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Devils Ulm/Neu-Ulm - Das Interview





Die Eissporthalle Neu-Ulm ist seit Jahren die Heimspielstätte der Eishockey Devils Ulm/Neu-Ulm. In der neuen Saison gehen die Devils in der Landesliga Bayern an den Start. Das Ziel ist es erneut, um die vorderen Plätze mitzuspielen und mittelfristig in die Bayernliga aufzusteigen. Eine besondere Rolle bei den Devils nehmen Patrick Meißner – er ist Spieler und Geschäftsführer in Personalunion - und Rückkehrer Martin Jainz – der bereits 2001 für die Devils gespielt hat – ein. FRIZZ traf sich mit Patrick und Martin um über die Faszination am Eishockey, über die Eishallenproblematik in Neu-Ulm und die Jugendarbeit der Devils zu sprechen.


FRIZZ: Ihr spielt seit eurer Jugend Eishockey. Wie seid ihr zu diesem Sport gekommen und gab es in eurer Kindheit auch andere Sportarten, die ihr ausprobiert habt?

Patrick: Tatsächlich ja, ich habe als Kind relativ viel gemacht. Ich habe Tennis gespielt, lange Handball in Burlafingen und Söflingen, Fußball in Offenhausen und irgendwann war ich dann beim Schlittschuhlaufen hier in Neu-Ulm und wurde angesprochen ob ich nicht mal zur Laufschule bzw. zum Training kommen möchte. Ich fand das als Kind beeindruckend - diese Ausrüstung. Ich habe dann reingeschnuppert, es hat mir direkt gefallen und ich bin dabeigeblieben. Bei den anderen Sportarten ist der Spaß einfach irgendwann verloren gegangen oder ich war einfach nicht begnadet genug.
Martin: Bei mir war es ganz einfach. Ich komme gebürtig aus Weißwasser und da gibt es nur Eishockey. Die Stadt lebt vom Eishockey, da war es klar, dass ich zu diesem Sport komme.

FRIZZ: Was macht für euch den Reiz beim Eishockey im Vergleich zu anderen Sportarten aus?
Patrick: Die Schnelligkeit, die Männlichkeit und die Dynamik. Es ist sehr körperbetont.
Martin: Alles passiert so nah beieinander und es gibt keine Minute Stillstand. Es ist einfach ein Event, dass ist das was mich auch immer fasziniert hat.

FRIZZ: Ihr steht gerade am Ende der Vorbereitung auf die neue Saison. (Anm. d. Red.: Am 11. Oktober 2019 startet die Landesliga) Allerdings durftet ihr erst in der letzten Septemberwoche aufs Eis im heimischen Eisstadion, der Eissporthalle Neu-Ulm. Woran lag das und wie wurde bis dahin trainiert?
Patrick: Der Grund ist ganz einfach, es gibt eine Nutzungsvereinbarung zwischen der Stadt und der Donaubad GmbH, die keinen früheren Start vorsieht. Wir sind dran, das Ganze zu klären. Dies zieht sich allerdings schon über ein paar Jahre. Wir gleichen das mit einem sehr hohen Zeit- und Kostenaufwand aus und mieten uns anderswo "Eis". Wir waren jetzt wieder im Trainingslager in Pfronten. Das machen wir jetzt schon seit drei Jahren. Auch in Burgau trainieren wir immer wieder in der Vorbereitung. Du hast halt trotzdem einfach einen Nachteil gegenüber deinen Konkurrenten, die bereits seit einigen Monaten regelmäßig auf dem Eis stehen. Im Seniorenbereich ist das alles - mit viel Zähneknirschen - gerade so umsetzbar. Im Nachwuchsbereich ist es allerdings sehr schwierig. Da ist es höchstens am Wochenende möglich woanders aufs Eis zu fahren.

FRIZZ: Ist mit der Eisproblematik in den nächsten Jahren eine Änderung in Sicht?
Patrick: Wir haben mit der Stadt schon gute Gespräche gehabt. Die Politik nimmt sich dem Thema an und hat ein offenes Ohr für uns. Ich bin überzeugt davon, dass wir nächstes Jahr spätestens zum 1. September Eis haben werden.

FRIZZ: Patrick, du hast eine im Sport nahezu einzigartige Doppelfunktion. Du bist Spieler und Geschäftsführer zugleich. Wie kam es dazu?
Patrick: Ich war eine Zeitlang in NRW und hätte mich, als ich zurück kam sicherlich auch entscheiden können, wo anders hin zu gehen. Entschieden habe ich mich schlussendlich aber dafür wieder nach Ulm in die Bezirksliga zu gehen, weil es mir weh getan hat wie dort alles brach lag. Mein Ziel war es hier wieder etwas aufzubauen. Deshalb habe ich mich von Beginn an neben dem Spielen auch bei einigen Kleinigkeiten engagiert und das wurde von Jahr zu Jahr mehr. Irgendwann habe ich relativ viel gemacht, so dass die Vorstände entschieden haben mir den Titel Geschäftsführer zu verleihen.

FRIZZ: Wie sehen die Vertragsverhandlungen zwischen dem Geschäftsführer Meißner und dem Spieler Meißner aus?
Patrick: Das ist genau das Thema und der Wunsch von mir. Solange ich selbst noch Spieler bin, will und werde ich nichts mit Spielerverträgen zu tun zu haben, nicht mit meinem und nicht mit denen der Mitspieler. Es ist keine gute Idee, von Mitspielern die Verträge zu kennen. Das ist zu viel Interna. Da möchte ich mich raushalten.

FRIZZ: Was sind eure Ziele für die kommende Saison?
Martin: Für uns als Mannschaft gibt es nur ein Ziel und das heißt: Aufstieg! Mit dieser Stadt und den Möglichkeiten, die wir haben, die wir über Jahre aufgebaut haben, kann es kein anderes Ziel geben. Das es brutal schwer wird wissen wir alle. Es gehört immer auch ein bisschen Glück dazu, aber wenn wir alle einen Schritt nach vorne machen ist es auf jeden Fall möglich.
Patrick: Aus Vereinssicht möchtest du dich jedes Jahr um mindestens einen Platz verbessern. Das hieße also Aufstieg, da wir diesen in der letzten Saison um einen Platz verpasst haben. Es wäre kein Beinbruch nicht aufzusteigen, aber es ist unser ganz klares Ziel. Sollte es nicht klappen ist es kein Scheitern, sondern einfach nur eine Verzögerung des Prozesses. Wir haben relativ gute Resonanzen von bestehenden Sponsoren bekommen, die alle mitziehen. Dazu haben wir viele neue, begeisterte Sponsoren dabei. Man kann also sagen: Wir sind ganz gut gerüstet, um vielleicht auch nochmal an Weihnachten nachzulegen.

FRIZZ: Martin, du als Urgestein des Vereins warst 2001 das erste Mal in Ulm und zwischendrin dann mal wieder eine Weile weg. Wie hast du die Entwicklung über die letzten 18 Jahre verfolgt? 
Martin: Die Strukturen haben sich massiv geändert, das kann man wirklich nicht mehr vergleichen. Als ich angefangen habe waren wir  ganz oben und alles war Friede, Freude, Eierkuchen. Irgendwann war es dann ein ziemliches Auf und Ab. Mal hoch, mal runter. Mit diesen Eskapaden und was damals alles passiert ist, ist jetzt Schluss. Heute wird sachlich gewirtschaftet. Das war nicht immer so. Der jetzige Weg ist der richtige und keine Verarschung der Zuschauer. Deshalb bin ich damals gegangen, ich konnte mich damit nicht identifizieren. Das hat sich heute alles geändert. Es sind Leute am Werk, die wissen was Sie tun und denen man Glauben kann was sie sagen - von daher kann man sagen, dass sich der Verein wirklich positiv entwickelt hat.

FRIZZ: In der Saison 1998-1999 gab es das letzte Mal 1. Liga Eishockey in Ulm/Neu-Ulm damals noch unter dem Namen EC Ulm-Neu-Ulm. Gibt es Visionen und Ideen den Verein wieder in ähnliche Höhen zu führen?
Patrick: Meine Vision behalte ich immer gerne für mich. Ich möchte mich nicht mit Uli Hoeneß vergleichen, aber er hat damals auch mit 30 angefangen beim FC Bayern. Damals hätte auch keiner gedacht, dass er aus dem FC Bayern das macht, was er heute ist. Es ist immer eine Geldfrage. Wir wollen uns nicht von dem einen Sponsor abhängig machen, das ist ein Fehler, den schon viele gemacht haben, sondern wir wollen breit aufgestellt sein. So kann man einen Ausfall besser kalkulieren. Das Ziel ist es ganz klar über die nächsten Jahre - Step by Step  - nach oben zu kommen, aber unsere Identität dabei nie zu verlieren. Eine Pleite habe ich als Spieler schon mitgemacht, das ist nicht schön. Daher geben wir kein Geld aus, das wir nicht haben. Es ist alles vorbudgetiert und jeder weiß in welchem Bereich er wie viel Geld ausgeben kann.

FRIZZ:
Welche Rolle spielt die Jugendarbeit in diesen Planungen?

Patrick: Das ist die wichtigste und schwerste Arbeit. Jugendarbeit ist unfassbar zeitintensiv. Vor fünf Jahren haben wir begonnen, unseren Jugendbereich auszubauen. Durch den Erfolg der 1. Mannschaft wurde der Sport auch für Kinder attraktiver. Es kommen mehr Leute zu den Spielen, auch Familien. Die Kinder wollen den Sport dann natürlich selbst ausprobieren, daher steigt der Zuwachs im Jugendbereich. Wir haben einen richtig guten Jahrgang mit vielen Spielern (2005/2006) den wir kontinuierlich nach oben ziehen müssen. Wir haben ab nächstem Jahr dann auch erstmalig wieder eine U17 Mannschaft und damit fünf Jugendteams, die wir ohne Spielgemeinschaften stemmen. Das Ganze müssen wir jetzt einfach weiterführen und kontinuierlich ausbauen und geduldig sein. Nach der U17 kommt noch eine U20 bevor die Jungs in die 1. Mannschaft eingebaut werden. Der Prozess insgesamt  wird allerdings bestimmt noch fünf bis sieben Jahre dauern, bis man erste Erfolge im Profibereich sieht.
Da der Nachwuchs so wichtig ist, bieten wir auch Programme und Veranstaltungen wie Hockey-Days an, wo Kinder spielerisch an die Sportart herangeführt werden. Dazu haben wir auch Laufkurse, bei welchen den Kindern erstmal nur das Schlittschuhlaufen beigebracht wird. Die Kinder, die Lust haben, dürfen dann natürlich auch zum Eishockey kommen.

FRIZZ: Ab wann kann man denn mit Eishockey beginnen?
Patrick: Wir haben Kinder im Alter von vier Jahren bei uns. Ab da kann man mit der Sportart beginnen. Demnächst gibt es sogar eine eigene U7 Liga. In dem Alter ist es einfach schön zu sehen, wie die Ausrüstung größer wirkt als die Kinder selbst. Wie sagt man so schön: Früh übt sich. Wenn man früh anfängt und die Basics lernt, bringt einem das einen großen Vorteil. Deshalb empfehle ich allen Eltern ihre Kinder mal bei den Young Devils hinein schnuppern zu lassen.

FRIZZ: Welche Eigenschaften muss ein guter Eishockeyspieler mitbringen?
Patrick: Früher waren es fast durchgehend große, bullige Typen, die Eishockey, gespielt haben. Das Spiel ist mittlerweile athletischer und schneller geworden weswegen sich mittlerweile auch immer mehr kleine, flinke Spieler durchsetzen.
Martin: Das wichtigste ist Eigendisziplin und viel Ehrgeiz. Wir trainieren seit Mai und die Saison beginnt im Oktober. Aufs Eis kommt man erst im September.

FRIZZ: Drei Gründe warum jeder Ulmer Mal ein Spiel der Devils besuchen sollte?
Patrick und Martin: Attraktiver, schneller und ehrlicher Sport. Es passiert die ganze Zeit etwas und es ist immer Aktion. Die einzigartige Fan Atmosphäre, viele Fans tragen Trikots und sorgen für gute Stimmung.


Weitere Infos unter:
devilshockey.de
facebook.com/devilsulmneuulm