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Interviews mit Betroffenen: Marc Befurt, Uli Zimmermann, Thomas Bauer, Patrick Meißner & Stefan Oberdorfer





Marc Befurt – Geschäftsführer Friseur Befurt

FRIZZ: Hi Marc, wie geht es Dir aktuell?
Marc Befurt: Gesundheitlich geht es mir gut, vielen Dank! Privat vermisse ich den persönlichen Kontakt zu Freunden, meinen AH-Fußball und meine Ausfahrten mit dem Wohnmobil. Beruflich arbeiten wir gerade intensiv daran, dass Unternehmen im Lot zu halten und die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter zu sichern.

Friseur Marc BefurtFRIZZ: Die Corona-Krise hat in den letzten Tagen und Wochen dazu geführt, dass viele ihrer Arbeit nicht mehr wie gewohnt nachgehen können. Wie waren Eure letzten Wochen? Welche Maßnahmen wurden getroffen?
Marc Befurt: Wir mussten - wie viele andere auch - Kurzarbeit anmelden. Wir hatten uns kurz vor dem Erlass der Landesregierung entschieden, zum Schutz unserer Kunden und Mitarbeiter den Betrieb in unseren Salons einzustellen. Ein weiteres Arbeiten war aus dem gesundheitlichen Blickwinkel nicht mehr zu verantworten. Seitdem beschäftigen wir uns mit dem Organisieren der Kurzarbeit und der Liquiditätserhaltung der Firma. Parallel planen wir mit entsprechenden veränderten Rahmenbedingungen die Wiederaufnahme des Salonbetriebs.

FRIZZ: Wurden Eure Mitarbeiter in Ihrer Kurzarbeit geschult?
Marc Befurt: Aber ja! Wir haben alle Mitarbeiter inklusive Auszubildende im 3. Lehrjahr zum Thema Haarfarbe intensiv in einem mehrtägigen Webinar geschult. Das war eine willkommene Abwechslung für unsere Mitarbeiter und hat prima funktioniert. Außerdem betreut unsere AKADEMIE Leiterin mit Hilfe der Videotelefonie unsere Azubi-Prüflinge. Im Vordergrund steht hierbei die Prüfungsvorbereitung.

FRIZZ: Gab es besonders prägende Erlebnisse während der letzten Wochen?
Marc Befurt: Ja, einige! Aber das Prägendste war eindeutig die Betriebsversammlung zur Ankündigung der Salonschließung und der notwendige Gang in die Kurzarbeit. Wir sind ein Familienunternehmen und feiern 50-jähriges Betriebsjubiläum. Wir pflegen einen engen verantwortungsvollen Kontakt zu unseren Mitarbeitern und legen großen Wert auf einen respektvollen Umgang miteinander. Viele Mitarbeiter sind schon sehr lange im Unternehmen und empfinden zu diesem auch eine sehr starke Bindung. Da flossen auch Tränen…das ging uns richtig nahe! Es war sehr schön, diesen Zusammenhalt zu spüren.

FRIZZ: Wie geht’s bei euch im Mai weiter?
Marc Befurt: Wir dürfen ab 4. Mai unsere Salons wieder öffnen. Allerdings unter Einhaltung von Hygieneschutzmaßnahmen zur Verringerung des Infektionsrisikos für Mitarbeiter und Kunden. Wir erstellen gerade neue Arbeitspläne für unsere Mitarbeiter, strukturieren unsere Salons unter Vorgabe der Berufsgenossenschaft und arbeiten intensiv an unserem Infektionsschutzkonzept. Parallel versuchen wir ausreichend Masken, Desinfektionsmittel, Handschuhe und so weiter auf dem Markt zu ergattern, sodass wir zum Start am 4. Mai gut aufgestellt sind. Uns liegt die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter sehr am Herzen! Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als unsere vielen treuen Kunden wieder begrüßen zu dürfen.



Uli Zimmermann – Inhaber Berg Brauerei

FRIZZ: Hallo Herr Zimmermann, wie geht es ihnen aktuell?
Uli Zimmermann: Wie viele Menschen sorgen wir uns um Gesundheit unserer Lieben und unserer Mitarbeiter und blicken auf die wirtschaftliche Zukunft.

Berg Brauerei: Beate und Uli ZimmermannFRIZZ: Inwiefern betrifft die Corona-Krise die Berg Brauerei?
Uli Zimmermann: Die gestiegenen Flaschenbierumsätze können den Wegfall des Fassbieres nicht ausgleichen. Gastronomie und so auch unsere BrauereiWirtschaft sind geschlossen. Die schönen Begegnungen, das Miteinander feiern bei Kreismusikfesten, Schützenfest und dem Ulrichsfest, werden wir vermissen.

FRIZZ: Welche Maßnahmen haben sie ergriffen?
Uli Zimmermann: Nachdem wir Überstunden und Urlaub abgebaut haben, sind einige unserer Mitarbeiter in Kurzarbeit. In der über 550-jährigen Geschichte unseres Hauses hat es noch nie Kurzarbeit gegeben. Es hat sicher schwere Zeiten gegeben, die man im Miteinander gelöst hat. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen sich jetzt sehr flexibel, der jeweiligen Situation angepasst, ein und die Brauerei stockt das Kurzarbeitergeld auf. So wollen wir es für alle erträglich machen. Die Coronakrise wird die Existenz unserer Brauerei nicht gefährden!

FRIZZ: Was wünschen Sie sich?
Uli Zimmermann: Ich wünsche mir, dass wir aus der Coronakrise lernen. Unser Wohlstand basiert auch auf den verlängerten Werkbänken, die wir in aller Welt haben. Bekommen die Menschen an diesen fernen Werkbänken einen gerechten Lohn? Ich wünsche mir, dass wir regionale Wirtschaftskreisläufe stärken, dass wir nicht nur von anderen einfordern gerechte Preise zu bezahlen, sondern dass wir dies selber tun. Ich wünsche mir, dass wir daran arbeiten die Ursachen abzumildern, die Menschen veranlasst ihre Heimat zu verlassen. Ich wünsche mir, dass wir Europa stärken, indem wir von unserem Vorteil als Exportweltmeister anderen Ländern Europas etwas abgeben. Vieles soll so bleiben, weil es gut ist: Das menschliche Miteinander, die Fürsorge untereinander, die Achtung vor Mensch und Natur.

FRIZZ: Wie geht es weiter?
Uli Zimmermann: Zusammenkommen im kleinen Kreis. Ein „Schwätzle“ über die Hecke führen und ein Fläschle Bier trinken. Das „Zum Wohl“ ist eine schöne Geste und ein Beitrag zur Lebensfreude. In diesem Sinnen wünsche ich den Leserinnen und Lesern einen schönen Sommer – bleiben Sie gesund!



Thomas Bauer – Inhaber Café Einstein

Thomas Bauer im Cafe Einstein UlmFRIZZ: Hallo Thomas, wie geht’s dir aktuell?
Thomas Bauer: Gesundheitlich geht es mir gut. Geschäftlich steht natürlich alles still.

FRIZZ:Das Café Einstein hat jetzt seit einem Monat geschlossen. Was bedeutet das für dich und das Einstein-Team?
Thomas Bauer: Wir haben lange geplant, dann ordentlich Geld in die Hand genommen, und im März renoviert. Allerdings kann das nun keiner sehen, weil wir seither gar nicht wieder eröffnen konnten.
Unsere Mitarbeiter müssen auf "unbestimmte Zeit" von Kurzarbeitergeld leben. Dazu fehlen die Trinkgelder, die den harten, anstrengenden Job in der Gastronomie erst lukrativ machen. Da wird es dann schon sehr eng. Das ist wirklich bitter. Ich schaue, dass ich Alles tun kann, um diese Zeit irgendwie zu überstehen. Hinterher werden wir aber wohl Kredite bis ins Jahr 2500 abzahlen müssen.

FRIZZ:Kann man euch in dieser Zeit irgendwie unterstützen?
Thomas Bauer: Wenn ihr die Gewinnzahlen vom Eurolotto kommenden Freitag hättet, wär's schön...

FRIZZ:Gab es positive Erlebnisse während den letzten Wochen?
Thomas Bauer: Die Menschen sind weniger aggressiv, finde ich. Man sieht tatsächlich ab und an auch ein Lächeln auf den Gesichtern.

FRIZZ:Wie geht’s bei euch nach Corona weiter?
Thomas Bauer: Wir machen wieder auf und werden uns wieder voll reinhauen. Die Mitarbeiter freuen sich wirklich schon darauf. Und schließlich braucht der Staat dann viel Geld, und wir werden unseren Anteil wieder erfüllen.



Patrick Meißner – Marketing Donaubad und Geschäftsführer Devils Ulm/Neu-Ulm

FRIZZ: Hallo Patrick, wie geht’s dir aktuell?
Patrick Meißner: Persönlich gut, danke – auch wenn die Situation alles andere als optimal ist.

FRIZZ: Das Donaubad ist aufgrund der Corona-Krise geschlossen. Was bedeutet das für dich und das Donaubad-Team?
Patrick Meißner: Wie überall sindauch bei uns die Zeiten sehr ungewöhnlich. Selbstverständlich ist es nicht schön, dass wir keine Gäste empfangen dürfen, aber wir nutzen die Zeit sinnvoll, umdas Freibadvorzubereiten und sind somit für die Sommersaison startklar. In den Bereichen Erlebnisbad und Sauna haben wir diejährlicheSchließzeit, die normalerweise im Julistattfindet, vorgezogen.Alle Revisionsarbeiten werden jetzt durchgeführt, so dass eine weitere Schließung im Juli nicht notwendig wäre.

FRIZZ: Bekommt das Donaubad staatliche Unterstützung in dieser schweren Zeit und wenn ja, ist diese ausreichend?
Patrick Meißner: Stand Jetztnehmen wir keine staatliche Unterstützung in Anspruch.

Patrick Meissner Donaubad Neu-Ulm und Devils Ulm/Neu-UlmFRIZZ: Gab es auch positive Erlebnisse während der letzten Wochen?
Patrick Meißner: Positiv war es, dass sowohl unsere Mitarbeiter als auch die für uns tätigen Firmen in der Lage waren, schnell vom „Normal-Badebetrieb“ in den „Schließzeit-Modus“ umzuschalten. Somit waren wir in der Lage, die vergangenen Wochen sinnvoll zu nutzen.

FRIZZ: Wie geht es im Donaubad nach Corona weiter?
Patrick Meißner: Wirsind„Stand By“, umdieFreizeitanlagemit Freibad,ErlebnisbadundSauna wieder zu eröffnen. 2020 wird vermutlich das Jahr des Heimaturlaubs, wofürsich dasDonaubadalsdas perfekteZielfür eine Tagesausflug anbietet!



FRIZZ: Kommen wir vom Donaubad zu den Devils Ulm/Neu-Ulm. Die Corona-Krise hat die Saison der Devils vorzeitig beendet und es wurde entschieden, dass ihr aufsteigt. Herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet das für den Verein und wart ihr von der Entscheidung überrascht?
Patrick Meißner: Erstmal vielen Dank für die Glückwünsche. Nein, überrascht waren wir ehrlich gesagt nicht, da wir bereits beim Abbruch durch die Verbandsverantwortlichen positive Signale erhalten haben. Als die Aussagen jedoch drei Wochen später offiziell verkündet wurden, waren wir sehr glücklich und sind es immer noch. Wir als Verein bzw. ich als Geschäftsführer bin natürlich sehr stolz auf das, was wir in den letzten sechs Jahren aus dem Verein gemacht haben.

FRIZZ: Welche Auswirkungen hat die aktuelle Lage auf den Umgang mit den Spielerinnen und Spielern? Gibt es Trainingspläne für zuhause?
Patrick Meißner: Spielergespräche finden ausschließlich über Telefon und/oder Videotelefonie statt. Es ist nicht schön, aber wir müssen uns ja alle damit abfinden. Des Weiteren gab es vor zwei Wochen von Trainer Robert Linke einen Trainingsplan bis 23. Mai 2020, in der Hoffnung, dass wir uns bis dahin wieder treffen können.

FRIZZ: Bleibt aus den letzten Wochen auch etwas positives im Gedächtnis?
Patrick Meißner: Ja, natürlich. Wir sind gut aus der Saison gekommen und haben wegen Corona nicht wie andere Sportarten finanzielle Einbußen. Des Weiteren laufen die Kaderplanungen durchaus positiv. Außerdem gab es von vielen verschiedenen Seiten Glückwünsche zum Aufstieg, was uns sehr gefreut hat.

FRIZZ: Wie geht es bei den Devils nach Corona weiter?
Patrick Meißner: Wir hoffen alle, dass schnellstmöglich wieder Normalität einkehrt. Gerade auch um das Sommertraining als Mannschaft starten zu können. Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass ein Saisonstart im Oktober gefährdet ist.



Stefan Oberdorfer (Obi) – Inhaber: Hanflager und Hemperium

Stefan Oberdorfer vor dem HemperiumFRIZZ: Hi Obi, wie geht’s dir aktuell?
Obi: Ganz anders! Aber trotzdem gut. Ich kann nicht über Antriebslosikgeit klagen.

FRIZZ: Ihr habt ja in den vergangenen Tagen und Wochen auch einiges umgestellt. Welche Veränderungen gab es im Hemperium und in den Hanflagern?
Obi: Wir sind seit dem 16. März Grundversorger und sind im Hanf-Lager in der Neuen Straße 33 Montag, Mittwoch und Freitag von 12:00 Uhr bis 20:00 Uhr da. Und im Hanflager an der Zinglerstraße 1 dienstags sowie donnerstags von 12:00 Uhr bis 20:00 Uhr und samstags von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr. Das Hemperium hat jetzt dienstags bis samstags von 11:30 Uhr bis 22:00 geöffnet.

FRIZZ: Wie erlebt ihr die Kundinnen und Kunden?
Obi: Treu und solidarisch.

FRIZZ: Inwiefern hat sich euer Umgang mit der Kundschaft verändert?
Obi: Alles passiert mit zwei Meter Abstand, aber ein Lächeln gibt’s immer gratis dazu.

FRIZZ: Gab es positive Erlebnisse während den letzten Wochen?
Obi: Fast nur positive Erlebnisse, von Bestellungen bis hin zu „braucht ihr Geld“-Angeboten.

FRIZZ: Wie geht’s bei euch nach Corona weiter?
Obi: Wer weiß das schon !? „Nach Corona ist vor Corona!“