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Interviews mit Betroffenen: Frieder Hieber, Andreas Neher, Kaminwerk Memmingen und Sabine Wlodek





Frieder Hieber – Inhaber des Rockside

Frieder Hieber im Rockside UlmFRIZZ: Hallo Frieder, wie geht’s dir aktuell?
Frieder Hieber: Gesundheitlich geht’s mir gut, geschäftlich natürlich nicht so gut. Als die Anweisung von der Stadt Ulm kam, „die zugelassene Personenzahl zu halbieren“ habe ich mich schweren Herzens entschlossen, auch aus Rücksichtnahme auf die Gesundheit meiner Gäste und Mitarbeiter schon vor dem vom Amt verhängten Shutdown, meinen Club bereits am 13. März 2020 zu schließen.

FRIZZ: Was bedeutet die Schließung für dich, das Rockside-Team und die Veranstalter?
Frieder Hieber: Ich selbst habe hier eine abwartende Haltung, glaube auch nicht an eine baldige Lockerung bzw. Öffnung des Clubgeschäfts. Es ist ja schwer vorzstellbar, im Club den Sicherheitsabstand einzuhalten, geschweige denn mit Schutzmaske zu feiern. Gleiches gilt natürlich für die Fremdveranstalter die mit uns jahrelang zusammenarbeiten. Wir sind mit unseren Mitarbeitern über die sozialen Medien laufend in Kontakt und informieren alle sobald es Neuigkeiten gibt.

FRIZZ: Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat schnelle, unbürokratische Hilfen für Kultureinrichtungen zugesichert. Sind diese Hilfen ausreichend?
Frieder Hieber: Die Hilfen waren, wenn auch durch Anlaufschwierigkeiten, dann doch schnell und unbürokratisch. Ob diese Hilfen ausreichend sind, entscheidet die Dauer des Shutdowns im Clubgeschäft.

FRIZZ: Kann man euch in dieser Zeit anderweitig unterstützen?
Frieder Hieber: Ihr könnt der Ulmer Clubwelt die Daumen drücken!

FRIZZ: Gab es auch positive Erlebnisse während den letzten Wochen?
Frieder Hieber: Der Zusammenhalt meiner Mitarbeiter und das mir entgegengebrachte Verständnis bzw. positives Feedback das Rockside schon vor dem angeordneten Shutdown zu schließen.

FRIZZ: Wie geht’s bei euch nach Corona weiter?
Frieder Hieber: Ich hoffe das der Betrieb dann wieder anläuft. Wie und ob sich nach der Corona Situation das Ausgehverhalten geändert hat bleibt abzuwarten. Sicher ist allerdings das der 40jährige Geburtstag des WESTSIDE (wurde am 10.04.1980 eröffnet), dem heutigen Rockside/Sugarclub extremst nachgefeiert wird. Wann, wird sich zeigen...



Andreas Neher – Inhaber Hoppala Babyausstattung

FRIZZ: Hallo Andreas, wie geht es Dir aktuell?
Andreas Neher: Gesundheitlich sehr gut. Seelischer Zustand wieder besser. Geschäftlich nicht so toll.

Andreas Neher Hoppala Neu-UlmFRIZZ: Die Corona-Krise hat in den letzten Tagen und Wochen dazu geführt, dass viele ihrer Arbeit nicht mehr wie gewohnt nachgehen können. Wie waren Eure letzten Wochen? Welche Maßnahmen wurden getroffen?
Andreas Neher: Ich musste am 18. März meinen Laden schließen. Wir haben die Zeit genutzt, die Verkaufsräume neu zu gestalten und alles umzuräumen. Um nicht ganz in Vergessenheit zu geraten und den wichtigsten Bedarf abzudecken, haben wir einen Liefer- und Abhol-Service organisiert. Wir haben viele Artikel über E-Mail, Facebook, Telefon oder WhatsApp verkauft. Ich habe noch auf die schnelle einen Online-Shop installieren wollen. Der ist aber nicht rechtzeitig fertig geworden. Das war was ganz Neues und hat eigentlich ganz gut funktioniert. Aber wir haben natürlich nur ein Bruchteil des normalen Umsatzes.

FRIZZ: Wie läuft es aktuell bei Euch?
Andreas Neher: Nach unserer Wiedereröffnung sind alle froh endlich wieder Kunden im Laden zu sehen und zu sprechen. Das ist logischerweise trotzdem noch ganz anders als vorher. Mit den geforderten Schutz- und Hygienemaßnahmen und den Atemschutz-Masken ist das Arbeiten eine andere Herausforderung. Für die Kunden und für uns.

FRIZZ: Gab es besonders prägende Erlebnisse während der letzten Wochen?
Andreas Neher: Über vier Wochen, von einem Tag auf den anderen keine Einnahmen mehr zu haben, aber die Fixkosten und andere Verbindlichkeiten trotzdem noch begleichen müssen, das hat mich sehr bedrückt. Man wusste überhaupt nicht, wie lange die Schließung noch dauert. Vom Bayrischen Ministerium hat man zwar recht schnell eine Soforthilfe bekommen. Das war aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ich hoffe es wird keinen Rückfall geben und die Geschäfte werden nicht erneut schließen müssen.

FRIZZ: Welche Bedenken habt ihr für die Zukunft?
Andreas Neher: Wenn man sieht, dass manche Menschen diese Krise nicht ernst nehmen und alles für übertrieben halten, keinen Abstand einhalten, keinen Mundschutz tragen und Desinfektion für überflüssig halten … da habe ich große Sorgen, dass die Infektionszahlen wieder stark ansteigen werden und wir den ganzen Mist von vorne durchmachen müssen.



Matthias Ressler – Kaminwerk Memmingen

FRIZZ: Hi Matthias, wie geht es Dir aktuell?
Matthias Ressler: Dem Kaminwerkteam und mir geht es gerade gesundheitlich gut. Wir haben im Team keine Erkrankungen. Das ist schon mal sehr positiv.

FRIZZ: Viele können gerade ihrer Arbeit nicht mehr wie gewohnt nachgehen. Wie waren Eure letzten Wochen? Welche Maßnahmen wurden getroffen?
Matthias Ressler: Der erste Schwung an Arbeit war, für viele verschobenen Konzerte, neue Termine zu finden. Da tritt man eine ganze Maschinerie los, da Konzerttouren ja sonst über Wochen und Monate hin geplant werden. Das funktionierte bei vielen Acts erstaunlicherweise in ein paar Tagen, bei anderen haben wir immer noch keinen Ersatztermin.
Das zweite große Maßnahmenpaket war dann für die Zukunft des Kaminwerks zu sorgen – sowohl für den Fortbestand des Betriebs als auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir haben natürlich mit unserem Vermieter über Stundungen gesprochen, haben eine Charity-Aktion unter startnext.com ins Leben gerufen, haben uns viele Hilfsprogramme angeschaut und wir haben ein Budget für unsere 450-Euro-Minijober aufgebaut, um diese weiter finanziell zu unterstützen. Wir haben es bisher geschafft, dass niemand entlassen werden musste.

Theken Team Kaminwerk MemmingenFRIZZ: Wie läuft es aktuell bei Euch?
Matthias Ressler: Aktuell planen wir schon Ersatztermine für eventuelle Verschiebungen im Herbst. Im Moment weiß auch die Politik nicht, wie es in wenigen Wochen weitergeht. Da würden wir uns schon etwas mehr Planungssicherheit wünschen. Wir unterstützen zwar alle Maßnahmen der Regierung, es wäre aber hilfreich zu wissen, welche Veranstaltungsgrößen und -formate wir ab Juni durchführen können. Den Mai haben wir bereits komplett abgeschrieben.

FRIZZ: Gab es besonders prägende Erlebnisse während der letzten Wochen?
Matthias Ressler: Die Solidarität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist großartig. Viele haben freiwillig auf finanzielle Unterstützung verzichtet um anderen, die es nötiger haben unter die Arme zu greifen. Einige haben uns sogar mit einer Spende bei unserer Startnext-Aktion unterstützt. Auch die Zustimmung von unseren Besucherinnen und Besuchern und die Unterstützung der Fans - das werden wir nie vergessen.

FRIZZ: Welche Bedenken habt ihr für die Zukunft? Wie geht es nach der Krise weiter?
Matthias Ressler: Die größte Unsicherheit ist die Ungewissheit wann und wie Veranstaltungen durchgeführt werden. Ich kann mir vorstellen, dass wir bald schon wieder kleine Veranstaltungen im Kino, Theater oder Kabarettbereich starten können. Dort gäbe es genug Platz für Sicherheitsmaßnahmen. Kleine Konzerte mit zwei- bis dreihundert Menschen sehe ich frühestens nach den Sommerferien, die großen Konzerte mit über 500 Besuchern vielleicht Ende des Jahres. Trotzdem laufen unserer Planungen für die Zeit nach Mai normal weiter, bis uns die Politik sagt, was geht und was nicht.

FRIZZ: Gibt es besondere Wünsche?
Matthias Ressler: Der größte Wunsch ist, dass alle gesund bleiben und wir die Zahlen weiter nach unten korrigieren können. Wir würden den Kulturbereich jetzt nicht unbedingt systemrelevant nennen – aber unbedingt lebensrelevant. Was wäre unsere Welt ohne Musik, Tanz und Begegnung? Sicher nicht mehr so lebenswert. Das sollte von der Politik anerkannt werden. Zudem die Kulturbranche auch viele Arbeitsplätze schafft.



Sabine Wlodek – Inhaberin lamovida

Sabine Wlodekt tanzt im lamovidaFRIZZ: Hi Sabine, wie geht es Dir aktuell?
Sabine Wlodek: Den Umständen entsprechend. Leider gehören wir noch nicht zu denen, die am 27. April aufmachen dürfen! Mit „Abstand halten - wird die neue Normalität“; schaut es nicht gut aus! Aber trotzdem lege ich mich nicht auf die faule Haut! Wir geben Gas und haben unser ganzes Kurskonzept jetzt auf online umgestellt!

FRIZZ: Inwiefern betrifft die Corona-Krise euch und eure Arbeit?
Sabine Wlodek: Es kommt niemand mehr, es rufen keine Leute mehr an, da fehlt einem schon was! Wir sehen unsere Kunden jetzt via Livestream über Zoom und freuen uns, wenn wir zumindest auf diese Weise in Kontakt bleiben können.

FRIZZ: Es geht ja nicht nur um euer Studio, sondern auch um eure Veranstaltungsräumlichkeiten…

Sabine Wlodek: Stimmt und momentan sieht es eher nicht danach aus, das wir dieses Jahr größere Veranstaltungen durchführen können! Aber trotzdem brauchen unsere Gäste auf Spaß nicht zu verzichten! Unsere Rock Generations halten wir jeden ersten Samstag im Monat per Livestream über Facebook und Instagram ab! Im April hatten wir knapp 2000 Zuschauer von überall her! Unseren ersten Salsa und Bachata Schnupperkurs hatten wir auch schon per Livestream veranstaltet! Aktuelle Termine für Livestream Partys kann man unter la-movida.de einsehen!

FRIZZ: Ihr habt auf Online-Kurse umgestellt, wie werden diese angenommen?
Sabine Wlodek: Wir sind jetzt erst am Anfang, aber haben schon viele, tolle Rückmeldungen von unseren Kunden. Zu unseren regulären Kursen haben wir jetzt auch mehre Videos online, darunter z.b. Power Yoga, Shadowboxen, Zumba, Reggaeton/Afro, ChaCha, Functional Training, Bauch Beine PO, Bauch Intensiv, und mehr.

FRIZZ: Gab es besonders prägende Erlebnisse während der letzten Wochen?
Sabine Wlodek: Ich bin gerührt und begeistert von den positiven Mitteilungen meiner Kunden und Geschäftspartner, daran sieht man, dass wir mittlerweile eine tolle solidarische lamovida-Community auf die Beine gestellt haben

FRIZZ: Wie geht’s bei euch nach Corona weiter?
Sabine Wlodek: Auch nach Wiedereröffnung unseres Studios werden die Onlinekurse ein fester Bestandteil unseres Angebotes bleiben. Unsere Kunden können zukünftig zweigleisig trainieren! Sowohl im Studio als auch online! Eine tolle Kombination in unserer schnelllebigen Zeit mit hohem Termindruck, da nicht alle unsere Mitglieder regelmäßig die Kurse besuchen können, so braucht niemand darauf zu verzichten!