monate Zeit, da aber nun alle Festivals betroffen sind muss man sich mit den passenden Terminen etwas beeilen.

FRIZZ: Werden dann alle gebuchten Künstler 2021 auftreten oder wird das Programm teilweise neu definiert werden müssen?
Adrian Büsselmann: Wir versuchen natürlich so viele Künstler wie möglich mit ins nächste Jahr zu nehmen, in ein paar Fällen wird das aber einfach nicht möglich sein. Einige Künstler wissen momentan noch gar nicht, wie sie ihre Touren im nächsten Jahr gestalten werden. Diese holen wir dann einfach in den nächsten Jahren nach.

FRIZZ: Wie schätzt Ihr das ein: Werden die regelmäßigen Zeltbesucher Euch die Treue halten?
Adrian Büsselmann: Auf jeden Fall! Ich glaube mehr denn je wird das kulturelle Angebot in Ulm und Neu-Ulm nach der Corana-Krise wahrgenommen und angenommen werden. Die Zeit des Verzichts hat uns deutlich gemacht, wie gut es uns eigentlich geht und das werden wir anschließend wieder in vollen Zügen genießen.

FRIZZ: Können Kulturliebhaber etwas tun um Euch zu unterstützen?
Adrian Büsselmann: Zum einen können über unsere Homepage ulmerzelt.de weiterhin Gutscheine gekauft werden, zum anderen werden wir bei der Kulturheld-Initiative (kulturheld-ulm.de) mitmachen. Dort kann man die teilnehmenden Einrichtungen mit dem Kauf von z.B. Postkarten unterstützen. Was genau wir selbst anbieten werden steht leider aktuell noch nicht fest.



Ulli Schlieper – Fotograf und Inhaber Atelier Schlieper

Photograf Ulli Schlieper aus SendenFRIZZ:Hi Ulli, wie geht’s dir aktuell?
Ulli Schlieper:Ich lese viel und laufe täglich, gesundheitlich und mental also alles prima! Wirtschaftlich komme ich an meine Grenzen, hoffe aber auf finanzielle Unterstützung seitens der Bank und der Regierung. Wir nutzen die Zeit aktiv um im Studio und auch zu Hause, um alles auf Vordermann zu bringen.

FRIZZ:Die Corona-Krise hat in den letzten Tagen und Wochen dazu geführt, dass viele ihrer Arbeit nicht mehr wie gewohnt nachgehen können. Inwiefern bist du bzw. das Atelier Schlieper betroffen?
Ulli Schlieper:Wir haben unser Studio seit dem 18. März für den Kundenverkehr geschlossen. Wir fotografieren im Studio nur noch technische Aufnahmen und bilden unsere Auszubildenden weiter aus. Fotostudios dürfen eigentlich öffnen, jedoch können wir keine schönen Portraits, Familien- oder Babybilder fotografieren und dabei den Mindestabstand einhalten. Durch die Ausgangs und Kontaktbeschränkungen dürfen die Kunden gar nicht zu uns kommen da unsere Bilder nicht lebensnotwendig sind.

FRIZZ:Wie erlebst du die Kundinnen und Kunden?
Ulli Schlieper:Unsere Kunden reagierten alle sehr verständnisvoll wenn wir schon vereinbarte Termine verschieben mussten. Viele wünschen uns Durchhaltevermögen und hoffen das Sie auch noch in ein paar Monaten schöne Portraits bekommen. Einige nutzen auch unsere Online-Bestellmöglichkeit um unser Studio mit Nachbestellungen zu unterstützen.

FRIZZ:Gab es positive Erlebnisse während den letzten Wochen?
Ulli Schlieper:Es gibt viel Zuspruch unserer Kunden, sowie liebe Worte mit der Hoffnung das sie weiterhin bei uns schöne Bilder machen lassen können. Meine Mitarbeiter sind da wenn ich Sie brauche. Ich genieße aber auch die Zeit mit der Familie und die Zeit für mich selbst.

FRIZZ:Wie geht’s bei dir nach Corona weiter?
Ulli Schlieper:Es geht auf jeden Fall mit einem Lächeln und unserer gewohnten positiven Einstellung weiter. Wir sind gespannt welche Auflagen auf uns zukommen und werden entsprechend reagieren. Wir haben jedoch die Zeit kreativ genutzt und freuen uns darauf Euch die neuen Ideen vorstellen zu dürfen.



Beate und Carsten Köhler – Inhaber Optik Mersmann

FRIZZ: Herr und Frau Köhler, wie geht es ihnen aktuell?
Beate und Carsten Köhler: Persönlich geht es uns gut. Wir freuen uns, dass wir schönes Wetter haben und versuchen positiv zu bleiben. Wir haben viel „freie“ Zeit und genießen die unerwartete Familienzeit mit unseren eigentlich bereits ausgezogenen älteren Söhnen. Betrieblich sieht das anders aus. Unsere Mitarbeiter sind seit Mitte März zu Hause in Kurzarbeit, das macht Sorgen und schmerzt uns natürlich sehr. Um uns nicht aus den Augen zu verlieren, haben wir unser Team aktuell wenigstens im Schaufenster präsent. Große Umsätze sind natürlich auch nicht zu verzeichnen, das ist schwierig.

Beate und Carsten Köhler von Optik MersmannFRIZZ: Seit der Corona-Krise hat Optik Mersmann nicht mehr regulär geöffnet, sondern nur eine Notversorgung eingerichtet. Was bedeutet das?
Beate und Carsten Köhler: Notversorgung bedeutet, dass wir keine Sonnenbrillen und Accessoires verkaufen können und zum Beispiel auch keine Neuanpassung von Kontaktlinsen vornehmen. Wie der Name sagt, sind wir natürlich vor allem für den Notfall da. Für viele Menschen ist die Brille einfach „lebensnotwendig“ um arbeiten oder Autofahren zu können. Wenn keine Ersatzbrille vorhanden ist, wollen wir diesen Kunden natürlich schnell helfen. Das heißt,kaputte Brillen reparieren wir nach Möglichkeit vor Ort, aber wir ersetzten Brillen auch oder fertigen Brillen neu an. Notbetrieb herrscht allerdings auch bei den Lieferanten, den Zustellbetrieben und Herstellern, so dass Dinge die sonst binnen eines Tages zu erledigen sind, schon mal länger dauern können. Zu unserem Service gehört es natürlich auch, dass wir unseren Kunden alles kostenfrei nach Hause schicken, wenn sie nicht ins Geschäft kommen können oder möchten.

FRIZZ: Welche Auswirkungen hat die aktuelle Lage auf den Umgang mit der Kundschaft?
Beate und Carsten Köhler: Wir sorgen natürlich für die nötige Sicherheit. Wir stellen Desinfektionsmittel zur Verfügung, haben selbst Masken und auch einen Visiergesichtsschutz, da man dem Kunden gelegentlich doch etwas näher kommen muss. Zum Glück sind wir technisch auf dem neusten Stand und haben mit unserem Visionix ein hervorragendes Sehtestgerät bei dem wir selbst auf Abstand bleiben können und auch mit dem Vincent ein Zentriergerät zur Verfügung mit dem man auch den Augenabstands ermitteln kann, so dass wir dem Kunden gar nicht zu nahe kommen müssen. Da im Moment nicht viele Kunden ins Geschäft kommen gibt es auch keine Probleme mit der Kundenanzahl. Wir haben die Möglichkeit die Kunden mit genügend Abstand zu bedienen.

FRIZZ: Gab es auch positive Erlebnisse während den letzten Wochen?
Beate und Carsten Köhler: Ja viele! Unsere Kunden freuen sich sehr, wenn Sie hören, dass wir da sind, geöffnet haben und freuen sich auch einfach ins Geschäft kommen zu können. Viele sind dankbar, wenn wir Ihnen die gefertigte Brille oder die Kontaktlinsen nach Hause schicken. Die meisten sind auch sehr entspannt. Positiv ist, dass viele Kunden einen Termin mit uns vereinbaren. Das erhoffen wir uns auch für die kommende Zeit, denn so lassen sich die Wartezeiten besser steuern, die sonst wegen der Abstandsregeln im Geschäft länger werden könnten.

FRIZZ: Wie geht es bei ihnen nach Corona weiter?
Beate und Carsten Köhler: Nach Corona wird wohl nicht so schnell sein, fürchten wir. Aber ab Montag, wenn wir auch wieder die schönen Dinge wie Sonnenbrillen verkaufen dürfen wird sich langsam wieder etwas ändern. Zwar werden wir die ersten Tage noch die Notöffnungszeiten beibehalten die mein Mann und ich momentan alleine bedienen, aber wenn wir sehen, dass die Kunden zurück in die Stadt kommen, können wir darauf schnell reagieren und die Zeiten anpassen. Ab Mai kehrt dann endlich auch unser Team zurück, welches von uns und unseren Kunden natürlich schmerzlich vermisst wird. Allerdings können wir wohl nicht so schnell zum Alltag zurückkehren. Den Zweischichtbetrieb, der noch eine lange Phase der Kurzarbeit mit sich bringt, wegen wir wahrscheinlich noch sehr lange aufrechterhalten müssen. Eine große Belastung für uns alle! Dankbar sind wir aber auch gerade euch liebem Frizz Team, für euren Support! Vielen Dank, dass ihr uns nicht vergesst! Wir sehen uns.