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Andreas Buchenscheit im Stadtgespräch



Andreas Buchenscheit in Ulm


Im Internet ist Andreas Buchenscheit unter dem Pseudonym Andrew Danube ein Star, im Alten Theater organisiert er erfolgreich Musicals mit seinem Verein Quantum Musical und Anfang der 2000er erfand bzw. entwickelte er "team-ulm.de". Außerdem ist er Diplom-Informatiker, Unternehmer und Dozent, Pilot und Vorsitzender mehrerer Vereine...


FRIZZ: Herr Buchenscheit, um uns „normal Sterblichen“ keine Angst zu machen: Nennen Sie spontan fünf Dinge die Sie nicht können?
Andreas Buchenscheit: (lacht) Es gibt natürlich jede Menge Dinge, die ich nicht kann. Ganz vorne: ich tue mir schwer, Obst- und Gemüsesorten zu unterscheiden und auch bei Namen bin ich manchmal sehr ungeschickt. Deshalb sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich manchmal zwei, drei Anläufe brauche, um mich an Ihren Namen zu erinnern, Sabine, Karin, ... äh ... Laura?

FRIZZ: Mit siebzehn Jahren mussten Sie auf Ihre Volljährigkeit warten um Ihre erste Firma gründen zu können. Sie machten das Portal „Team Ulm“ zum bekanntesten Online-Magazin in der Region. Wie kamen Sie als Jugendlicher auf diese Idee?
Andreas Buchenscheit: Das ist jetzt natürlich schon sehr lange her. Damals war ich Schüler am Gymnasium Ulm-Wiblingen und das Internet war noch eine komplette Neuheit für alle. Wir hatten damals die Idee, eine kleine Internetseite zu machen, auf der wir uns gegenseitig über Partys in der Region informieren. Da aber noch nicht einmal die Stadt Ulm eine offizielle Internetseite hatte, kam man über Suchmaschinen immer auf Team-Ulm.de, wenn man nach Ulm gesucht hat. Das brachte mich zu der Idee, das ganze auszubauen zu einer Art Online-Magazin und im nächsten Schritt dann zu einer Online-Community – heute würde man Social Network dazu sagen.

FRIZZ: Haben sie parallel dazu dann studiert oder wie ging es für Sie weiter?
Andreas Buchenscheit: Ja genau, ich habe dann studiert. Zuerst war ich mir unsicher, ob es in die medizinische Richtung gehen soll; am Ende war es aber dann doch Medieninformatik. Zur Hochzeit, in der wir eine der meistbesuchten Internetseiten Baden-Württembergs mit über 500.000 Mitgliedern waren, war das Studium zeitweise eher zweitrangig. Aber man muss ja sagen, thematisch hat Team-Ulm.de optimal zum Studium gepasst.

FRIZZ: Inzwischen sind Sie Geschäftsführer der Cortex Media GmbH. Können Sie einem Laien erklären, was Ihre Firma genau macht?
Andreas Buchenscheit: Die Cortex Media GmbH ist ein Unternehmen fürprofessionelle Internetapplikationen, Cloud-Anwendungen und mobile Apps. Das heißt wir schaffen Lösungen für Unternehmen wie PERI, Bilfinger, SCHWENK, BMW Alpina und Weishaupt und hosten diese Lösungen in einem von acht Rechenzentren von Deutschland bis Sydney.

FRIZZ: Sie sind fester Bestandteil der Digitalisierungsbewegung der Stadt Ulm. Bei welchen Projekten bezüglich Ulms digitaler Zukunft haben Sie bereits mitgewirkt?
Andreas Buchenscheit: Oh, da gibt es jede Menge Projekte. Wir haben zum Beispiel dafür gesorgt, dass Liveübertragungen von wichtigen Ereignissen wie der Schwörrede, wichtige Pressekonferenzen bis hin zu Theaterstücken aus dem Ulmer Theater stattfinden können. Wir haben eine App für das Ulmer Museum realisiert, die selbständig im Museum erkennt, vor welchem Ausstellungsstück der Betrachter steht. Auch die neue Homepage der Stadt Ulm ist von uns. Wir haben zudem mit der initiative.ulm.digital die unterschiedlichsten Projekte am Laufen, wie das Projekt LoRaWAN: Ulm ist eine der ersten Städte weltweit, die über ein flächendeckendes Funknetzwerk für das Internet der Dinge, das für alle kostenlos zugänglich ist, verfügt. Wir möchten uns wirklich in der Breite in und für die Stadt engagieren, auch wenn man als Unternehmer erst mal stolz darauf ist, namhafte Firmen im In- und Ausland zu referenzieren.

Andreas Buchenscheit FRIZZ: Am 1. Oktober letzten Jahres gewann das Konzept „LoRaPark- ein Experimentierfeld und öffentlicher Showroom für das Internet der Dinge“, den Innovationswettbewerb der Stadt Ulm. Was steckt dahinter?
Andreas Buchenscheit: Da geht es um das gerade eben erwähnte LoRaWAN. Wir haben hier in der Stadt wirklich Pionierarbeit geleistet und leisten das immer noch. Das Problem ist aber, dass man zwar außerhalb der Stadtgrenzen immer wieder Ulm erwähnt und von hier spricht, und auch in unseren Publikationen immer wieder Ulm als Beispiel findet, allerdings wissen die Ulmer selbst weder was LoRa ist noch was man damit machen kann. Der LoRaPark soll deshalb nun ein öffentlicher Showroom werden, wo man die Vorteile und die Technik dahinter erleben kann. Wir werden das im Laufe des Jahres am Weinhof aufbauen, so dass die Besucher dann selbständig erleben können, was mit dieser Technologie alles möglich ist. Das Tolle daran ist, dass nicht wir alleine die Technologie vorstellen, sondern dass auch weitere Beteiligte interessante Beiträge hier zeigen und mit uns experimentieren können.

FRIZZ: Schon 2014 haben Sie massive Sicherheitslücken beim Messengerdienst WhatsApp nachgewiesen und im australischen Melbourne vorgestellt. Wo genau lag das Problem?
Andreas Buchenscheit: Die IT-Sicherheit ist ein Steckenpferd von mir und meinem Team. Wir sichern nicht nur unsere eigenen Systeme ab, sondern beteiligen uns auch aktiv in der Forschung zur IT-Sicherheit. Die aufgedeckte Sicherheitslücke bei WhatsApp hat das große Problem, dass sie im Prinzip bis heute nicht wirklich behoben werden konnte. Man kann bei WhatsApp zwar den Online-Status, also wann man zuletzt online war, deaktivieren, jedoch nicht, ob man gerade im Moment online ist.. Das bedeutet: Wir benötigen lediglich eine Telefonnummer, um diesen Online-Status lückenlos aufzeichnen zu können. Wir haben in der Studie 2014 gezeigt, dass mit Algorithmen alleine mit dieser Information auf deutlich weitreichendere Informationen geschlossen werden kann. Zum Beispiel: Wer unterhält sich mit wem, war jemand auf einer Party, geht die Person ihrem Hobby nach, chattet jemand die ganze Zeit während seiner Arbeitszeit, und so weiter.

FRIZZ: Wie ist es heutzutage um die Sicherheit bei WhatsApp bestellt?
Andreas Buchenscheit: Ich denke was sich definitiv geändert hat, ist ein allgemeines Verständnis der Sicherheit. Und WhatsApp hat viele Mechanismen implementiert, die absolut notwendig sind. Beispielsweise gibt es mittlerweile eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Heißt, WhatsApp selbst kommt nicht mehr an die persönlichen Nachrichten ran. Die Textnachricht wird dann wirklich vom Endgerät bis zum anderen Endgerät verschlüsselt übertragen. Das Problem heute ist dennoch, dass immer noch Teile nicht verschlüsselt werden oder dass die Telefonnummer ausreicht, um an gewisse Informationen zu kommen.

FRIZZ: Im Internet sind Sie unter dem Pseudonym Andrew Danube ein Star. Warum haben Sie sich für einen Künstlernamen entschieden?
Andreas Buchenscheit: Das ist nicht wirklich ein Künstlername. Ich habe nur mit YouTube experimentiert und wollte dies nicht mit meinem richtigen Namen machen. Deshalb war das eine spontane Schnappsidee, ich nenne mich nicht Andreas sondern … Andrew und … äh … Donau … Danube. Mehr ist da nicht dahinter. (lacht)

FRIZZ: Einzelne Videos haben mehr als sechs Millionen Klicks. Wie erklären Sie sich das?
Andreas Buchenscheit: Die Videos zielen natürlich schon mit Absicht darauf ab, was bei YouTube gut läuft. Also es sollte keine perfekte Aufnahme sein, trotzdem darf es auch keine schlechte Laienaufnahme sein. Mit den Stücken habe ich versucht, möglichst viele breite Geschmäcker zu treffen. Dass so ein Video dann gleich über sechs Millionen Mal geklickt wird und ich in Berlin als „YouTuber“ auf der Straße angesprochen werde, hatte ich definitiv nicht erwartet. (lacht)

FRIZZ: Haben Sie eigentlich noch mehr Videos online gestellt?
Andreas Buchenscheit: Ja, aber bitte rufen Sie jetzt nicht diese alten Videos auf! YouTube war halt mal am Anfang interessant, weil es eine neue Plattform war und ich die Idee toll fand, Videos über das Internet zu verbreiten, so dass auch kleine Künstler eine Bühne haben. Aber ich habe jetzt schon seit Jahren nichts mehr hochgeladen.

FRIZZ: Bei so viel Erfolg bekommen Sie sicher auch Geld von der Internetplattform. Könnten Sie allein davon leben?
Andreas Buchenscheit: Nein, davon könnte ich definitiv nicht leben. Und mir tut auch jeder Musiker leid, der davon leben muss. Ich weiß nicht, wie das gehen soll.

FRIZZ: 2013 wurde der Verein Quantum gegründet dessen Vorsitzender Sie sind? Was verbirgt sich dahinter?
Andreas Buchenscheit: Musik war schon immer ein großes Hobby von mir, wenngleich mir zur Schulzeit schon klar war, dass die Musik später nicht mein Beruf sein wird. Quantum Musical ist ein Verein, der im Alten Theater in Ulm regelmäßig ein Streifzug durch die Musicalgeschichte aufführt. Das einzigartige an Quantum Musical ist, dass wir unglaublich tolle Sängerinnen und Sänger, Musiker und Schauspieler haben, die ihr Talent und ihr Können mit auf die Bühne bringen. Es ist ein unglaubliches Geschenk, mit so vielen talentierten Menschen zusammenarbeiten zu dürfen und ich freue mich jetzt auch schon wieder auf die nächsten Aufführungen, die im Herbst anstehen – die hoffentlich im Herbst anstehen, zur Zeit weiß man das ja nicht.

FRIZZ: Wie viele Menschen wirken bei den Produktionen mit?
Andreas Buchenscheit: Bei den Produktionen wirken etwa 30 Personen im Ensemble, weitere 10 in der Band und Musikproduktion plus rund 20 hinter den Kulissen mit. Also sind wir in Summe ungefähr 60 Personen.

FRIZZ: Sind die Vorstellungen gut besucht?
Andreas Buchenscheit: Ja, wir haben das große Glück, dass die Vorstellungen meistens bereits innerhalb von zwei Wochen nach Beginn des Kartenvorverkaufs restlos ausverkauft sind und unsere Aufführungen somit mehrere tausend Zuschauer sehen.

FRIZZ: Verraten Sie unseren Lesern, was dieses Jahr aufgeführt wird?
Andreas Buchenscheit: Nein, das ist natürlich streng geheim und wird auch nicht verraten. Nur so bleibt es eine Überraschung.

FRIZZ: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“-sind sie deshalb Pilot geworden?
Andreas Buchenscheit: Nein, das war nicht der Grund. Aber es war etwas Ähnliches: die Faszination. Manchmal spreche ich auch von einem Kindheitswunsch. Beim Fliegen war diese Faszination schon immer da, also schon als Kind. Dass man die Schwerkraft irgendwie überwinden kann. Und genau diese Faszination ist bis heute geblieben und so genieße ich jeden einzelnen Flug.

Andreas Buchenscheit im FlugzeugFRIZZ: Ein Streifzug durch Ihre Homepage macht deutlich, dieser Mann muss „weltverliebt“ sein, ist das so?
Andreas Buchenscheit: Ja, definitiv! Ich liebe es, andere Länder und andere Kulturen zu bereisen und aus dem Alltag auszubrechen. Deshalb mache ich das auch so oft ich das kann. Dazu zählen nicht nur längere Aufenthalte, wo ich mehrere Wochen unterwegs bin, sondern es gibt de facto eigentlich kein Wochenende, an dem ich komplett daheim bin. Ich liebe es einfach, in Erbach mit dem Flugzeug zu starten, die Dolomiten zu überqueren und dann auf dem Lido di Venezia zu landen, oder über die Schweizer Alpen zu fliegen und dann bereits über dem Splügenpass und Comer See den Landeanflug auf Mailand zu beginnen. Es ist unglaublich toll!

FRIZZ: Wie viele der 194 Länder haben Sie denn schon bereist?
Andreas Buchenscheit: Das ist tatsächlich eine gute Frage. Und ich kann sie nicht mal beantwortet. Im Moment wäre ich eigentlich auf Maupiti, Französisch-Polynesien. Da wurde mir – wie vermutlich vielen anderen Menschen derzeit auch – ein Strich durch die Rechnung gemacht. Ich bin von vielen Zielen fasziniert. Sowohl von Ländern die ich sehen durfte, die wirklich weit weg sind, wie Australien, Neuseeland, Hawaii, Südafrika, Kanada, den Bahamas und mehr . Ich bin aber genau so fasziniert von schönen Zielen in der Nähe, wie London oder Ibiza, wo ich seit zehn Jahren mindestens ein Mal im Jahr bin.

FRIZZ: Welche stehen noch auf Ihrer „Bucket List?“
Andreas Buchenscheit: Französisch-Polynesien mit Maupiti, Tetiaroa, Bora Bora, Huahine und den anderen Inseln steht jetzt ganz oben auf der Bucket List, da die Reise ja zwangsweise verschoben wurde. Gefolgt von einer endlosen Liste.

FRIZZ: Außerdem sind Sie auch noch Dozent an der Technischen Hochschule Ulm. Zu welchen Fachgebieten halten Sie Vorlesungen?
Andreas Buchenscheit: Ich halte Vorlesungen zu den Fächern Web Engineering und IT-Sicherheit. Hinter Web Engineering verbirgt sich im Prinzip alles, wovon wir heute synonym vom Internet sprechen. Das ist mittlerweile deutlich weitreichender als man im ersten Moment denkt. Während man früher nur mit einem Browser im Internet war, ist heute jedes Smartphone, jeder Fernseher, jede Stereoanlage und schon die erste Pfanne mit dem Internet verbunden.

FRIZZ: Bei so viel Talent, Wissen und Schaffenskraft, wie hart war es, sich das alles zu erarbeiten?
Andreas Buchenscheit: Ich glaube das Erfolgsrezept ist, dass es mir selbst Spaß macht. Jeder weiß, wenn einem eine Sache Spaß macht, ist die Arbeit keine Arbeit mehr und es geht Vieles von allein. Ich habe am Anfang in der Tat mal nach einem Spruch gelebt: „Mach das, was dir Spaß macht, das Geld kommt dann von allein.“ Ganz so ist es natürlich nicht immer, schließlich gibt es auch viele Dinge, die erledigt werden müssen, aber alles in allem würde ich sagen: Spaß ist das A und O.

FRIZZ: Was gefällt Ihnen in Ulm?
Andreas Buchenscheit: Ulm hat die optimale Größe. Ich sage immer, Ulm ist groß genug, dass man interessante Dinge realisieren kann, aber klein genug, dass es überhaupt möglich ist. Ich kenne so viele engagierte Personen in dieser tollen Stadt, das gefällt mir an Ulm.

FRIZZ: Beenden Sie den Satz: Glück ist für mich……….?
Andreas Buchenscheit: Dieser Satz wäre jetzt wahrscheinlich drei Seiten lang, aber um es auf den Punkt zu bringen: Gesundheit und Lebensfreude.