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Boogie Woogie beim VFB Ulm





Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht gerne tanzt. Ein ganz besonderer Tanzstil ist dabei der Boogie-Woogie, der zur Familie der Swing-Tänze gehört. Um zu erfahren, was es genau mit der Faszination Tanz und eben jenem Boogie-Woogie auf sich hat, haben wir uns mit zwei Profis getroffen - Eva Liebl und Mark Bennewitz vom VfB Ulm.

FRIZZ: Was ist das Besondere am Boogie-Woogie?
Eva: Boogie-Woogie-Tänzer legen besonders viel Wert auf die freie Interpretation der Musik. Dadurch gelingt es den Tänzern, ihrer Darbietung eine ganz individuelle Note zu verleihen. Es existiert also keine feste Choreographie oder Abfolge von Tanzfiguren, die man nur abspult. Dieses Spiel mit der Musik, das Phantasie und Freude transportiert, macht für uns den Tanz besonders interessant. Im Turnierbereich gibt es einstudierte Akrobatik-Elemente, die man im Vorfeld trainiert, damit die Dame weiß, wie sie reagieren muss. Wann diese Elemente während einer Darbietung getanzt werden, entscheidet jedoch der Herr, je nachdem, was das entsprechende Musikstück gerade erzählt.
Mark: Das Schöne am Boogie-Woogie ist also, dass der Herr im Vorfeld keinen genauen Plan hat, was er führen wird. Es gibt jedoch eine einheitliche tänzerische Basis bezüglich der Grundtechnik und allgemeingültige Grundfiguren, welche wir unseren Teilnehmern in den Einsteiger- und Fortgeschrittenenkursen vermitteln. Aufgrund der Besonderheit, die Musik zu vertanzen, ist ein wichtiger Bestandteil unseres Tanzangebots beim VfB-Ulm auch, die Musik und deren Aufbau zu verstehen. Durch diese solide Grundlage ist es einem Boogie-Tänzer möglich, daraus entstehende Figuren- und Schrittvarianten zu verstehen, zu tanzen und später auch selbst zu kreieren. Boogie-Woogie kann langsam und schnell getanzt werden und ist daher wirklich für jeden geeignet. Die Musik und die Bewegungen vermitteln Lebensfreude und Leichtigkeit.

FRIZZ: Eva und Mark, was sind eure tänzerischen Hintergründe und wie kamt ihr zum Boogie-Woogie?
Eva: Tanzen begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Bereits als Kind tanzte ich leidenschaftlich Ballett, später suchte ich die Herausforderung im Leistungssport Kunstturnen und entdeckte andere Tanzstile wie Jazz-Dance, Modern-Dance und Hip-Hop. Besonders fasziniert hat mich nach diesen Solo-Tänzen jedoch der Paartanz. Hier kommt noch die spannende Komponente hinzu, nicht nur mit der Musik, sondern auch mit dem Partner eins zu werden. Boogie-Woogie wurde dabei schnell zu meinem Lieblingstanz. Mark und ich widmen uns mittlerweile ausschließlich dem Boogie-Woogie, weil darin so viel Lebensgefühl steckt. Wir wollten uns irgendwann auch mit anderen Tänzern messen und begannen darum gemeinsam Turniere zu tanzen. Letztes Jahr wurden wir bayerische Meister und süddeutscher Vizemeister in der Main-B. In diesem Jahr tanzten wir bei den European Master Games in Italien und belegten den 1. Platz.
Mit dem Ziel, uns noch intensiver mit diesem Tanz auseinanderzusetzen und diesen auch von einer anderen Perspektive aus zu betrachten, absolvierten wir erfolgreich die Boogie-Kursleiter Ausbildung. Weitere Trainerscheine sind für das kommende Jahr in Planung.
Seit Januar sind wir als Boogie-Kursleiter beim VfB Ulm tätig, was uns sehr viel Freude macht. Wir sind mittlerweile eine tolle Gruppe ambitionierter Tänzer. Wir fahren gemeinsam zu Boogie-Partys der Region, sitzen zusammen, genießen die Musik und tanzen natürlich fleißig bis in die Morgenstunden.
Mark: Ich begann mit acht Jahren Rock'n'Roll zu tanzen. Später besuchte ich klassisch Standard- und Latein Kurse in einer Tanzschule. Vom Ehrgeiz gepackt, baute ich mein Können weiter aus und war lange Zeit als Latein-Turniertänzer aktiv. Mit 26 Jahren entschied ich mich für einen Auslandsaufenthalt in den USA, um als Tanzlehrer für Standard und Latein zu arbeiten und mich als Tanzlehrer ausbilden zu lassen. Später war ich viele Jahre nebenberuflich als Tanzlehrer in München tätig. Zusammen mit Eva startete ich dann meine Boogie-Tanzkarriere. Vor einem Jahr bin ich nach Ulm gezogen. Seit dem unterrichten wir diesen einmaligen Tanz beim VfB-Ulm.

FRIZZ: Wie kam es zu der Entscheidung zusammen Boogie-Woogie unterrichten zu wollen?
Eva: Wir sind keine hauptberuflichen Tanz-Trainer. Mark wollte nach seinem Umzug nach Ulm unbedingt weiter nebenberuflich Tanzunterricht geben, weil es schade wäre, diese Leidenschaft zu vernachlässigen. Wir investieren beide sehr viel Zeit in den Paartanz Boogie-Woogie, sowohl im Turniertraining, in Workshops, als auch in unseren Trainerausbildungen. Außerdem konnten wir uns gut vorstellen, zusammen zu unterrichten und so war dann schnell klar, dass wir Boogie-Woogie Kurse anbieten wollen.
Mark: Der große Unterschied zwischen Boogie-Woogie und anderen Tänzen ist, dass Boogie einen bestimmten Lifestyle vermittelt. Wenn man abends Boogie tanzen geht, dann zieht man sich ein bisschen 50er Jahre gemäß an. Vintage ist auch bei jungen Leuten wieder total angesagt. Boogie wird einfach anders zelebriert als Standard- und Lateintänze. Es gibt tolle Boogie Festivals, immer mit guten Livebands. Dieses Feeling wollen wir nach Ulm tragen. Hier gibt es noch viel zu wenige Tänzer und Tanzpartys. Das wollen wir ändern!

FRIZZ: Welche Zielgruppe wollt ihr mit euren Kursen ansprechen?
Mark: Wir möchten uns auf keine spezielle Zielgruppe festlegen. Jeder kann Boogie-Woogie tanzen. Wir haben aktuell ganz unterschiedliche Teilnehmer in unseren Kursen, auch einige Studentenpaare. Wir freuen uns, auch weiterhin viele Leute zum Boogie-Woogie tanzen zu bewegen. Generell werden alle, die Vintage mögen und vielleicht auch leben, den Boogie lieben.
Eva: Es ist auch wirklich etwas Besonderes, dass Jung und Alt zusammenkommen und zusammen Spaß am Tanzen haben. Es gibt mittlerweile eine große Szene, vor allem in der Region Münchens. Das zeigt sich beispielsweise beim Festival „Rock that Swing“ in München, welches im Frühjahr stattfindet. Eine absolute Empfehlung! Auch international gibt es einige tolle Festival-Angebote. Auch hier zeigt sich, dass Boogie-Tänzer kein bestimmtes Alter haben. Charakteristisch ist eher, dass Boogie-Tänzer ein sehr fröhliches Gemüt haben, aufgeschlossen und alles andere als steif und spießig sind.

FRIZZ: Welche Kurse bietet ihr an?
Mark: Wir bieten Anfängerkurse und Fortgeschrittenenkurse an. Wer sich dann entscheidet weiterzumachen, tritt unserem Boogie Tanzclub bei. Das ist sozusagen regelmäßiger, langfristiger Unterricht. Der Club beinhaltet wöchentlich zwei Stunden Tanzunterricht und zusätzlich einmal in der Woche die Möglichkeit, den Raum zum freien Training, also zu Übungszwecken zu nutzen. Wir besuchen zudem gemeinsam mit unseren Tanzschülern Boogie-Partys, um dort das Erlernte auszuprobieren. Diese Gemeinschaft und diese Zusammengehörigkeit gehen dementsprechend auch über den Unterricht hinaus. Wir wollen, dass die Leute Spaß haben. Also nicht nur trainieren, sondern auch praktizieren!

FRIZZ: Kann man auch allein einen Boogie-Wooge Kurs besuchen oder braucht man einen Partner?
Mark: Wir haben auch sogenannte Taxitänzer- und Tänzerinnen in unseren Kursen. Diese helfen aus, wenn einzelne Tanzwillige ohne Tanzpartner kommen. Wir können allerdings nicht versprechen, dass es immer aufgeht, da sich erfahrungsgemäß mehr einzelne Damen als Herren melden.

FRIZZ: Wie viele Teilnehmer habt ihr pro Kurs?
Mark: In den Kursen sind im Schnitt 10 Paare. Die Teilnehmerzahl variiert nach Jahres- und Urlaubszeit.

FRIZZ: Wie kam es dazu, die Kurse beim VFB Ulm anzubieten?
Mark: Das kam dadurch, dass der VfB-Ulm uns mit dem Spiegelsaal einen Raum mit Parkettboden und Spiegel bieten konnte, den wir mit einem dauerhaften Slot am Freitag belegen konnten. Dazu baut der VfB Ulm aktuell sein Sportangebot aus und hat in diesem Zuge verstärkt das Tanzen aufgenommen. Es hat also einfach gepasst. Außerdem bietet der VfB-Ulm generell viele amerikanische Sportarten an – da passen wir auch gut dazu. (lacht)

FRIZZ: Welche Tanzstile helfen als Vorerfahrung beim Boogie-Woogie?
Mark: Der Boogie ist ja ein Tanz aus der Familie der Swing Tänze. Beherrscht man irgendeinen Swing Tanz, ist das natürlich von Vorteil. Aber allgemein hilft jegliche Tanzerfahrung.
Eva: Nichtsdestotrotz kann man aber auch als kompletter Tanzneuling mit dem Boogie-Woogie beginnen.

FRIZZ: Auf der Webseite steht: „Tanzen beschleunigt das Gehirn und senkt das Demenzrisiko.“ Werbespruch oder Wahrheit?
Mark: Das ist tatsächlich durch Studien belegt. Dadurch, dass man beim Tanzen permanent geistig gefordert wird - unter anderem von der Musik, vom Partner, vom Tanzlehrer - trainiert man seine Denkleistung in hohem Maß. Eine positive Veränderung der Hirnleistung lohnt sich natürlich auch für jüngere Teilnehmer. Tänzer sind aber auch körperlich fit und zudem beim anderen Geschlecht äußerst beliebt.

FRIZZ: Seid ihr trotz eurer Trainertätigkeit auch weiter auf Wettkämpfen?
Mark: Ja, auf jeden Fall. Nächstes Jahr stehen unter anderem wieder die bayerischen und süddeutschen Meisterschaften auf dem Programm. Wir trainieren selbst drei bis vier Mal die Woche mit Turniertrainern, um uns auf die Wettkämpfe vorzubereiten.

FRIZZ: Was kostet so ein Boogie-Woogie Kurs bei euch?
Mark: Tanzclub Mitglieder bezahlen monatlich 29 Euro für acht Stunden Tanzunterricht im Monat und die Möglichkeit, an einem zusätzlichen Tag in der Woche frei zu trainieren. Es gibt für bestimmte Personengruppen auch Ermäßigungen, z.B. für Studenten. Unser Einsteiger- und Fortgeschrittenenkurs geht über acht Termine und kostet für Mitglieder 60 Euro, für Nicht-Mitglieder 90 Euro.

FRIZZ: Lässt sich der Boogie-Woogie auch außerhalb der Tanzstunden einsetzen?
Eva: Ja, gerade das zeichnet den Boogie im Vergleich zu klassischen Tänzen aus. Es gibt weltweit sehr große und viele Boogie Tanzfestivals. Beispielsweise das Festival „Summer Jamboree“ in Senigallia, Italien. Hier trifft man auch sehr viele junge Leute. Es wird in der ganzen Stadt getanzt, sogar am Strand und überall spielen großartige Livebands. Hier kann man wirklich Party feiern. Unser Ziel ist es, in Zukunft auch Boogie-Woogie Partys in Ulm steigen zu lassen.
Mark: Im klassischen Standard-Latein geht man in die Tanzschule und zu dort angebotenen Übungsabenden. Das spricht junge Leute auf Dauer möglicherweise weniger an. Beim Boogie geht man auf richtige Partys, tanzt bei Festivals und hat oftmals musikalische Begleitung durch Livebands. Im Vergleich zu anderen Festivals steht hier nicht das Konsumieren von Alkohol, sondern wirklich noch das Tanzen im Vordergrund.
Und spätestens nach der ersten Party oder dem ersten Festivalbesuch hat einen der Boogie-Woogie in seinen Bann gezogen. (lacht)



Boogie Woogie beim VFB Ulm im Überblick

Geboten werden Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse sowie der Tanzclub.
Preise: Kurse 90 Euro für 8x60 Minuten, Tanzclub: 29 Euro im Monat (8 Stunden Unterricht im Monat) dazu Rabatte für VFB Mitglieder und Studenten.
Teilnehmer: 5-15 Paare pro Kurs, Tanzclub 70 Tänzer/-innen
Wo: Spiegelsaal beim VFB Ulm Sportzentrum
Anmeldung per E-Mail: info@boogie-ulm.de oder telefonisch unter 0178 - 36 24 437


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